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„Muss hier das fertig machen, was ich angefangen habe“

Karlsruher Rapper Haze im Interview: Neues Album „TagMond“ erscheint am 30. April

Mit der „Zwielicht LP“ erreichte er Platz drei der Charts, sein letztes Album „Brot & Spiele“ ging auf die Zwei: Der Karlsruher Rapper Haze hat sich nicht erst seit kurzem einen Namen gemacht in der Hip-Hop-Szene. Nun veröffentlicht er sein neues Werk „TagMond“.

Haze ist weit über die Karlsruher Stadtgrenzen hinaus bekannt. Der 31-Jährige hat bereits mit den bekanntesten Namen der deutschen Hip-Hop-Szene wie Sido, Raf Camora, Bonez MC und auch MoTrip zusammengearbeitet. Foto: Tanja Mori Monteiro

„Vor paar Wochen war ich noch in Split und aß gegrillten Fisch (...) Jetzt bin ich hier und sitz’ mit Junkies an meinem Tisch.“ Haze, Karlsruher Rapper mit kroatischen Wurzeln, thematisiert sehr oft das Wechselspiel zwischen zwei Welten, hier auf seiner neuesten Single „Kleiner Vato“.

Mit düsteren und reflektierten Texten, verpackt in einer Musik, die er selbst als „Boom-Bap“ beschreibt, bietet der 31-Jährige einen Gegenpart zu Deutsch-Rap-Produktionen, die mit eingängigen Melodien aktuell die Charts dominieren.

Im Interview spricht David Bošnjak, wie der Rapper aus der Karlsruher Südweststadt mit bürgerlichem Namen heißt, über seine neue Platte „TagMond“, die Suche nach Heimat und die Zeit nach seiner Karriere.

In deinen Liedern beschreibst du, dass du zwischen Karlsruhe und Kroatien hin- und hergerissen bist. An welchem Ort siehst du dich in der Zukunft?
Haze

Mir ist klargeworden, dass nicht die Örtlichkeit das Problem ist, sondern dass dich die Probleme, die du mit dir selbst hast, begleiten, egal wo du bist. Und dass du dich ihnen stellen musst ohne Ausreden, Kompromisse und jede Art von Fluchtversuchen. Ich denke, ich werde erst einmal in Deutschland bleiben.

Du hast unter anderem in Stuttgart studiert und auch eine Weile in Freiburg gewohnt, was hat dich immer wieder nach Karlsruhe zurückgeholt?
Haze

Ich habe meine schönsten, aber auch meine hässlichsten Zeiten hier erlebt. Es hat schon einen Grund, warum es mich immer wieder hierhin verschlägt. Ich muss hier das fertig machen, was ich angefangen habe. Nicht nur meine Musik, sondern auch die Entwicklung eines eigenen Soundbildes, der den Süden und insbesondere Karlsruhe repräsentiert.

Welche Rolle spielt dabei der badische Dialekt, der bei dir ganz deutlich mitschwingt?
Haze

Ich finde, Rap muss so sein, dass er genau so klingt, wie der Künstler redet. Ich will dem Ganzen einen gewissen Touch mitgeben, dass es sich auch von der Konkurrenz abgrenzt.

Außer dir gibt es auch noch andere Rapper aus Karlsruhe, die gerade auf sich aufmerksam machen, Kiko76 und Ulysse beispielsweise. Glaubst du, dass in der Zukunft noch weitere Künstler nachrücken werden?
Haze

Ich hoffe es sehr. Mir fällt auf, dass sich viele Künstler aus Karlsruhe bewusst den Beinamen „76“ geben, der für Karlsruhe steht – noch viel mehr als zu der Zeit, als ich angefangen habe. Es ist einiges passiert und das macht mich auch happy.

