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Nur wenige Frauen können von Kunst leben

Europäische Kulturtage in Karlsruhe: Interaktiver Online-Talk über Frauen in der Kulturbranche

Die Zeit, in der Frauen Pseudonyme benutzen mussten, um veröffentlicht zu werden, ist vorbei. Doch warum entsteht der Eindruck, die Kulturszene ist männlich dominiert? Die interaktive Diskussionsrunde mit dem Titel „Es lebe das Patriarchat? und jetzt auch noch Corona…“ will dem nachgehen.

Völlig ausgebremst: Über Mona Lisa mit Mundschutz will das PR-Bild des Gleichstellungsbüros die Situation von Künstlerinnen aufzeigen.Foto: Sumanley xulx pixabay/Streeck Foto: Gleichstellungsbüro

Bei Kunstauktionen erzielen die Arbeiten von Frauen in der Regel nur 50 Prozent von dem Preis, den Männer mit ihren Kunstwerken erreichen. Unfair? „Üblich“, sagt Lisa Bergmann.

„Das ist kein Geheimnis und das hat sogar einen Namen, Gender-Discount‘“, erklärt die Vorstandsvorsitzende des Bezirksverbands Bildender Künstler Karlsruhe (BBK).

Neueinsteiger-Sammlern werde etwa auch empfohlen, mit Kunstwerken von Frauen anzufangen, da sie günstiger seien als die von männlichen Künstlern. Viele Künstlerinnen müssen deshalb durch weitere Jobs ihren Lebensunterhalt finanzieren.

„Von unseren 160 weiblichen Mitgliedern können vielleicht zwei bildende Künstlerinnen von ihrer Kunst leben“, sagt Christa Hartnigk-Kümmel, Vorsitzende der Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfördernden e.V. Karlsruhe (GEDOK).

Von unseren 160 weiblichen Mitgliedern können vielleicht zwei bildende Künstlerinnen von ihrer Kunst leben.
Christa Hartnigk-Kümmel, Vorsitzende GEDOK

Die meisten anderen geben beispielsweise Kurse an Volkshochschulen oder arbeiten als Verkäuferinnen und Bedienungen. Doch seit durch die Corona-Pandemie Restaurants sowie Geschäfte geschlossen sind und Kunstunterricht nicht stattfinden kann, fehle den Künstlerinnen auch dieses zusätzliche Einkommen weitgehend.

Gleichstellungsbeauftragte diskutiert mit Frauen aus Kunst und Kultur

Über Kunst und Gleichberechtigung wird an diesem Donnerstag gesprochen bei den Europäischen Kulturtagen. Um 19 Uhr beginnt das Online-Forum mit dem Titel „Es lebe das Patriarchat? Und jetzt auch noch Corona…“. Unter der Moderation von Verena Meister, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Karlsruhe, diskutieren Lisa Bergmann, Christa Hartnigk-Kümmel und Marlène Rigler, Direktorin der Stiftung Centre Culturel Franco-Allemand (CCFA).

Rigler hat als Kuratorin und Kulturmanagerin einen anderen Blickwinkel als die beiden Künstlerinnen, kann jedoch den Wunsch nach einer Bewertung der eigenen Kompetenzen unabhängig vom Geschlecht nachvollziehen.

„Seit ich ein Kind habe, weiß ich, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, als Frau mit der Verantwortung für ein Kind in eine Führungsposition zu kommen“, sagt sie. Ihrer Ansicht nach habe Corona diese Problematik nochmal hervorgehoben. Plötzlich musste sie sich Fragen stellen, wie: Was tun, wenn die Kindertagesstätte geschlossen wird und der Sohn zu Hause bleiben muss? Wie flexibel ist der eigene Job wirklich?

Dreifachbelastung durch Homeoffice, Homeschooling und Lernstoffvermittlung

Aus dem Organisieren von Homeoffice und Homeschooling sowie dem Vermitteln von Lernstoff entsteht derzeit eine Dreifachbelastung für viele. Wenn beide Partner in Vollzeit berufstätig sind, steckt normalerweise derjenige zurück, bei dem der finanzielle Verlust weniger groß ist – und das seien meistens die Frauen, sagt Rigler. „In einer demokratischen Gesellschaft, die Ansprüche auf Gleichheit sogar im Grundgesetz verankert hat, darf das kein Zustand sein, den man so achselzuckend hinnehmen sollte“, erklärt Bergmann.

In einer demokratischen Gesellschaft, die Ansprüche auf Gleichheit sogar im Grundgesetz verankert hat, darf das kein Zustand sein.
Lisa Bergmann, Vorsitzende BBK

Die Ungleichheit beginne schon in der Schule mit den Schulbüchern, in denen Künstlerinnen nahezu ausgeklammert werden. „In deutschen Schulbüchern steht zum Beispiel immer noch, dass das erste abstrakte Bild von einem Mann stammt, was nicht stimmt.“ Denn inzwischen sei erwiesen, dass die Künstlerin Hilma af Klint noch vor Kandinsky abstrakt gemalt habe. Die Ungleichheit setze sich im Kunststudium fort. Professorinnen und somit weibliche Vorbilder suche man meist vergeblich, sagt Bergmann. „Es leben mehr Frauen als Männer auf dieser Welt. Kann man das nicht auch in dem umsetzen, was wir vermitteln?“

Publikum soll sich einbringen

Gegen diese ungleiche Behandlung von Frauen wollen sich die drei Kulturschaffenden einsetzen, indem sie auf das Thema aufmerksam machen. Das Publikum kann und soll sich dabei interaktiv an der Gesprächsrunde beteiligen und in den Kommentaren beim Livestreaming Fragen stellen, die dann in der Runde diskutiert werden.

Service

Der Online-Talk an diesem Donnerstag beginnt um 19 Uhr. Info unter www.europaeische-kulturtage.de und via 0721 133-3062. Anmeldung zur kostenlosen Veranstaltung unter gb@karlsruhe.de. Nach der Anmeldung erfolgt die Zusendung des Streaming-Links mit den Zugangsdaten.

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