Oliver Zille
Der Chef der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille, hält nicht viel vom ewigen Wachstumswahn. | Foto: Monika Skolimowska

271 000 Gäste

Winterchaos bringt Buchmesse Besucherminus

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Leipzig (dpa) – Wetterkapriolen und Verkehrschaos an den wichtigsten Ausstellungstagen haben die jahrelange Besucher-Rekordjagd der Leipziger Buchmesse gestoppt. Die Veranstalter zählten an den vier Messetagen 271 000 Gäste. Das waren gut 14 000 weniger als vor einem Jahr.

Eigentlich hatten sie mit einem erneuten Rekord und etwa 300 000 Gästen gerechnet. Neben eisigem Wind und stehenden Zügen prägte auch die Debatte um den Auftritt rechter Verlage das Geschehen.

«Der Begeisterung des Publikums für Bücher, für diese Messe, hat dieses extreme Wetter überhaupt keinen Abbruch getan», sagte Buchmesse-Direktor Oliver Zille zum Abschluss. Aus seiner Sicht war die diesjährige Schau ein Beleg dafür, dass sich die Akteure nicht von den Auseinandersetzungen an den politischen Rändern dominieren lassen. «Die Inhalte der Messe sind im Fokus geblieben. Das ist der größte Erfolg dieser Buchmesse 2018.» Er lese den Verlauf der Messe als starkes Statement, dass Buntheit und Vielfalt die Oberhand behalten haben «und nicht die lauten Stimmen».

Vor allem am Wochenende standen sich an den Ständen der rechten Verleger rechte und linke Gruppen gegenüber. «Auch friedliche Auseinandersetzungen sind Auseinandersetzungen. Da wird es laut und die Bilder sind teilweise nicht schön», sagte Zille. Dennoch müssten alle lernen, mit extremeren Situationen umzugehen. Die werde man auch in Zukunft nicht von der Buchmesse ausschließen können, wolle aber genau abwägen, was in den nächsten Jahren noch verbessert werden könne. «Meinungsfreiheit auszuhalten, ist eben für alle Akteure eine sehr anstrengende Angelegenheit.»

Auf der Buchmesse hatten sich mehr als 2600 Aussteller aus 46 Ländern präsentiert. Das waren gut 140 mehr als im Vorjahr. Parallel lief das Festival «Leipzig liest» in der Innenstadt. Viele neue Inhalte, wie das Forum «Politik und Medienbildung» seien gut angenommen worden, so Zille. Als Gastland präsentierte sich Rumänien. Auch die Manga-Comic-Con zog im fünften Jahr ihres Bestehens zahlreiche verkleidete Cosplayer und Manga-Fans in Alltagskleidung an.

Ausgerechnet am traditionell besucherstärksten Samstag hatten Schneeverwehungen und vereiste Weichen zu Behinderungen auf Schienen und Straßen gesorgt. Die Züge im Nah- und Fernverkehr umfuhren fast den gesamten Messetag den Hauptbahnhof. Auch auf den Zufahrtsstraßen bildeten sich ungewöhnlich lange Staus. «So einen Wettereinbruch haben wir hier in den 28 Jahren, in denen ich dabei bin, noch nie erlebt», sagte Zille. Das Wetter und die Ausfälle hätten Menschen davon abgehalten, auf die Messe zu kommen. «Im Nachgang der Messe werten wir aus, wo es logistische Verbesserungen gibt.»

Trotz der winterbedingten Behinderungen fanden den Organisatoren zufolge rund 197 000 Besucher den Weg auf das Messegelände selbst. Das waren rund 11 000 weniger als vor einem Jahr. Die restlichen Gäste wurden beim Festival «Leipzig liest» gezählt.

«Ehrlich gesagt bin ich ganz froh darüber, dass dieser «Schneller, Höher, Weiter»-Hype jetzt nicht fortgesetzt wird, sondern dass man sich auf die Inhalte konzentriert und das funktioniert ausgezeichnet.» Dennoch kündigte Zille für die nächsten Jahre größere Veränderungen an. Die Möglichkeiten des Geländes seien noch nicht erschöpft. «Für die Aussteller hat Sichtbarkeit die oberste Priorität, den Zugang des Publikums muss man daher im Blick halten.» Vor allem am Wochenende herrscht oft so großer Andrang, dass die Besucher nur im Schneckentempo zwischen den Hallen vorankommen.

Die immer wieder diskutierte Trennung der Buchmesse von der bunten Manga-Comic-Con lehnt er weiter ab. «Wir sind überzeugt, dass die inhaltliche Kombination mit der Manga-Comic-Con richtig ist.» Die Buchmesse lädt 2019 vom 21. bis 24. März nach Leipzig ein. Als Gastland wird sich dann Tschechien präsentieren.