Museum der Moderne
Das Modell des Siegerentwurfs des Basler Architekturbüros Herzog und de Meuron für das Museum des 20. Jahrhunderts. | Foto: m nJens Kalaene

«Scheune»

Museum der Moderne soll Lücke in Berlin schließen

Anzeige

Berlin (dpa) – Es gibt eine Leere mitten in Berlin. Ziemlich groß, ziemlich hässlich. Das bisher als Parkplatz genutzte Gelände unweit des Potsdamer Platzes liegt zwischen zwei Ikonen moderner Architektur: links die von Klarheit gezeichnete Neue Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969), rechts die spektakuläre Philharmonie von Hans Scharoun (1893-1972).

Dazwischen planen die Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron einen wegen seiner Schlichtheit bereits als «Scheune» bezeichneten Bau, der es allerdings in sich hat. Erstmals ist nun auch die Finanzierung für das derzeit mit 450 Millionen Euro kalkulierte Museum der Moderne offiziell gesichert.

Damit liegen die Gesamtkosten doppelt so hoch wie die bisher genannten 200 Millionen Euro. Deutliche Kostensteigerungen kennen viele Architekten, auch Herzog & de Meuron: sie haben die Elbphilharmonie in Hamburg gebaut. Zu ihren Prestige-Objekten zählen zudem das Olympiastadion in Peking oder die Allianz Arena in München. Architekt Jacques Herzog nannte am Dienstag einen der Gründe für die aktuelle Kostensteigerung. «Das sind krasse Räume», umschrieb Herzog den «unglaublichen technischen Aufwand» für immer teurer werdende Kunst.

Nach dem Spatenstich vor Ende des Jahres soll bis 2026 das Museum der Moderne entstehen, das eine der wichtigsten Sammlungen mit Kunst des 20. Jahrhunderts aufnehmen soll. Künstler wie Beckmann, Kirchner, Höch, Paik, Tübke, Mattheuer, Genzken, Piene, Tillmanns zählte Joachim Jäger am Dienstag auf, der als Leiter der Neuen Nationalgalerie auch Chef des neuen Museums werden wird.

«Gerade mit dem Bezug auf die so einschneidende Geschichte des 20. Jahrhunderts gewinnt der Neubau eine aus meiner Sicht besondere Bedeutung», sagte Jäger. Die Sammlung habe einen direkten Bezug zur politischen Entwicklung der jeweiligen Zeit. «Hier in Berlin wurde anders gesammelt als in München, Frankfurt, Düsseldorf oder Leipzig.» Die Sammlung müsse nun dauerhaft gezeigt werden. «Das ist kein Zustand», sagte Jäger.

Dafür hat das Museum dann künftig 9000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Jeweils etwa 1000 Quadratmeter sollen die umfassenden Privatsammlungen Erich Marx sowie Ulla und Heiner Pietzsch füllen, die dem Museum überlassen werden. Der Rest ist für die öffentliche Sammlung.

Das Architekturkonzept ist deutlich aufwendiger als die eher schlichte Schale erwarten lässt. «Es ist alles ein Raum», erläuterte Architekt Herzog den Entwurf seines Büros. Diese Offenheit zieht sich über mehrer Ebenen in den komplizierten – und damit bautechnisch teuren – Berliner Boden. Herzog verwies auf das gefeierte Tate Modern in London, 1993 ebenfalls von Herzog & de Meuron umgebaut, wo eine Rampe hinab führt, Besucher sich aber dennoch nicht irgendwo im Keller fühlen. Der Weg hinab für mehr Fläche war auch notwendig, weil mit einem überarbeiteten Entwurf 2018 die Grundfläche um 15 Prozent reduziert wurde. Der Bau soll damit weiter von der benachbarten St.-Matthäus-Kirche abrücken.

Bereiche für Ausstellung und Vermittlung sowie Wissenschaft sollen im Museum der Moderne räumlich eng miteinander verschränkt werden. Im Gebäude lässt sich eine kreuzartige Struktur nachzeichnen. An den vier Enden ergeben sich jeweils weite Öffnungen über Treppen und Eingänge, die das Museum mit den neu entstehenden Plätzen davor verbinden sollen. Die «zutiefst demokratische Architektur» (Jäger) soll Außen- und Innenwelt direkt miteinander verbinden.