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Viele Filme auch online

Filmfestival in Karlsruhe: Großes Kino vor kleinem Publikum

Das Karlsruher Filmfestival „Independent Days“ musste seine 20. Ausgabe vom April in den Oktober verschieben. Nun hat es mit starken Auflagen begonnen.

Eine von acht „Geschichten mit Herz“: Der Kurzfilm „Freischwimmer“ gehört zum Programmblock, mit dem am Donnerstag der zweite Tag der „Independent Days“ in der Schauburg beginnt. Foto: ID20/Markus Lerchbaum

Ein glamouröser Festivalauftakt sieht anders aus: Nur wenige Filmfreunde haben sich am Mittwoch nachmittag versammelt, um in der Schauburg den Auftaktfilm der „Independent Days“ zu verfolgen. Dabei feiert das Festival seine 20. Ausgabe, und mit „Faustdick“ wird ein veritabler Kinofilm geboten.

Der Beitrag von Regisseur Andreas Kröneck ist ein sehr unterhaltsamer 90-Minüter mit schön schräger Story: Eine Gruppe von Arbeitssuchenden landet in einer Weiterbildungsmaßnahme, deren Seminarleiter heimlich versuchen, mit den ahnungslosen Teilnehmern einen Horrorfilm zu drehen und dies als Kursübung tarnen.

Festival vor Ort bietet mehr

Der beherzte Griff in den Klischeefundus (im Kurs sitzen unter anderem ein gescheiterter Ossi, eine verknöcherte Schwäbin und eine distanzlose Esoterik-Elfe) bleibt kein Selbstzweck, sondern setzt dank liebenswerter Besetzung, gewitzten Dialogen und gutem Timing die Pointen so gut, dass sogar im ziemlich leeren Kinosaal immer mal wieder laut gelacht wird.

Wir sind froh, die Filme überhaupt auf der Leinwand zeigen zu können.
Oliver Langewitz, Festivalleiter

Das bestätigt, was Festivalleiter Oliver Langewitz ebenso wie der angereiste Regisseur vor Beginn der Vorführung noch bekundet hatten: Selbst unter Corona-Einschränkungen könne ein Festival vor Ort noch etwas bieten, was eine reine Online-Veranstaltung nicht kann. „Ich habe das Festival früher schon als Zuschauer besucht und kenne natürlich die Schauburg als Kino. Das ist eine tolle Sache, hier dabei zu sein“, so Kröneck.

Langewitz, der das Festival 1998 mitgegründet hat und seitdem leitet, erklärte gegenüber den BNN: „Wir sind sehr froh, die Filme überhaupt auf der Kinoleinwand zeigen zu können - die Veranstaltungen und Begegnungen vor Ort machen ein Festival aus.“

Parallelfestival im Internet

Das gewohnte Rahmenprogramm mit Workshops und Filmemacher-Gesprächen allerdings ist komplett ins Internet ausgelagert. Dort wird auch fündig, wer „Faustdick“ verpasst hat oder überhaupt am Festival interessiert ist, aber nicht ins Kino kann oder will. Denn die meisten der Filme, die bis Sonntag, 25. Oktober, in täglichen Programmblöcken um 14.30, 16.45, 19.00 und 21.15 Uhr (am Freitag und Samstag auch noch um 23.15 Uhr) gezeigt werden, können auch online gesehen werden.

Die „Independent Days“ sind in diesem Jahr auch auf der Internetplattform Vimeo präsent und bieten dort das breite stilistische und inhaltliche Spektrum von Komödien, Dramen, Horrorstories, Experimental- und Animationsfilmen aus 40 Ländern von Brasilien bis Polen. Der Festivalpass, mit dem man eine ganze Woche lang Zugriff auf alle bereitgestellten Filme hat, kostet zwölf Euro.

Nur Platz für 35 Besucher

Damit hoffen die Festivalmacher, den zu erwartenden Verlust etwas aufzufangen. „Wir stehen vor dem Problem, einerseits wegen der Corona-Begrenzungen weniger Karten anbieten zu können und andererseits höhere Kosten wegen der Hygiene-Auflagen zu haben“, erklärt Langewitz. Der Kinosaal - das „Cinema“ im Obergeschoss der Schauburg - darf derzeit mit höchstens 35 Personen besetzt werden.

Und selbst ob diese Besucherzahl erreicht wird, sei angesichts der coronabedingten Zurückhaltung im Vorverkauf und der neuen Regelung mit Maskenpflicht während der Vorstellung schwer abzusehen, so Langewitz. Er setze auf einen gewissen Zustrom bei den Programmblöcken zum Publikumspreis (Finale am Samstag ab 19 Uhr).

Weiter geht es an diesem Donnerstag aber erst mal mit acht „Geschichten mit Herz“ wie dem österreichischen 20-Minüter „Freischwimmer“ über einen Jungen, dessen Großvater (noch) nicht schwimmen kann.

Das Programm der nächsten Tage

Termine an diesem Donnerstag: 14.30 Kurzfilmblock „Geschichten mit Herz“ / 16.45 Langfilm „Windows, Windows“ / 19.00 und 21.15 Publikumspreis-Programmblock 1 und 2. Im ZKM 19.00 Kurzfilmblock „Short Interventions“ / 21.00 Langfilm „Eclipsed“. Internet: independentdays-filmfest.com

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