Ein Bad in Farbe verspricht die Raumgestaltung von Carl Ostendarp für die Ausstellung "Die Bilder der Brüder" im Museum Frieder Burda, Baden-Baden. | Foto: ARTIS-Uli Deck

„Die Bilder der Brüder“

Expressionistische Malerei im Museum Frieder Burda Baden-Baden

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Baden-Württembergs Museen sind wieder geöffnet, und das Museum Frieder Burda in Baden-Baden wartet gleich mit einer neuen Ausstellung auf. Unter dem Titel „Die Bilder der Brüder“ zeigt das Haus Malereien des Expressionismus.

Endlich wieder Kunst. Und gleich etwas Neues. Keine Wiedereröffnung einer Ausstellung, der durch Lockdown die Öffentlichkeit entzogen wurde, sondern eine – gleich in mehrfachem Sinne – frische Präsentation. „Die Bilder der Brüder“ heißt die jüngste Ausstellung des Museums Frieder Burda in Baden-Baden.

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Mit dem Namen des Hauses in der Lichtentaler Allee ist gleich einer der drei genannt, deren Sammlungen hier zusammengeführt sind. Genauer: ein Teil ihrer Kunstbestände. Gezeigt werden die expressionistischen Werke, darunter Bilder von August Macke und Gabriele Münter, von Max Pechstein oder Hans Purrmann.

Farbe als Impuls

Sie alle verbindet die Intensität ihrer Farbpalette. Farbe war ein wichtiger Impuls für die Kunstsammler im Hause Burda. Frieder Burda hat zu seinen Lebzeiten mehrfach betont, welch hohe Bedeutung die Farbe für sein Verhältnis zur Kunst hat. Und wiewohl er seine erste eigene Erwerbung als gewusste Gegenposition zum Vater verstand, der sich ganz auf expressionistische Malerei kapriziert hatte, so bekannte er später auch: „Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass diese Richtung mir am besten gefällt.“

Begeisterung für Expressionisten

Die väterliche Begeisterung für diese Kunst begründet Hubert, der jüngste aus dem Brüder-Trio, ebenfalls mit dem Stichwort Farbe: „Ich denke, es waren in erster Linie die Farben, die ihn begeistert haben. Nicht umsonst hieß ja auch seine Zeitschrift die Bunte.“

 

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. 🇩🇪 Die Familie Burda und die Kunst – eine leidenschaftliche Beziehung. Aber wie fing eigentlich alles an? Wir haben anlässlich unserer neuen Ausstellung „Die Bilder der Brüder. Eine Sammlungsgeschichte der Familie Burda“ die Hintergründe zur Familien- und Sammlungsgeschichte der Familie Burda recherchiert und stießen dabei nicht nur auf den Kern ihrer Leidenschaft für die Kunst, sondern auch auf spannende Anekdoten zu Andy Warhol am Familienesstisch im Schwarzwald. Bleibt gespannt. Ab morgen dürfen wir endlich wieder für Euch öffnen und freuen uns auf Euren Besuch! . 🌍 For our new exhibition “The Burda Brothers – A History of Collecting” we conducted research into the Burda family’s history—including their history of collecting. In the process, we not only uncovered the roots of Franz, Frieder and Hubert Burda’s passion for art but also stumbled upon fascinating anecdotes: what did Andy Warhol do at the family dinner table in the Black Forest? Please come visit us as of tomorrow! #friederburda #hubertburda #franzburda #newexhibition #museumfriederburda #citybadenbaden #sammlungfriederburda #udokittelmann #patriciakamp

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Was lag also näher, als die Raumgestaltung der aktuellen, von Patrizia Kamp und Udo Kittelmann konzipierten Ausstellung einem Künstler wie Carl Ostendarp zu überlassen. Der US-Amerikaner hat die Wände der Säle und Kabinette mit prägnanten Farben bemalt: hier ein cremiges Himbeerrot, dort ein Blau, das Badefreuden suggeriert.

Auf diesem Untergrund hängen Gemälde wie Alexej von Jawlenskys „Gelber Topf“ (1930), Karl Schmidt-Rottluffs „Juninacht“ (1959) oder Ernst Ludwig Kirchners „Liegender blauer Akt mit Strohhut“ (1909), eines der ersten Werke, die Franz Burda sen. erwarb, als er Ende der 1950er-/ Anfang der 1960er-Jahre begann, eine Expressionisten-Sammlung aufzubauen, die nach seinem Tod 1986 in den Besitz seiner Söhne Franz, Frieder und Hubert überging.

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Ausstellungsbesucher tauchen in Farbe ein

Dass Gemälde von Künstlergruppen wie die Dresdener „Brücke“ (zu deren Gründern Kirchner und Schmidt-Rottloff gehörten) auf bunten Wänden gezeigt werden, ist nicht ungewöhnlich. Die lange gültige Doktrin, Malereien kämen allein auf neutral weißem Grund zur Geltung, ist längst der Erkenntnis gewichen, dass der Zusammenklang mit Farben außerhalb eines Bildes interessante Einsichten eröffnen kann.

Das Besondere der Baden-Badener Gestaltung der Wände liegt darin, dass Ostendarp erreichen möchte, dass die Ausstellungsbesucher in die Farben eintauchen. Um diesen Effekt zu unterstreichen, hat der Künstler die Farben so angelegt, dass sie in wogenden Wellenlinien aneinanderstoßen.

Schwerpunkt Max Beckmann

So entstehen ungewöhnliche Harmonien zwischen der Malerei und ihrer Umgebung. Es ergeben sich aber auch Kontraste wie zu Max Beckmanns frühen Landschaftsbild „In den Wanderdünen“ (1908). Dessen helle Tonigkeit sticht aus dem kräftigen Farbgrund heraus. Beckmann ist mit einer Reihe eindrucksvoller Werke vertreten, darunter seinen „Artistin – Am Trapez“ (1936) oder sein „Nächtlicher Park in Baden-Baden“ (1941).

Corona prägt den Blick

Auch „Akademie II“ von 1944 zählt hier dazu – und macht bewusst, wie leicht sich der Blick gleichsam „Corona-infizieren“ lässt. Das Gemälde zeigt eine Gruppe von dicht beieinander sitzenden Menschen beim Aktzeichnen: Ein solches Maß an körperlicher Nähe ist unter den gegenwärtigen Bedingungen schlecht vorstellbar.

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Und so geht es weiter. Von Ernst Ludwig Kirchners Gemälde „Zwei Akte mit Badetub und Ofen“ (1911) wird man daran erinnert, dass allenthalben zu gesteigerter Hygiene ermahnt wird und Max Pechsteins „Nidden“ (1911) lässt an Ausgehverbote denken.

Warhols „Gentlemen“

Die dunklen Boote, die der expressionistische Künstler gemalt hat, sind so leer wie der Strand, auf dem sie liegen. Immerhin: Die Wolken verbreiten nachgerade Zuversicht. Sind sie doch rosig – fast so wie das Rosa, das Andy Warhol 1982 zusammen mit anderen Farben verwendete, um „The Three Gentlemen“ zu porträtieren, deren Sammlungen jetzt in Baden-Baden zu sehen sind.

Bis 4. Oktober im Museum Frieder Burda, Baden-Baden, Lichtentaler Alle 8b. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Feiertags (auch montags) geöffnet. Da nicht mehr als 50 Personen gleichzeitig im Museum sein dürfen müssen Tickets über den Online-Shop für ein bestimmtes Zeitfenster bestellt werden. Beim Museumsbesuch ist eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. Weitere Infos unter www.museum-frieder-burda.de