Hoch hinaus bis auf den Südturm des Doms zu Speyer kann man am Unesco-Welterbetag. Aufgrund der Corona-Krise laden die 46 deutschen Welterbestätten über eine neue Internetseite zur digitalen Entdeckungstour mit vielen Formaten und Live-Streamings. | Foto: Andrea Fabry

Virtueller Aktionstag

Die 46 deutschen Unesco-Welterbestätten laden zum digitalen Besuch

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Per Klick an 46 besondere Orte: Der Unesco-Welterbetag findet am Sonntag zum ersten Mal in digitaler Form statt. Über eine neue Internetseite kann man alle 46 deutschen Welterbestätten vom Aachener Dom bis zum Wattenmeer ansteuern.

Wer gerne hoch hinauf würde, aber spätestens ab zehn Metern gegen schwammige Knie kämpfen muss, hat es diesmal einfach beim Unesco-Welterbetag. Höhenangst ist an diesem Sonntag jedenfalls keine Ausrede für einen Besuch etwa auf dem 60 Meter hohen Südturm des Doms zu Speyer.

Denn auf den geht es an dem Tag, den 46 Welterbestätten in Deutschland wie immer am ersten Sonntag im Juni begehen, diesmal nicht real, sondern aufgrund der Corona-Pandemie nur virtuell: über die neue Internetseite www.unesco-welterbetag.de.

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Erstmals seit 2005 laden die Deutsche Unesco-Kommission und der Verein Unesco-Welterbestätten Deutschland zur digitalen Entdeckungstour. Mit einer neuen Internetseite zum Welterbetag haben sie eine Plattform geschaffen, die das digitale Erkunden der Monumente ermöglicht.

Per Klick kann man auf einer Karte durch Deutschland reisen und Stätten wie das Rathaus und den Roland in Bremen ansteuern, Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb erkunden oder über das Augsburger Wassermanagementsystem Innovation und Fortschritt aus über 800 Jahren Wassergeschichte kennen lernen. Sogar die pittoresk auf einem Hügel im Ostallgäu gelegene darf die Wallfahrtskirche in Wies öffnet ihre digitale Pforte.

So viele Welterbestätten wie noch nie nehmen teil

Die große Mehrzahl der Welterbestätten in Deutschland beteiligt sich aktiv am Aktionstag – so viele wie nie zuvor, berichten die Veranstalter. Schon jetzt gibt es einige Videos und Beiträge auf der Internetseite, andere gehen am Tag selbst „viral“.

Insgesamt führt die Aktion gewissermaßen von A bis W. Vom Aachener Dom bis zum Wattenmeer sind die vielen faszinierenden Kultur- und Naturerbestätten zu erspähen – in der Region der Dom zu Speyer und das Kloster Maulbronn.

Auch das Kloster Maulbronn ist beim Unesco-Welterbetag dabei. | Foto: Tanja Mori Monteiro

In diesem Jahr liegt es den Veranstaltern am Herzen, die verbindende Wirkung des Welterbes zu stärken, indem sie die vielfältigen Kultur- und Naturerbestätten in Deutschland unabhängig von Ort und Zeit für jeden erlebbar machen. „Gleichzeitig soll der Unesco-Welterbetag das große Engagement dieser besonderen Begegnungsorte würdigen, die jetzt mehr denn je unsere Unterstützung benötigen“, betont die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer.

Für alle Generationen ist etwas geboten

Natürlich mag sich das volle sinnliche Erleben auf dem Bildschirm nicht einstellen. Etwa der Geruch des alten Gemäuers im Kloster Maulbronn oder die Hafenluft von Hamburg in der Speicherstadt und dem Kontorhausviertel – einer Achitektur-Ikone zwischen Historismus und Klinkerexpressionismus.

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Stattdessen gibt es andere Spielereien: Zum Beispiel fehlt ein Blatt am Boden und ein Apfel am Baum auf dem Fresko von der Vertreibung aus dem Paradies, das sich im Mittelschiff des denkmalgeschützten monumentalen Gotteshauses befindet. Zumindest auf dem Fehlerbild, das sich für Kinder und Junggebliebene im Experimentier-Bereich ebenso findet wie ein Ausmalbild „Mein Dom zu Speyer“ und ein Kinderdomführer mit Rätselfragen. Doch ist bei weitem nicht nur für die Generation „Jung und Verspielt“ etwas geboten.

Tour führt auch zu schwer zugänglichen Bereichen

Auf der neuen Website ermöglichen virtuelle Spaziergänge das Erkunden von Winkeln, die aufgrund aktuellen Corona-Pandemie nicht oder nur schwierig zugänglich sind. Der digitale Raum bietet dabei naturgemäß die Chance, außergewöhnliche Perspektiven einzunehmen und solche Bereiche der Welterbestätten zu erspähen, die beim realen Besuch normalerweise verschlossen bleiben.

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Höhepunkt des Aktionstages ist im doppelten Wortsinn das Projekt „Daily Drone“ des Auswärtigen Amts in Kooperation mit der Deutschen Welle: Es zeigt ab dem 7. Juni alle 46 deutschen Welterbestätten aus der Luft.

Hashtag #WelterbeVerbindet

Interviews mit Experten der jeweiligen Einrichtung geben persönliche Einblicke in die täglichen Herausforderungen der Erhaltungs- und Vermittlungsarbeit. Und wo das Wörtchen „digital“ lockt, wartet natürlich auch ein Hashtag für alle, die gerne selbst posten, in den Glasfaserkabeln: Wer möchte, kann sein Motiv unter #WelterbeVerbindet teilen. In einer digitalen Ausstellung werden ab dem 7. Juni 2020 alle eingereichten Fotos präsentiert.