«Herzog Blaubarts Burg»
Falk Struckmann (l, in der Rolle des Herzogs Blaubart) und Claudia Mahnke (r, in der Rolle der Judith) spiegeln sich im Wassergraben. | Foto: Bernd Weißbrod

Mystik in Stuttgart

«Herzog Blaubarts Burg» – Premiere im Paketpostamt

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Stuttgart (dpa) – 100 Jahre nach der Uraufführung der Oper «Herzog Blaubarts Burg» von Béla Bartók in Budapest erfährt das Stück in Stuttgart eine ganz besonderes Wiederentdeckung.

Der belgische Installationskünstler Hans Op de Beeck entführt mit seiner Inszenierung das Publikum im Industriegebäude eines einstigen Paketpostamts in die mystischen Räume der Burg des Herzogs.

Gespielt wird auf einem langen Steg und dem darunterliegenden See, durch den nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Zuschauer waten: Jeder bekommt vor der Vorstellung wasserdichte Überschuhe, in Gruppen führen Einweiser das Publikum durch das zentimetertiefe Wasser und anschließend zu den Sitzplätzen. Glimmende Feuertonnen und Geisterstimmen im nahezu vollständig dunklen Paketpostamt verdüstern die Stimmung.

Blaubart lädt seine neue Frau Judith nach Hause und in seine Burg. Mit ihrer Liebe will sie sein düsteres Heim erhellen, will Türen aufreißen, hinter denen sich Blaubarts blutrünstigste Geheimnisse verbergen. Krieg, Folter, Schätze – die unheilvolle Burg schiebt sich immer weiter zwischen die Liebenden.

Eigentlich sollte das Stück dem Stuttgarter Opernpublikum das Paketpostamt als zukünftige Interimsspielstätte während der auf sieben Jahren angelegten Opernhaus-Sanierung schmackhaft machen. Allerdings gibt es derweil aus Kostengründen andere Pläne. Wenn Op de Beeck die mystische Burg ausstattet, die Musik in Szene setzt und den Schrecken Blaubarts ins Licht rückt, scheint das Gebäude aber bestens zu passen: «Die uralte Blaubart-Sage in einer Industrieburg ist für ihn eine Idealkonstellation», hieß es.