Neuer Dirigent für die Badische Staatskapelle: Georg Fritzsch, hier bei einem Benefizkonzert für den Konzertsaal am Kieler Schloss mit Kit Armstrong und dem Kieler Philharmonischen Orchester, dirigiert ab 2020 in Karlsruhe. | Foto: Marco Ehrhardt

Von der Ostsee an den Rhein

Georg Fritzsch wird neuer Generalmusikdirektor in Karlsruhe

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Karlsruhe hat ab Herbst 2020 einen neuen Generalmusikdirektor (GMD). Georg Fritzsch aus Kiel beginnt mit der Spielzeit 2020/2021 das Amt als Orchesterchef der Badischen Staatskapelle, teilte das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst am Freitag mit.

Der Verwaltungsrat hat dem Vorschlag des Generalintendanten Peter Spuhler zugestimmt, den Dirigenten für vier Jahre an das Badische Staatstheater zu berufen. Damit folgt der Verwaltungsrat dem einstimmigen Votum der beratenden Findungsgruppe.

Georg Fritzsch beerbt Justin Brown

Der noch bis Ende dieser Spielzeit als Generalmusikdirektor der Landeshauptstadt Kiel tätige Dirigent  beerbt in Karlsruhe Justin Brown, der sein Amt nach zwölf Jahren niederlegt. Die Suche nach Browns  Nachfolge gestaltete sich schwierig. Eigentlich wollte der Dirigent aus Südengland seinen Vertrag schon zum Sommer 2018 beenden. Weil sich das Haus – wie vielfach zu hören ist – offenbar mit einem geeigneten Nachfolger vertraglich nicht einigen konnte, verlängerte Brown sein Amt auf Wunsch des Generalintendanten Peter Spuhler um zwei Jahre.

Seit 16 Jahren in Kiel

Mit Georg Fritzsch gewinnt das Haus einen Dirigenten, der die musikalischen Schwerpunkte in der Geschichte des Badischen Staatstheaters hervorragend weiterführen, aber auch wertvolle neue Akzente setzen könnte. Seit 16 Jahren und damit ungewöhnlich lange ist Fritsch Generalmusikdirektor am Theater Kiel und pflegt dort sowohl das klassische und romantische Repertoire wie auch die zeitgenössische Musik. Die Wiener Klassik und die Deutsche Romantik sollen auch in Karlsruhe Schwerpunkte sein. Ihm sei aber genauso wichtig, „dass das Orchester in der Zeit vor Haydn wahrgenommen wird“, sagte der Dirigent im Gespräch mit den BNN. „Ob sich das auch in der Oper niederschlagen wird, muss man sehen.“

Überwältigende Mehrheit im Orchester

Mit einer überwältigenden Mehrheit von 98 Prozent hat sich die Badische Staatskapelle nach einer gemeinsamen Probenwoche im März für Fritzsch ausgesprochen. Dieses Votum findet Fritzsch „überwältigend und berührend zugleich“, sagt er. „Und es macht einem ein wenig Angst. Es ist ein Vertrauensvorschuss, der mit Leben gefüllt werden muss. Ich hoffe, die Erwartungen sind nicht zu groß. Aber so ein Rückenwind ist natürlich sehr schön“, sagt der Dirigent.

Besonderer Bezug zu Karlsruhe

Georg Fritzsch wurde 1963 in Meißen in der ehemaligen DDR geboren. Baden-Württemberg sei sein erstes Reiseziel gewesen nach dem Fall der Mauer. Er findet es bewegend, nun in die Stadt zu kommen, „die das größte Schutzorgan der Verfassung ist. Ich habe die Hälfte meines Lebens im Osten verbracht. Dass es mich nun nach Karlsruhe spült, wo die Hüter des Grundgesetzes sind, bewegt mich zutiefst“, sagt Fritzsch. Als ehemaliger DDR-Bürger habe er den Wert der Freiheit des Geistes unmittelbar mitbekommen. „Ein Wert, den man verteidigen muss.“

Begeisterter Springreiter

Zum Ende der Saison beendet Fritzsch in Kiel seinen Vertrag. Er habe sich und das Orchester sehr gut in der Stadt verankert, berichtet Musikredakteur Christian Strehk von den Kieler Nachrichten. Der begeisterte Springreiter habe es mit seiner Bodenständigkeit immer geschafft, gute Kontakte in der Stadt und bei Sponsoren zu pflegen.

Klangregisseur mit Affinität zu Richard Strauss

Fritzsch, der vor seinem Dirigierstudium in Dresden Cello studierte und Solocellist beim Philharmonischen Orchester Gera war, ist stark von der mitteldeutschen Romantik geprägt. Als Klangregisseur mit Affinität zu Richard Strauss, Richard Wagner und Anton Bruckner sei Fritzsch zugleich sehr offen gewesen für die historische Aufführungspraxis. Mit Hilfe von Sponsoren wurde das Kieler Orchester neu instrumentiert. Mit ihm hat Fritzsch die Konzertreihe „Con spirito“ ins Leben gerufen, ein Crossover aus Klassik und Rock oder Pop, das neues Publikum in den Konzertsaal lockte. „Er hat sehr viel für das Theater getan“, so Strehk, der ihn als sehr angenehmen Menschen beschreibt.

„Wieder loslegen“ mit Johannes Willig

Last but not least kommen zwei gute alte Kollegen wieder zusammen: Georg Fritzsch und Johannes Willig kennen sich noch vom Theater Kiel. Willig war dort viele Jahre sein Stellvertreter, bevor er als Stellvertreter von Justin Brown nach Karlsruhe kam. Das Karlsruher Publikum schätzt ihn sehr als Bereicherung am Pult nicht zuletzt bei Belcanto-Opern. Auf dieses Wiedersehen freut sich Fritzsch sehr: „Das ist für mich sehr schön“, betont er. „Wir haben lange Zeit zusammen gearbeitet und uns glänzend verstanden und ergänzt.“ Und er lacht: „Irgendwann legen wir nochmal zusammen los, haben wir immer gefrotzelt. Dass das in Karlsruhe jetzt wahr werden würde, das hätte ich damals nicht geahnt.“