Opulenz für Ohr und Auge bot das Konzert des Orchesters Cinema Festival Symphonics mit Musik aus der Erfolgsserie „Game of Thrones“ im Festspielhaus Baden-Baden | Foto: Viering

Soundtrack-Konzert

„Game of Thrones“ für die Ohren im Festspielhaus Baden-Baden

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Selbst wenn Ramin Djawadi für die Serie „Game of Thrones“ nur die etwa zweiminütige Titelmusik geschaffen hätte, dürfte ihm wohl ein Platz auf dem Olymp der Soundtrack-Komponisten sicher sein: Das majestätisch-melancholische Cello-Thema spielt in Sachen Ohrwurmcharakter in der Liga großer Titeltracks wie etwa zu „Fluch der Karibik“ (woran Djawadi bereits als Assistent von Klaus Badelt und Hans Zimmer mitgearbeitet hat) oder „Der Herr der Ringe“.

Wobei dem in Duisburg geborenen Deutsch-Iraner Djawadi das Kunststück gelungen ist, eine Melodie zu erfinden, die sofort einprägsam ist, einem aber auch während acht Serienstaffeln mit 75 Folgen nie über wurde.

Doch als alleiniger Komponist für all diese Folgen hat Djawadi weit mehr geleistet, und „die beste Musik aus allen Staffeln“ versprach nun die Veranstaltung „Game of Thrones – The Concert Show“, die als Gastspiel im Festspielhaus Baden-Baden zu erleben war.

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Natürlich eröffnete das Orchester Cinema Festival Symphonics unter der dynamischen Leitung von Stephen Ellery das Konzert mit eben jener Titelmusik und entführte das Publikum so umgehend nach Westeros, jenen fiktiven Kontinent, auf dem die von Autor George R. R. Martin erfundenen Intrigen und Kämpfe um den Eisernen Thron stattfinden.

Animationsbilder auf Leinwand

Einen starken Beitrag hierzu leisteten die Animationsbilder auf der rückwärtigen Leinwand: In Anspielung auf die Titelsequenz, in der Gebäude als mechanische Modelle erscheinen, bauten sich hier die Instrumente des Orchesters wie selbsttätige Maschinen zusammen.

Die optische Untermalung (MPC Filmproduktion) halt auch im weiteren Verlauf, die Musikstücke in die Story einzuordnen – seien es die höfischen Klänge, die den Einzug von König Robert Baratheon in Winterfell begleiten („The King’s Theme“), das elegische „Goodbye Brother“ zum Abschied der Hauptfigur Jon Snow von seinem lebensbedrohlich verletzten Halbbruder Bran oder das orientalisch angehauchte „Mother Of Dragons“, das den Aufstieg der Thronanwärterin Daenarys Targaryen zur Anführerin des Reitervolkes der Dothraki markiert.

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Vieles ist nur Atmosphäre

Zum Genuss des Konzerts empfahl es sich allerdings, mit der Serie vertraut zu sein. Denn so unverbunden, wie die Szenenbilder aufleuchteten, standen auch die Musikstücke nebeneinander. Und so opulent der Orchesterklang auch war – bei etlichen der oft sehr kurzen Stücke war ohne den inhaltlichen Kontext unüberhörbar, dass sie nur eine Atmosphäre klanglich illustrieren, aber für sich genommen nichts erzählen.

Unter diesem Manko litt vor allem die erste Hälfte, die wie eine Reihe wuchtiger Schlaglichter wirkte und mitunter mehr durch die packende Präsenz der Kontrabässe und tiefen Blechbläser beeindruckte als durch klangliche Variation. Welch größere Wirkung sich mit Filmmusik konzertant erzielen lässt, hat beispielsweise Howard Shore bewiesen, der seine Arbeit für die „Herr der Ringe“-Trilogie im Nachhinein zu einer sechssätzigen Symphonie neu strukturierte.

Zweite Hälfte trumpfte auf

Qualitäten in dieser Richtung hatte die zweite Konzerthälfte, in der längere Stücke zum Zuge kamen. Vor allem das neunminütige „Light Of The Seven“ aus dem opferreichen Showdown der sechsten Staffel zeigte, was an musikalischer Dramaturgie möglich ist – mit Mut zu Klavierpassagen nahe an völliger Stille, die an Arvo Pärt erinnern, und repetitivem Pulsieren à la Philip Glass, dessen Musik zu „Koyaanisqatsi“ dem Soundtrack-Genre einst prägende Impulse gab.

Hier trat auch Sopranistin Justyna Ilinicka ans Mikrofon, die später noch mit der melancholischen Ballade „Jenny Of Oldstones“ glänzte. Ihr Kollege Jaro Zawartko brachte mit markantem Bass „The Rains Of Castamere“ zu Gehör. Es gab anhaltenden und herzlichen Beifall für einen Abend, der ohne das häufige Blenden der ständig kreisenden Scheinwerfer noch gelungener ausgefallen wäre.