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Magie über alles 

Die Schlossfestspiele Ettlingen bringen „Krabat“ auf die Bühne

Verführung, Machtmissbrauch, Angst und Tod – darum geht es in Otfried Preußlers Roman Krabat, der nun als Schauspiel in Ettlingen inszeniert wird.

Alexandra Ebert als Kantorka in der Bühnenfassung von Krabat.
Kantorkas (Alexandra Ebert) Gesang kündet in Krabat in der Osternacht von Vertrauen und Erlösung. Foto: Michael Bode

Otfried Preußler brauchte lange, um seine traumatischen Erlebnisse literarisch zu bewältigen: 1942 hatte er sich unmittelbar nach dem Abitur zum Kriegsdienst gemeldet, 1944 war er für fünf Jahre in sowjetische Gefangenschaft geraten. Erst 1971 erschien sein Roman „Krabat“, in dem es um Verführung, Machtmissbrauch, Angst und Tod geht. Bei den Schlossfestspielen Ettlingen hat Mirijam Kälberer nun eine eigene Schauspielfassung inszeniert. Auf dem Programmzettel schreibt sie selbst, dass Otfried Preußler in „Krabat“ seine Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg verarbeitet habe. Auf der Bühne treten diese Aspekte leider zurück, ebenso wie die Atmosphäre der sorbischen Sage, auf der die Geschichte basiert. Der „sorbische Faust“ erscheint eher als älterer Bruder von Harry Potter.

Fokussiert auf die Faszination der Magie

Das Stück fokussiert auf die Faszination der Magie, was beim Premierenpublikum übrigens bestens ankam. Ahnungsvolle Musik, Nebel und Rauch, ein mächtiges Bühnenbild, das in die Abgründe der Mühle am schwarzen Wasser blicken lässt, sowie Videoanimationen, die Traum- und Zauberhaftes visualisieren und mitten im Juli die Illusion einer bitterkalten, schneereichen Silvesternacht vermitteln – alles ist da. Bühnenbildner Christian Held, Kostümbildnerin Melanie Riester sowie vor allem die Videodesigner Marc Jungreithmeier und René Liebert von Studio6 haben ausgezeichnete Arbeit geleistet.

Wenn sich am Ende die Schlossfassade in eine Pappwand zu verwandeln, zu entflammen und von oben nach unten abzubrennen scheint, dann wirkt das schon beeindruckend. Unter den Schauspielern ragt vor allem Otto Beckmann als einäugiger Müllermeister und Lehrer der schwarzen Kunst hervor. Wenn dieser gesteht, dass er die Leitung der Schule gern abgeben würde, um bei Hofe, vielleicht als Kanzler, ein Leben in Pracht und Herrlichkeit zu führen, dann entbehrt das nicht einer gewissen Ironie.

Den jungen Krabat (Alduin Gazquez), der sich bisher als Sternsinger Nahrung erbettelt hat, lockt weniger die Ausstrahlung des Meisters in die Mühle als vielmehr die Aussicht, eine Aufgabe zu erfüllen und einer Gemeinschaft anzugehören, den Raben mit ihren schwarzen Kapuzenmänteln und ihren großen Flügeln aus flirrenden, raschelnden Folienstreifen. Von vornherein hegt Krabat Zweifel, die mit jeder seltsamen Beobachtung wachsen.

Krabat verliebt sich in Kantorka

Frage häuft sich auf Frage, aber erst nach der Pause zeigt sich das Verhängnis: Krabats bester Freund Tonda (Christian Manuel Olivera) ist unter rätselhaften Umständen verstorben. Er ist nicht das erste und nicht das letzte Opfer. Krabat aber hat sich bereits verliebt, und zwar in Kantorka (Alexandra Ebert), deren Name eigentlich ein Titel ist und „Vorsängerin“ bedeutet und deren Gesang in der Osternacht von Vertrauen und Erlösung kündet. Mit seinem eigenen Mut und Kantorkas Liebe wird Krabat sich aus dem totalitären System befreien.

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