PATENT UND SYMPATHISCH: Nicole Braunger und Uta-Christine Deppermann gestalten ab der kommenden Spielzeit die Oper und den Theaterbetrieb in Karlsruhe. | Foto: Merdes

Womanpower für Karlsruher Oper

Frauen bringen frischen Wind

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„I must dewagnerise myself“, schrieb der Komponist Ernest Chausson im Jahr 1888. Er wollte den starken Einfluss, den das Werk Richard Wagners auf sein eigenes Schaffen ausübte, abschütteln. Ganz so drastisch formulierte es Peter Spuhler nicht. Aber nach der großen Dichte an Wagner sei es nun an der Zeit, neue Schwerpunkte zu setzen. Mehr Strauss, aber auch mehr Mozart soll es am Badischen Staatstheater im Musiktheater geben. Der Generalintendant, für den das Musiktheater nach eigenen Aussagen ein „geliebtes Sorgenkind“ ist, verkündet dies mit der Zuversicht eines Mannes, der aufatmet, weil an seiner Seite zwei Löwinnen voller Tatendrang, Empathie und Erfahrung sitzen. Womanpower für Karlsruhe.

Weil sie toll sind

Die beiden neuen Direktorinnen, die ab der kommenden Spielzeit für das Staatstheater und die Karlsruher Oper die Ärmel hochkrempeln, stellt er mit Stolz vor. „Nicht allein, weil Frauen in Führungspositionen stärker vertreten sein müssen“, betont Spuhler, „sondern weil diese beiden einfach toll sind“. Das Tolle an Nicole Braunger und Uta-Christine Deppermann ist, dass sie für ihre Sache brennen und entsprechend gut vernetzt und erfahren sind. Das vermittelten die erfrischend eloquenten Frauen bei ihrer Stippvisite aus Wien und Magdeburg in Karlsruhe.

Wiener Charme und Erfahrung: Nicole Braunger ist Sängerin und Künstleragentin. | Foto: Felix Grünschloß

Mit der Oper aufgewachsen

Quasi mit der Oper aufgewachsen ist Nicole Braunger, die sofort den Charme einer aparten Wienerin verströmt. Ihre Großmutter habe sie als Kind immer mitgenommen ins Theater. „Die Faszination hat mich nie verlassen“, schwärmt die im niederösterreichischen Mödling geborene Frau. Mit Nicole Braunger wird erstmals eine Frau Operndirektorin am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Sie löst Michael Fichtenholz ab, der von der Spielzeit 2018/19 an die Operndirektion am Opernhaus Zürich leitet. Selbst zur Sopranistin ausgebildet, ist Braunger heute Leiterin der Regie-Abteilung bei Arsis, einer Künstleragentur in Wien und vertritt Regisseure wie Keith Warner oder Harry Kupfer.

Vielversprechende Ideen

Wie schon früher als Sängerin, spüre sie auch bei der Vermittlung immer wieder die Grenzen des Musikbetriebs und erhofft sich von ihrer künftigen Aufgabe, Musiktheater zu gestalten, in dem „alles passt“. Will sagen: die Besetzung zum Regisseur, oder die Regisseurin zum Werk sowie die Stimmen zueinander. Weder ihre „konkreten Qualitätsvorstellungen“ noch die „idealen Bedingungen“ für Sänger habe sie bisher finden können, weshalb die neue Aufgabe sie mit großer Vorfreude erfülle. Besonders am Herzen liegen Braunger die Künstler, denn: „Die Seele eines Opernabends liegt in den Sängern.“ Ihre Ideen von Musiktheater sind vielversprechend für Karlsruhe.

Oper wirkt und kann Werte vermitteln

Was den Stil von Inszenierungen betrifft, so mag sie es gar nicht, wenn „Dinge zerstört werden mit dem Ziel, etwas Neues zu machen“, sagt sie. Dennoch müsse man den in Karlsruhe eingeschlagenen Weg beibehalten, sich von neuen Seiten an ein Werk heranzutasten. „Musiktheater bietet uns die Möglichkeit, untereinander zu kommunizieren und auch mit der Bühne. Man muss nicht alles sofort verstehen“, sagt sie. „Aber es wirkt.“ Außerdem könne Oper auf wunderbare Weise unsere Werte vermitteln. Und das sei umso wichtiger in einer Zeit, in der das Bildungssystem alleine auf Wissenserwerb ausgerichtet sei. Das sei der falsche Weg. „Der Kern unserer Menschlichkeit kann nicht auf Fakten reduziert werden“, betont Braunger. Ihr Ziel am Staatstheater sei es, Menschen dazu zu bringen, sich mit der Oper auseinanderzusetzen. Denn „das Theater gibt uns die Möglichkeit, uns mit unserer Würde auseinanderzusetzen“.

Die Möglichmacherin: Uta-Christine Deppermann wird Künstlerische Betriebsdirektorin | Foto: Felix Grünschloß

Patente Frau fürs Planen

Als Segen für das Badische Staatstheater dürfte sich auch die Entscheidung zur Einstellung von Uta-Christine Deppermann als Künstlerische Betriebsdirektorin erweisen, steht doch dem Staatstheater eine sich über zehn Jahre erstreckende Phase des Umbaus ins Haus. Da sind kühle Köpfe gefragt, die flexibel auf Pannen und Ausnahmesituationen reagieren. Dass sie davon viel versteht und immer „den letzten noch fehlenden Legostein findet“, davon überzeugte Deppermann im Nu. Die Musikwissenschaftlerin ist eine der führenden deutschen Betriebsdirektorinnen und hat zwischen Dresden und Wuppertal einige Theater betreut. „Für alle beste Bedingungen zu schaffen, das ist mein Job“, erklärt sie und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass auch eine Baustelle große Oper sein beziehungsweise bieten kann.