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Weg aus der Krise

Corona zum Trotz: Rockmusiker stellt eigenes Festival in Karlsruhe auf die Beine

Konzerte in den USA, eine Clubtour und Festivalgigs: Der Terminkalender von Sebastian Dracu war eigentlich voll - bis Corona kam. Nun organisiert er sein eigenes Festival.

Blickt nach vorne: Sebastian Dracu will seine Musik nicht von Corona ausbremsen lassen. Foto: Ronny Krautz

Die Vollbremsung im Konzertgeschäft wegen Corona hat alle Musiker getroffen. Besonders bitter ist das freilich, wenn man gerade am Durchstarten ist. „2020 sollte ein Karrierejahr werden“, sagt Sebastian Dracu. Im Terminkalender standen mehrere Konzerte in den USA, eine Clubtour durch Deutschland und mehrere Festivalgigs. Übrig blieben davon ein paar Livestreams.

Doch der 27-jährige Gitarrist und Sänger sagt: „Es gibt zwei Arten, darauf zu reagieren: Entweder man beschwert sich über sein Pech, oder man stellt selber was auf die Beine.“ Dracu bevorzugt den letztgenannten Weg. Und so hat er befreundete Musiker zusammengebracht für ein eigenes Festival, das an diesem Freitag, 2. Oktober, ab 20 Uhr im Karlsruher Club „Stadtmitte“ steigt.

So etwas zu organisieren, ist zwar in Zeiten von Corona-Verordnungen noch komplexer als zuvor. Doch Dracu war klar, worauf er sich einließ: „Ich habe 2017 schon mal so etwas gemacht und mich auch damals um alles gekümmert, von Sponsoring über Security bis zur Werbung.“ Der aus Baden-Baden stammende Berufsmusiker weiß: „Viele Bands glauben, nur weil sie gute Musik machen, ruft sie irgendwann mal jemand an, der ihnen dann die große Karriere eröffnet. Aber das ist eine Traumblase. Man muss die Dinge selbst in die Hand nehmen.“

Als „idealistischer Idiot“ gegen den Mainstream

Auf diese Weise hat er sich als charismatischer Sänger und fingerfertiger Gitarrist ( letzteres brachte ihm 2015 sogar den Deutschen Rock- und Pop-Preis ein ) über mehrere Jahre hinweg ein dichtes Netzwerk an Kontakten erarbeitet. Den herkömmlichen Musikmarkt lässt er dabei außen vor: „Die Musikindustrie hat die Kultur komplett privatisiert. Da geht es nicht um Kunst, sondern um Kohle.“

Er selbst sei im Vergleich dazu ein „idealisitischer Idiot“, sagt Dracu lachend, wird aber gleich wieder ernst: „Dass jede Band auf Spotify zu finden ist, hat die Musik entwertet.“ Die Coronakrise mache das Ungleichgewicht der Kräfte nun richtig sichtbar: „Neue Musik gibt es nur, wenn sie sich in kleinen Clubs entwickeln kann. Aber die haben keine Lobby und sind jetzt ernsthaft bedroht.“

Die Musikindustrie hat die Kultur komplett privatisiert. Da geht es nicht um Kunst, sondern um Kohle.
Sebastian Dracu, Rockmusiker

Für Künstler selbst hingegen gebe es durchaus Unterstützung. „Aber man muss sich halt kümmern und den ganzen Papierkram erledigen“, betont er wieder die Eigenverantwortung. Zu der gehört bei ihm auch, dass er seine Musik selbst vermarktet (über Bandcamp), Produktionsaufträge annimmt oder Videos über Gitarrenverstärker erstellt: „Ich habe nicht das Ziel, Influencer zu werden, aber ich arbeite hier gern mit Firmen, deren Philosophie zu mir passt.“

Freude auf Konzert mit Rock-Trio

Zudem kann er Konzerte je nach Auftrittsrahmen solo mit Akustikgitarre, in Duo-Besetzung oder im Rock-Trio spielen. „Im Trio macht’s am meisten Spaß, da kann ich an der E-Gitarre richtig loslegen.“ In der Stadtmitte soll es entsprechend zur Sache gehen. Zugelassen sind im Saal 85 Besucher, einige Tickets seien an der Abendkasse noch verfügbar. Außer Dracu sind mit Destiny Unknown und Alex Wernet zwei Karlsruher Acts zu erleben, die Alternative-Rock und Americana auf die Bühne bringen.

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