Keine Spur mehr von Harry Potter: Szene mit Daniel Radcliffe in „Guns Akimbo“, einem der ersten Film-Neustarts seit der Wiedereröffnung der Kinos. | Foto: dpa

Film-Neustarts in dieser Woche

Kinos in der Region: Wann kommt der erste Blockbuster nach Corona?

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Seit drei Wochen sind etliche Kinos in der Region wieder geöffnet. Nun gibt es an diesem Donnerstag auch die ersten internationalen Filmstarts seit der Corona-Zwangspause. Das ist ein Lichtblick für die Branche. Denn bislang konnte sie nur Filme bieten, die bereits in den Wochen vor der Schließung gelaufen waren. Daher waren die Besucherzahlen bisher überschaubar.

Wie bedient man einen Türknauf, wenn man seine Hände nicht benutzen kann? Nein, die Frage zielt in diesem Fall nicht auf den Versuch, wegen des Coronavirus keine Dinge im öffentlichen Raum anzufassen. Sondern auf eine Szene in der irrwitzigen Ballerkomödie „Guns Akimbo“ mit Harry-Potter-Star Daniel Radcliffe. Die bringt als einer der ersten internationalen Filmstarts nach der Corona-Zwangspause den Kinos nun die sehnlichst erwartete Neuware.

Wir sind froh, dass ein paar Verleiher ihre Filmstarts vorgezogen haben.

Tilman Bandel, Theaterleiter Filmpalast am ZKM

„Wir sind froh, dass sich ein paar Verleiher gefunden haben, die den derzeitigen Mangel an neuen Filmen als Chance begreifen und ihre eigenen Filmstarts vorziehen“, sagt Tilman Bandel, Theaterleiter im Karlsruher Filmpalast am ZKM. Neben „Guns Akimbo“ läuft an diesem Donnerstag auch „Der Fall Richard Jewell“ an, eine Woche früher als ursprünglich geplant.

Das Drama in der Regie von Altmeister Clint Eastwood handelt von dem Wachmann, dessen Eingreifen beim Bombenanschlag 1996 in Atlanta zahlreiche Menschen rettet – und der dennoch zum Hauptverdächtigen für das FBI und die Medien wird.

Seit drei Wochen sind viele Kinos in Baden-Württemberg wieder offen. Der Besucherandrang hält sich allerdings in Grenzen. „Die eineinhalb Ferienwochen, die wir noch mitnehmen konnten, haben uns etwas geholfen“, erklärt Bandel. Seitdem aber sei die Wirtschaftlichkeit des Betriebs „leider wie vorab erwartet“ – nämlich schlecht.

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Mangel an neuen Filmen

Das mag sowohl an der Scheu potenzieller Zuschauer liegen, sich wieder in Sälen zu versammeln wie auch an der Verbindung aus sommerlichem Wetter und geöffneten Biergärten. Nicht zuletzt aber liegt es am Mangel an frischer Ware: „Wer ins Kino geht, will neue Filme sehen“, weiß Bandel.

Bislang habe man aber auf Filme zurückgreifen müssen, die bereits im Februar und März regulär und danach noch in Autokinos gelaufen sind. Daher sei man nun froh, zumindest Neuigkeiten mit Namen wie Clint Eastwood oder eben Daniel Radcliffe bieten zu können.

Warten auf „Mulan“ und „Tenet“

Große Sprünge erhoffen sich die Kinobetreiber davon noch nicht. „Letztlich zielen wir auf Ende Juli“, sagt Bandel. „Am 23. Juli startet mit ’Mulan’ ein Film für alle Altersklassen, und eine Woche später ’Tenet’ von Christopher Nolan.“ Das neue Werk des innovativen Filmemachers gilt international als Hoffnungsschimmer für die Branche.

Nolan hat mit seiner Batman-Trilogie sowie Filmen wie „Inception“ und „Interstellar“ globale Hits gelandet. Filme dieser Größenordnung werden allerdings weltweit zeitgleich ausgewertet. Daher hängt der Start von „Tenet“ auch noch an der flächendeckenden Öffnung der Kinos in den USA.

Klassiker als Alternative

Auch Programmkinos wie die Schauburg Karlsruhe laufen noch längst nicht in Vollzeitbetrieb. „Derzeit spielen wir nur in zwei Sälen und nur von Donnerstag bis Sonntag“, sagt Schauburg-Chef Herbert Born. In seinem Programm finden sich auch Klassiker, etwa an diesem Wochenende die restaurierte Fassung der Komödie „Die Reifeprüfung“ von 1967 mit dem jungen Dustin Hoffman und Stanley Kubricks Schocker „Shining“ von 1980.

„Für den Kubrick-Film haben wir sogar schon am Tag der Programmveröffentlichung ein paar Vorbestellungen bekommen“, freut sich Born. „Und ’Die Reifeprüfung’ konnten wir in digitalisierten Version mit 4K-Auflösung bekommen – ich mag den Film sehr und wollte ihn auch einfach mal selber wieder auf der Leinwand sehen.“

Pistolen an den Händen

Wer sich hingegen den in mehreren Kinos der Region startenden „Guns Akimbo“ anschaut, sollte es laut und grell mögen. Die eingangs erwähnte Frage nach dem Bedienen des Türknaufs zielt nämlich auf das Problem der Hauptfigur Miles (Daniel Radcliffe). Der eigenbrötlerische Programmierer Miles wird gezwungen, an einer live ins Internet übertragenen Killerjagd teilzunehmen. Dafür bekommt er Pistolen an die Hände geschraubt (!), was das Bedienen von Türklinken ebenso erschwert wie das Pinkeln am Pissoir.

Man merkt: Der Streifen von Regisseur Jason Lei Howden setzt auf blutig-schwarzen Humor – vielleicht für den einen oder anderen Filmfan eine willkommene Abwechslung nach etlichen Autokino-Wochen mit dem „Känguru-Chroniken“.