Rigoletto
Die Verzweiflung wächst. | Foto:  Felix Kästle

Festspiele

Fröhliche Zirkuswelt? «Rigoletto» in Bregenz

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Bregenz (dpa) – Die Hauptfigur in Giuseppe Verdis Oper «Rigoletto» muss viel ertragen. Der gleichnamige Hofnarr amüsiert sich zunächst mit seinem lüsternen Herzog – aber seine eigene Tochter Gilda sperrt er zu Hause ein, um sie vor Männern zu schützen.

Doch es kommt – natürlich – wie es kommen muss: Gilda wird entführt, und der Vater muss zunächst Sorge, dann Angst und Hoffnungslosigkeit durchstehen. Und sein Verfall ist an diesem Mittwochabend bei den Bregenzer Festspielen deutlich zu sehen: Im Zentrum des Bühnenbildes steht ein knapp 14 Meter hoher Kopf aus Fassadenputz, Stahl und Holz, der eine riesige zweite Version des Hofnarrs darstellt.

Und je mehr Rigolettos Verzweiflung wächst, umso mehr verliert der Kopf an Substanz. Erst fehlen die Augäpfel, dann fällt die Nase ab, und zum Schluss werden ihm noch die Zähne gezogen. Es ist eine ebenso verblüffende wie greifbare Inszenierung, die Philipp Stölzl auf die bekannte Seebühne am österreichischen Bodenseeufer bringt.

Er habe mit seinem Team mehr als drei Jahre an dem Kopf gearbeitet, sagte Stölzl im Vorfeld bei der Vorstellung des Programms. «Das ist eine Maschine, die sich echt gewaschen hat – und es so noch nie gab auf der Welt.» Und tatsächlich beeindruckt die Geschmeidigkeit und Schnelligkeit, mit der sich nicht nur der riesige Kopf, sondern auch eine ebenso überdimensionale rechte Hand mit all ihren Fingergliedern bewegen lässt.

Der Kopf fährt immer wieder in sämtliche Richtungen, mal schwebt er nach oben und lässt seine Augen in den Himmel blicken, mal sinkt er nach unten ins Wasser hinein. Mithilfe des Lichts, das ihn in verschiedene Farben taucht, erscheint er zudem amüsiert, besorgt oder auch fast schon dämonisch.

In einer zweiten, linken Hand hält die Figur dagegen einen großen Heißluftballon, in dem am Schluss die verstorbene Gilda in den Himmel fliegt. Die Vermutung kommt auf: Es mag das bisher höchste Bühnenbild der Bregenzer Festspiele sein. Und auch der Bodensee wird ausgiebig als Spielfläche genutzt. Bereits in den ersten Minuten fallen, springen oder stolpern die ersten Darsteller ins Wasser.

Der Rest der Inszenierung wirkt wie aus einer – zumindest oberflächlich fröhlichen – Zirkuswelt entsprungen. Es gibt eine bunte Truppe mit Akrobaten, Musikern und Künstlern, die den Herzog von Mantua (Stephen Costello) und seinen Hofnarren (Vladimir Stoyanov) nur allzu gerne bei ihrem Treiben unterstützen.

Doch die Stimmung kippt, als sie Rigoletto selbst einen Streich spielen wollen: Sie entführen seine vermeintliche Geliebte, bringen sie zum Herzog und sind selbst entsetzt, als sie erfahren, dass es sich um seine Tochter Gilda (Mélissa Petit) handelt. Und das Unglück nimmt seinen Lauf: Der Hofnarr will sich am Herzog rächen und beauftragt einen Mörder, ihn zu töten. Doch am Ende ist es Gilda, die an seiner Stelle stirbt.

Für ihre Darstellung erhalten vor allem die drei Hauptdarsteller am Ende begeisterten Applaus von den rund 7000 Zuschauern. Begleitet werden die Sänger unter anderem von den Wiener Symphonikern und dem Prager Philharmonischen Chor, die musikalische Leitung hat Enrique Mazzola inne.

Die Bregenzer Festspiele sind mit Verdis Oper in ihre 74. Saison gestartet. Rund vier Wochen lang wird das Stück mit der bekannten Arie «La donna è mobile» nun auf der Seebühne zu sehen sein. Neben dem Spiel auf dem See bieten die Festspiele rund 80 weitere Veranstaltungen an, darunter Schauspiel-Aufführungen und Orchesterkonzerte.