Die Bühne wird zum Bällebad: The Flaming Lips boten eine spektakuläre Show beim Festival "Rolling Stone Park" im Europa-Park. | Foto: Jüttner

Festival „Rolling Stone Park“

Europa-Park lockt Indierock-Fans

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Eine Girl-Punk-Band aus Dänemark und ein gefühlvolles Folk-Quartett aus Boston im stimmungsvollen Spiegelzelt, experimentierfreudige Sounds im prunkvollen Ballsaal Berlin und gefeierte Top-Acts in der Arena – das neue Rockfestival „Rolling Stone Park“ im Europa-Park Rust hat einen überzeugenden Start hingelegt. Die erste Ausgabe des süddeutschen „Schwesterfestivals“ zum etablierten „Rolling Stone Weekender“ an der Ostsee zog rund 2 200 Besucher an.

Rund 30 Konzerte in zwei Tagen

Einer der Ersten auf dem Gelände war Matthias aus Frankfurt. „Mein Auto war das erste auf dem Parkplatz“, lacht der 46-Jährige. Er war bewusst früh losgefahren, um auf jeden Fall pünktlich zu Beginn da sein. Denn sein Lieblingsact im Programm war die US-Indierock-Band Nada Surf, eröffnete das Festival am späten Freitagnachmittag auf der Bühne im Hauptsaal, der Arena. Insgesamt standen an den beiden Tagen rund 30 Konzerte und drei Lesungen auf dem Programm.

Wer spielt wann wo? Bei insgesamt rund 30 Konzerten galt es, den Überblick zu behalten. | Foto: Jüttner

Top-Acts im Programm waren neben „Nada Surf“ auch „The Decemberists“, „Kettcar“ und „Element of Crime“. Die Mischung lässt erkennen, an welche Zielgruppe sich das Festival richtet: „Musikliebhaber, die den Sommerfestivals entwachsen sind“, umschreibt es Stephan Thanscheidt, Chef des Festivalbookings beim Veranstalter FKP Scorpio.

„Kurzurlaub mit Musik“

Das Konzept, einen „Kurzurlaub mit Musik“ anzubieten, wurde vor zehn Jahren im Ferienpark Weissenhäuser Strand an der Ostsee unter dem Namen „Rolling Stone Weekender“ ins Leben gerufen und ist seit Jahren stets im Voraus ausverkauft. Da man Besucher aus der ganzen Republik habe, sei es naheliegend gewesen, einen süddeutschen Ableger ins Leben zu rufen – ähnlich wie bei den Sommerfestivals Hurricane und Southside. Für die erste „Park“-Ausgabe wurden zwar nur 2 200 der 4 000 verfügbaren Karten verkauft, das „Weekender“- Festival habe allerdings auch zwei Jahre gebraucht, um sich zu etablieren.

Süd-Ableger eines Erfolgsmodells

Besucher wie Matthias sind für den Südableger dankbar: „Ich war mal beim ‚Weekender‘ und fand es super, aber die Strecke ist einfach zu weit.“ Die große Entfernung zwischen Rust und Weissendörfer Strand ist auch der Grund, warum die beiden Festivals durch eine Woche getrennt sind und nicht wie im Fall von Hurricane und Southside am gleichen Wochenende untereinander die Bands tauschen: „Diese Strecke an einem Tag könnten nur Bands schaffen, die im Nightliner mit zwei Fahrern für Wechselschicht unterwegs sind“, sagt  Thanscheidt. Doch das Programm biete bewusst auch viele weniger prominente und entsprechend luxusfrei reisende Acts, um die Entdeckerfreude des Publikums zu bedienen.

Entdeckerfreude wird bedient

Dieser Ansatz geht im Europa-Park schlüssig auf: Zwischen den Hauptact-Gigs auf der Arena-Bühne werden die drei kleinen Spielstätten jeweils parallel bespielt – und mit wenigen Schritten kann man beispielsweise von den avancierten düsteren Electronica-Songs des charismatischen John Grant im Ballsaal zum nahezu jazzig verspielten Impro-Rock des Quartetts White Denim ins nebenan gelegene „La Sala Blanca“ wechseln. Oder im Spiegelzelt die zum Schmelzen schönen Harmony-Gesänge bestaunen, für die sich das Folk-Quartett Darlingside um ein einziges Mikrofon schart.

Stimmungsvoller Spielort: das Spiegelzelt, hier beim Auftritt von Darlingside. | Foto: Jüttner

Und wenn es nach Stephan Thanscheidts geht, soll das erst der Anfang gewesen sein: „Im Europa-Park sind der Fantasie für künftige Entwicklungen keine Grenzen gesetzt.“ Wobei bereits der erste Jahrgang eine Band im Programm hatte, deren Fantasie offenbar ebenfalls keine Grenzen kennt: The Flaming Lips verwandelten beim furiosen Finale des ersten Festivaltages erst den Saal in ein konfettigetränktes Bällebad voller durch die Luft geschleuderter Riesenballons, drehten in Sachen Kostüme und Lightshow am ganz großen Rad und waren auch um skurrile Einlagen wie den Einhorn-Ritt von Sänger Wayne Coney durchs Publikum nicht verlegen.

Künstlerlob für den Spielort

Die Flaming Lips könnten im Prinzip gleich im Europa-Park einziehen – doch der ansonsten eher für Familien-Amüsement bekannte Park erwies sich auch mit ganz anderen, durchaus ernsthaften Künstleranliegen kompatibel. Darauf wies der in England lebende Nada-Surf-Sänger Matthew Caws hin, dem der Brexit Sorgen macht: „Wir haben in einem Casino gespielt, auf einem Schiff, aber noch nie in einem Vergnügungspark – und ich liebe diesen Ort, weil er die Idee von Europa repräsentiert.“

Termin

Für 2019 ist das Festival auf den 8. und 9. November terminiert, der Kartenvorverkauf hierfür hat bereits begonnen.