Ist der Kauf von Büchern im lokalen Handel noch zeitgemäß?
Ist der Kauf von Büchern im lokalen Handel noch zeitgemäß? | Foto: BNN

Pro & Kontra

Bücher im lokalen Handel kaufen?

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Ein Tweet, der dazu auffordert, Bücher im lokalen Handel zu kaufen und Amazon zu boykottieren, macht derzeit im Netz die Runde. Doch ist der Kauf von Büchern im lokalen Handel noch zeitgemäß? Zwei BNN-Redakteurinnen haben unterschiedliche Meinungen, die eine kauft im Buchhandel, die andere bei Amazon.

Pro (Tanja Rastätter)

Nur ein gedrucktes Buch ist ein richtiges Buch. Das ist keine altmodische Ansicht, sondern im Hinblick auf Haptik, Duft und Covergestaltung eine unausweichliche Tatsache. Außerdem kann man es in die Badewanne mitnehmen und dort lesen.

Nicht zu vergessen: Der Onlineversandhändler Amazon gilt als der Tod des deutschen Buchhandels. Der Leser macht sich abhängig von einem einzigen großen Anbieter und seiner Plattform. Natürlich gibt es andere, aber generell kann kein E-Book-Reader das Lesegefühl ersetzen, das ein Buch-Fan bei einer Printpublikation erhält. Außerdem können sie nicht wie Bücher verliehen oder weiterverkauft werden, der Leser erhält nur eine Lizenz zum Lesen.

Zudem ist die Lesbarkeit bescheiden: der Kontrast ist häufig zu schlecht. Was ist, wenn der Akku gerade an einer spannenden Stelle den Geist aufgibt? Der Leser wird am Weiterlesen gehindert. Ein normales Buch benötigt keinen Strom. Jeder kann es lesen wann und wo er will.

Beim Kauf im Internet entfällt überdies das Schmökern im Buchladen, wo der Kunde auf neue Geschichten aufmerksam wird und auch Bücher entdeckt, die er noch nicht auf seiner Wunschliste hatte. Online existiert auch kein Buchhändler, der den Lesegeschmack des Bücherfreundes kennt und Empfehlungen gibt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Wenn man den lokalen Einzelhandel nicht unterstützt, gibt es bald keine Fachgeschäfte mehr. Das sollte jeder bei einer Online-Bestellung bedenken.

Kontra (Tanja Starck)

Alle mögen es bequem. Warum also nicht bei Amazon kaufen, dem Erfinder des Online-Schlaraffenlands? Schließlich wird beim Online-Riesen der Shoppinggedanke so gut verstanden wie bei sonst kaum einem Anbieter. Gefühlt ist für Amazon alles machbar und nichts ein Problem. Schnelle Lieferung: aber sicher doch. Reklamationen: kein Problem. Angebotsvielfalt: unendlich.

Wo lässt sich sonst parallel zum Buch, gleich noch der Sessel zum Lesen, das Kissen zum Anlehnen und das Naschwerk zum parallelen Snacken mitbestellen? Und das zum Nulltarif. Okay, ganz gratis ist die Lieferung nicht, aber die „Prime“ genannte Jahresgebühr bietet ja noch so viel mehr: von Filmen, Musik über Bücher und Zeitschriften im All-Inklusive-Preis bis eben zur wichtigen Lieferung ohne Extra-Kosten.

Wie soll der Handel da noch mithalten? Warum auf einen Verkäufer warten, der das Buch dann auch online bestellen muss und den Kunden zu einem erneuten Besuch mit Warterei zwingt. Von den Sprit- und Parkkosten und den daraus resultierenden Umweltproblemen ganz abgesehen?

Hinzu kommt die digitale Auswahl: es ist so einfach ein Buch in der Kindle-App zu lesen. Nie ließ sich eine Bibliothek so gut auf Reisen mitnehmen. Und Treue lohnt. Wer erst einmal weiß, was Amazon bietet, erhält viel Nutzen für wenig Geld. Das Prinzip kennt man ja auch von iPhone- oder Android-Nutzern, die würden ja auch nicht einfach wechseln, wenn jemand zum Boykott aufruft. Oder? Also am besten kein schlechtes Gewissen einreden lassen und Amazon treu bleiben.

Die Buchbranche im Blick: Die gesamte Buchbranche durfte 2018 steigende Verkäufe verzeichnen, zwar rettet das Plus von 0,1 Prozent, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verkündete, nicht die verlorenen Millionen aus etwa 2017, doch sie geben Hoffnung. Aber nicht die positiven Zahlen machten im Internet zu Jahresbeginn die Runde, sondern der Tweet des Mainzer @piccin13, der am Donnerstag, 10. Januar, gesendet wurde, und auf den es im Netz mittlerweile über 10.000 Reaktionen gibt.