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Preisverleihung im Karlsruher Rathaus

Das sind die Preisträgerinnen der Hermann Hesse Literaturpreise

Iris Hanika wurde am Donnerstagabend im Bürgersaal des Karlsruher Rathauses der mit 15.000 Euro dotierte Hermann Hesse Literaturpreis überreicht. Er gilt als eine der bedeutenden deutschen Auszeichnungen dieser Art in Deutschland. Den Hermann Hesse Förderpreis erhielt Nadine Schneider für ihr Debüt „Drei Kilometer“.

Die Preistägerin: Iris Hanika hat für ihr Buch „Echos Kammern“ und darin zum Ausdruck gebrachte „Kraft einer in feinste Nuancen dringenden Sprache“ den Hermann Hesse Literaturpreis verliehen bekommen. Foto: Villa Massimo/ Alberto Novelli

Man durfte gespannt sein auf den Auftritt von Iris Hanika am Donnerstagabend im Bürgersaal des Karlsruher Rathauses. Dort wurde ihr der mit 15.000 Euro dotierte Hermann Hesse Literaturpreis überreicht. Die Jury hatte sich von ihrem Buch „Echos Kammern“ entzückt gezeigt, hatte ihr die „Kraft einer in feinste Nuancen dringenden Sprache“ bescheinigt. Zu recht. Das fließt bei ihr mit Lust und Witz dahin, mit feinem Gespür für das Potenzial ihrer Worte und jener poetischen Unbefangenheit, die es braucht, um aus Zeilen schwingende Saiten zu machen.

Pfiffig gedrechselte Lobrede

Und dann trat Iris Hanika ans Mikrofon – um mit freundlichem Lächeln zu verkünden, dass sie nichts aus ihrem Roman lesen werde. Andreas Platthaus, den sie übrigen für den Laudatoren-Nobelpreis vorschlage, habe das in seiner (in der Tat pfiffig gedrechselten) Lobrede weitaus besser gemacht, als sie es könne. Weshalb sie denn eine kurze Geschichte des Dichters zum Besten gab, nach dem der Karlsruher Preis benannt ist und der Mitte der 1950er-Jahre auf eine entsprechende Anfrage hin bekundete, er habe nichts dagegen, wenn die neue Auszeichnung nach ihm benannt werde.

Nun also las Hanika Hesses „Gespräch mit einem Ofen“ und begründete ihre Wahl mit der Feststellung: „Mein Bestreben ist es, den Sinn aus den Dingen herauszunehmen“. Das will sagen: die Dinge von aller symbolischen Last und konventionellen Fixierung zu befreien. Etwa so (das sagte Hanika nicht), dass man ähnlich unbefangen wahrnimmt wie die Musik, die Yuliya Lonskaya mit ihrer Gitarre und von eigenem Gesang begleitet ebenso feinfühlig wie temperamentvoll darbot und so heiter festliche Stimmung erzeugte.

Zwischen Treue und Verrat

Ebenfalls ausgezeichnet wurde Nadine Schneider (Foto: Laurin Gutwin), 1990 in Nürnberg geboren und heute so alt wie Iris Hanika, als sie 1992 mit der Erzählung „Katharina oder Die Existenzverpflichtung“ ihr erstes Buch herausbrachte. Schneiders Debütroman, für den die Autorin den Hermann Hesse Förderpreis erhielt, heißt „Drei Kilometer“ und dreht sich um eine junge Frau zwischen zwei Männern. Nach Ansicht der Jury lotet sie dort „bemerkenswert unspektakulär und mit schwebender Ambivalenz den schmalen Grat zwischen Treue und Verrat neu aus“.

Nadine Schneider Foto: Laurin Gutwin

Auf Nadine Schneider hielt Hansgeorg Schmidt-Bergmann die Laudatio. Der Vorsitzende der Stiftung Hermann Hesse Literaturpreis, erinnerte daran, dass Schneiders Eltern Banat nach Deutschland kamen. Dort, unweit der Grenze zum ehemaligen Jugoslawien, handelt der Roman, den Schmidt-Bergmann als „literarisches Dokument einer notwendigen Aufklärung“ rühmte. Blickt er doch zurück auf die letzten Zuckungen der Ceaucescu-Diktatur – Anlass für den Germanisten auf die Vorgänge in Belarus hinzuweisen, wo, anders als seinerzeit in Rumänien, Frauen offenbar eine zentrale revolutionäre Rolle spielen. So dass sich zeigte, dass Literatur zwar nicht gefährlich ist, wie der Karlsruher Oberbürgermeister in Anspielung auf das Corona-Virus hervorhob, sich aber nicht selten gefahrvollen Stoffen widmet.

Das alles geschah unter strenger Beachtung der Abstandsregeln. Mithin war der Saal schütter besetzt. Aber allen Anwesenden war wohl bewusst, dass sie ein Bekenntnis abgeben – Bekenntnis zu einem Teil des gesellschaftlichen Lebens, dessen Notwendigkeit nicht zuletzt an diesem Abend deutlich wurde.

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