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Osterfestspiele 2021

Festspielhaus Baden-Baden: Wie plant man in Pandemie-Zeiten ein Opernfestival?

Kann es Ende März Osterfestspiele in Baden-Baden geben? Festspielhaus-Chef Benedikt Stampa will mit Plan A, B und C darauf hinarbeiten. Im TV ist sein Haus schon demnächst auf arte mit Ballett präsent.

Nicolas Gläsmann und Madoka Sugai tanzen als Paar in „Ghost Light“. Mit Blick auf die geltenden Abstandsregeln dürfen die Tänzer einander nicht anfassen, lediglich verheiratete oder liierte Paare sind davon ausgenommen. Foto: © SWR/Kiran West/ARTE G.E.I.E./obs

Der Lockdown dauert bis mindestens Mitte Februar, die meisten Staats- und Stadttheater bleiben bis Ende März geschlossen. Dennoch hofft das Festspielhaus Baden-Baden, seine Osterfestspiele durchführen zu können – offen ist allerdings noch, in welcher Form. Auftakt wäre am 27. März mit der Premiere einer Neuinszenierung von Tschaikowskys Oper „Mazeppa“.

Karten dafür gibt es allerdings noch ebensowenig zu kaufen wie für Mozarts „Requiem“ (29. März, 2. April) oder die Oper „Des Simplicius Simplicissimus Jugend“ (28. und 30. März, 3. April). Denn Hoffnung ist das eine, Planung das andere, wie Intendant Benedikt Stampa im BNN-Gespräch erklärt.

„Wir ringen gerade darum, welche Art von Festspielen wir überhaupt auf die Bühne bringen können“, sagt Stampa. „Oper ist durch die Kombination von Regie, Dirigent, Orchester und Solisten ohnehin eine sehr komplexe Angelegenheit. Und bei uns kommt noch dazu, dass wir kein festes Ensemble auf Abruf haben, sondern alle Beteiligten hier speziell für die jeweilige Produktion zusammenkommen müssen.“

Daher benötigt das Programm auch im Normalbetrieb einen gewissen Planungsvorlauf. In Pandemiezeiten kommt ein weiterer Aspekt hinzu: „Wir müssen beachten, aus welchen Regionen die Künstler anreisen und welche Quarantäne-Bestimmungen hierbei gelten“, gibt Sprecher Rüdiger Beermann zu bedenken.

Spannung auf ein Osterei

Ob zu Ostern das volle Programm angeboten werden kann, ist laut Intendant Benedict Stampa noch nicht abzusehen. Das Signal einer Kultur-Renaissance zu Ostern liegt ihm aber am Herzen. „Wir haben durchaus einen Plan B und auch einen Plan C in der Tasche“, sagt Stampa und verspricht: „Zumindest auf ein Osterei von uns darf man gespannt sein.“

Ebenfalls nicht abzusehen ist nach heutigem Stand, ob das für den 6. März geplante Konzert mit dem heutigen Jubilar Plácido Domingo tatsächlich stattfinden kann. Eins immerhin macht Stampa vergleichsweise wenig Sorgen: Selbst bei einer sehr kurzfristigen Bestätigung des Programms rechnet er mit großer Ticketnachfrage. „Wir haben ja viele Besucher aus dem näheren Umfeld.“ Ob und in welcher Form es Osterfestspiele gibt, will das Haus spätestens Anfang März kommunizieren.

Einen kleinen Trost für das Festspielhaus-Publikum gibt es am kommenden Sonntag, 24. Januar, im Programm des Kultursenders arte: Dort läuft ab 23.05 Uhr die Erstausstrahlung einer TV-Aufzeichnung von John Neumeiers jüngster Ballett-Choreografie „Ghost Light“, die sich künstlerisch mit den Corona-Abstandsregeln auseinandersetzt. Gefilmt wurde die viel beachtete Produktion des Hamburg Ballett bei einem Gastspiel im Festspielhaus Ende Oktober 2020.

Baden-Baden habe bereits eine Tradition als Aufnahmeort von Neumeier-Choreografien, erklärt Festspielhaus-Sprecher Beermann mit Verweis auf Werke wie „Matthäus Passion“ und „Tod in Venedig“. Neben der großen Bühne sei es auch ein Vorteil, dass die Stücke hier, anders als im Repertoirebetrieb an der Staatsoper Hamburg, mehrere Tage hintereinander gespielt würden, was Zusatzaufnahmen erlaube.

Zudem biete der Festspiel-Charakter die Gelegenheit für besondere Besetzungen: So wurde „Ghost Light“ in Baden-Baden begleitet durch den Pianisten David Fray, der bei der Hamburger Premiere nicht spielen konnte, dessen Schubert-Aufnahmen aber die Inspiration für Neumeier zu diesem Stück waren.

Termin

Sonntag, 24. Januar, 23.05 Uhr, arte: Ghost Light (auch in der arte-Mediathek abrufbar).

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