Sido, mit dem du schon mehrere Lieder aufgenommen hast, hat dich 2017 hier in Karlsruhe bei „Das Fest“ auf die Bühne geholt. Was war das für ein Gefühl?
Haze

Das war eines der schönsten Erlebnisse meiner musikalischen Karriere – weil es in Karlsruhe stattfand und weil es überraschend kam. Diese Treppe runter zu laufen auf dieser riesigen Bühne, zu so einem großen Publikum sagen zu können: „Hey Leute, ich bin einer von euch!“ Das war der Hammer.

Deutscher Rap ist in den letzten Jahren melodischer geworden und dominiert die deutschen Charts. Wie beurteilst du diese Entwicklung?
Haze

Es ist klar, dass mit einer neuen Generation ein neuer Sound kommt. Es gibt viele Produzenten, die mit moderner Technik heutzutage sehr gute Musik machen. Durch Streaming ist jedoch auch vieles schnelllebiger geworden. Ein Song ist zwei Tage lang angesagt und danach brauchst du schon wieder einen Nachfolger.

Mit deiner Art von Hip-Hop bildest du einen Gegenpart zu modernen Trap-Beats. Denkst du, dass du davon profitierst?
Haze

Irgendwie schon, ja, auch wenn das so nie von mir beabsichtigt war. Ich habe sehr früh meinen Style gefunden. Auch thematisch gibt es andere Dinge, die ich ansprechen möchte als nur das „Good Life“.

Gibt es ein bestimmtes Gefühl, das du mit deiner Musik vermitteln möchtest, oder sind deine Texte vor allem Therapie für dich selbst?
Haze

Therapie ist es allemal. Ich versuche, nichts zu glorifizieren, möchte aber auch nichts unter den Teppich kehren. Es ist, wie oftmals bei Kunst, Auslegungs- und Interpretationssache. Leute können mir die Wörter im Mund verdrehen, aber ich weiß ja, welche Intention ich hatte. Ich habe jetzt ein Gleichgewicht gefunden und kann – ohne mit erhobenem Zeigefinger zu zeigen – auf Dinge aufmerksam machen, weil es zu viele traurige Geschichten gibt, die kein Gehör finden.

TagMond ist dein viertes Studioalbum. Mit welcher Erwartungshaltung hast du an dieser Platte gearbeitet?
Haze

Ich habe einen Sound entdeckt, der mir gefällt, und das ist dieser „Boom-Bap“. Ich habe bei diesem Album unter anderem mit einem jungen Produzenten aus Heidelberg zusammengearbeitet, der meine ursprünglichen Spuren, die ohnehin aus Maschinen kommen und dreckig klingen, so bearbeitet, wie es sich für das Jahr 2021 gehört. Dabei ist ein Sound herausgekommen, den ich ab sofort weiter verfolgen möchte.

Was bedeutet der Titel „TagMond“ für dich?
Haze

TagMond hat so eine Konnotation von etwas, das hell erscheint, aber im Dunkeln stattfindet. Es gab bei mir immer so eine Dualität, einen Zwiespalt. Der Übergang vom Tag zur Nacht die schlimmen Sachen passieren erfahrungsgemäß immer im Morgengrauen. Meine Musik hat schon immer etwas sehr Düsteres an sich gehabt und TagMond reiht sich da perfekt ein in eine Reihe von Titeln wie „Brot & Spiele“, wie „Morgenrot“, wie „Zwielicht“.

Wie war die Resonanz auf die ersten Singles?
Haze

Hammer, besser denn je. Die Leute fühlen sich zurückversetzt in die Zeiten der Mixtapes, nur auf diese neue, aufpolierte Art.

Glaubst du, dass für dich Musik auch dann noch beruflich eine Rolle spielen wird, wenn du irgendwann mit dem Rappen aufhörst?
Haze

Ich hoffe doch, ich habe immer noch sehr viel Motivation. Ich liebe die Musik, das ist die Leidenschaft meines Lebens. Der Traum, dass es tatsächlich zum Beruf werden konnte, ist natürlich das Sahnehäubchen und ich versuche, das nicht mehr aus der Hand zu geben. Musik produzieren, Musik machen – das werde ich immer.

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