Badisches Staatstheater Karlsruhe
Das Badische Staatstheater Karlsruhe verkauft jetzt jeweils nicht mehr als als 1.000 Tickets für seine Veranstaltungen und Aufführungen. | Foto: Uli Deck/dpa/Archivbild

Notmaßnahmen im Südwesten

Immer mehr Absagen in der Region wegen Coronavirus

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Es hagelt Absagen. Die Zahl der Messen, Konferenzen, Umzüge, Lesungen, Konzerte und Infotage, die wegen der Coronavirus-Ausbreitung nicht stattfinden, ist seit Wochenbeginn in die Höhe geschnellt.

Auch im Südwesten reagieren viele Organisatoren auf die Empfehlung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU), alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern abzusagen. Relativ entspannt sind dagegen die Betreiber von großen Bädern, die ihre Türen trotz Epidemie offen lassen. Hier ein Überblick aus der Region.

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Verordnung des Ministeriums

Das Land Baden-Württemberg ergreift weitreichende Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus: Gesundheitsminister Manne Lucha kündigte am Dienstag an, eine Verordnung auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes auf den Weg zu bringen. Diese soll Gebote und Verbote zum Umgang mit Großveranstaltungen und zum Schutz vulnerabler Gruppen enthalten. Die Verordnung soll den Kommunen als verbindliche Leitlinie dienen.

Nach Angaben des Ministeriums will man so die Infektionsketten unterbrechen und eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus verhindern. Vorgesehen ist ein Verbot von Veranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmern. Das Kabinett will die Rechtsverordnung schnellstmöglich beschließen.

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Kulturveranstalter in der Region reagieren

In der Region müssen Opernhäuser und Veranstalter wie das Karlsruher Tollhaus auf Empfehlungen des Ministeriums reagieren, da sie Platz für mehr als 1.000 Besucher bereitstellen. Sowohl das Tollhaus als auch das Badische Staatstheater schließen daher den Ticket-Verkauf ab einer Besucherzahl von 1.000. Sie sagen aber noch keine Veranstaltungen ab.

Dies eigenmächtig zu entscheiden, sei ihnen allein aus vertraglichen Gründen nicht möglich, informiert der Tollhaus-Pressesprecher Johannes Frisch. Sollten aber Absagen nötig sein, werde man versuchen, die Konzerte nachzuholen. Das Festspielhaus Baden-Baden reagiert ebenfalls: Noch am Dienstag sind die Institution und die Wiener Philharmoniker davon ausgegangen, dass das Konzert am 14. März stattfindet. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen will das Haus jedoch den Erlass des Gesundheitsministeriums abwarten und dann reagieren.

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Künstler bleiben fern

Vor allem Künstler aus Übersee sagen ihre Auftritte ab. So nimmt der 85-jährige Arun Gandhi aufgrund ärztlicher Empfehlungen Abstand von seiner Vortragsreise durch Europa, die für den 17. März geplante Veranstaltung des Sozial-Aktivisten und Enkels von Mahatma Gandhi im Tollhaus entfällt. Auch im Festspielhaus Baden-Baden müssen Besucher Verständnis aufbringen: Der geplante Lieder- und Klavierabend mit Renée Fleming und Evgeny Kissin am Sonntag, 15. März, fällt aus.

„Vor dem Hintergrund der jüngsten Empfehlungen von offizieller Seite sowie der gebotenen Vorsicht, was Reisen und größere Menschenansammlungen angeht“, bedauere Fleming laut ihres Managements, absagen zu müssen. Karten können für eines der folgenden Konzerte getauscht werden: Liederabend mit Elina Garanca am 18. November 2020, Arienabend mit Diana Damrau und Nicolas Testé am 4. Dezember oder Klavierabend mit Evgeny Kissin am 27. Februar 2021. Ebenfalls möglich ist die Rückerstattung des Eintrittspreises (Telefon 0 72 21/3 01 31 01, Mail: info@festspielhaus.de).

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Große Bäder weiter offen

Im Schnitt mehr als 4.500 Menschen besuchten täglich im Vorjahr die Bäder und Thermen der Stadt Karlsruhe. Hat die Epidemie Auswirkungen auf ihren Betrieb? Ja. „Die Besucher-Zahlen gehen seit dem Wochenende zurück, Corona wird uns wohl wirtschaftlich treffen“, sagt Oliver Sternagel, Geschäftsführer der Karlsruher Bäder. Er versichert jedoch: „Alle Bäder bleiben offen“.

Sternagel zählt die „permanente Flächendesinfektion“ und die „höchsten Ansprüche an die Wasserhygiene“ als Gründe auf, warum man auch in Corona-Zeiten auf Schwimmen und Schwitzen nicht verzichten muss. In den Bäderbetrieben werde zurzeit noch gründlicher gereinigt, zudem seien seine Mitarbeiter für Ansteckungsrisiken sensibilisiert worden. „Die Bäder tragen dazu bei, dass die Menschen sich bewegen und gesund bleiben. Ich würde jederzeit hingehen“, sagt Sternagel.