Bronze-Skulptur
Die Bronze-Skulptur in Form einer zweigeteilten Flagge auf halbmast ist im zentralen Treppenhaus des Humboldt Forums zu sehen. | Foto: David von Becker/SHF/dpa

Flagge auf halbmast

Humboldt Forum erinnert mit Skulptur an Kolonialismus

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Berlin (dpa) – Mit einer Bronze-Skulptur in Form einer zweigeteilten Flagge auf halbmast erinnert das Humboldt Forum in Berlin an die koloniale Vergangenheit Deutschlands.

Im zentralen Treppenhaus des Forums ist der erste Teil der Arbeit des Künstlers und früheren Berliner Ai-Weiwei-Mitarbeiters Kang Sunkoo nun installiert, wie die Stiftung Humboldt Forum mitteilte. Dort steht der über mehrere Stockwerke reichende untere Teil der schwarzen Bronze.

Im Frühjahr kommenden Jahres soll die zweite Hälfte – die oberen Teile von Mast und Flagge – zunächst auf dem Nachtigalplatz im sogenannten Afrikanischen Viertel des Stadtteils Wedding aufgestellt werden. Ein dauerhafter Ort wird noch gesucht. Der englische Titel der Arbeit «Statute of Limitations» ist eine Anspielung auf den juristischen Begriff für Verjährung von Straftaten.

Aus Sicht von Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums, steht die Skulptur sinnbildlich für «die unterschiedlichen Positionen und Perspektiven bei der Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte». Das Humboldt Forum steht in der Kritik, weil künftig auch Objekte aus kolonialen Zusammenhängen gezeigt werden sollen. «Wir haben hier keine Deutungshoheit über die Sammlungen», sagte Dorgerloh. Anspruch sei vielmehr, die Objekte «aus verschiedenen Perspektiven, in verschiedenen Kooperationsformen vielstimmig zu präsentieren».

Das bisher 644 Millionen Euro teure Humboldt Forum soll nach mehrfach verschobener Eröffnung in drei Schritten bis Herbst 2021 komplett zugänglich sein. Die umstrittene Teilrekonstruktion des Hohenzollern-Schlosses im Zentrum Berlins soll ein Kultur- und Ausstellungszentrum werden. Das 40 000 Quadratmeter umfassende Gebäude bespielen künftig die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei ihrer Museen, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden sollen Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins.