Erst wird getöpfert und gesungen – und dann gekuschelt. Das Musical „Ghost“ in Stuttgart mit Molly (Roberta Valentini) und Sam (Riccardo Greco) orientiert sich stark am Erfolgsfilm aus dem Jahr 1990.
Erst wird getöpfert und gesungen – und dann gekuschelt. Das Musical „Ghost“ in Stuttgart mit Molly (Roberta Valentini) und Sam (Riccardo Greco) orientiert sich stark am Erfolgsfilm aus dem Jahr 1990. | Foto: Stage Entertainment/Manuel Harlan

Kultur

Musical „Ghost – Nachricht von Sam“ feiert Premiere in Stuttgart

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William Shakespeare haben wir eine der schönsten Liebesgeschichten Hollywoods zu verdanken. Bruce Rubin sah den Klassiker im Theater. Er war beeindruckt, wie der tote Vater Hamlets auf dem Balkon steht und fordert, seinen Tod zu rächen. Davon ließ sich der Drehbuchautor inspirieren und schrieb „Ghost – Nachricht von Sam“.

Der Hollywood-Streifen aus dem Jahr 1990 ist legendär mit einem mal ganz soften Patrick Swayze, einer jugendlichen Demi Moore und einer durchgeknallten Whoopi Goldberg. Jetzt gibt’s die magische Geister-Geschichte als Musical auch im Stuttgarter „Stage Palladium Theater“.

Musical-Darsteller sehen nicht aus wie Patrick Swayze und Demi Moore

Fans des Hollywood-Blockbusters müssen bei der Medienpremiere am Mittwochabend nur kurz irritiert staunen, denn die Musical-Protagonisten sehen so anders aus als im Film: die Künstlerin Molly (Roberta Valentini) ist blond und ihr geliebter Sam (Riccardo Greco) recht schmächtig.

Aber die Aha-Momente sind rasch da, denn das geistreiche Musical orientiert sich inhaltlich stark am Movie-Streifen: mit den Geistern in U-Bahn sowie im Krankenhaus und vor allem mit der sinnlichen Töpferszene – die Tausende Zuschauerinnen später in entsprechende VHS-Kurse brachte.

Hemd aus, Bluse runter, das Licht gedimmt, dazu der „Kuschelrock“-Klassiker „Unchained Melody“ – Molly und Sam erleben das Glück ihres Lebens, bevor das „Dito-Drama“ beginnt. Wir erinnern uns: „Ich liebe Dich!“, Molly konnte das sagen, Sam brachte statt der drei ihr so wichtigen Worte nur ein schlichtes „dito“ heraus.

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„Lebe den Augenblick“ könnte Motto des Musicals sein

Bei einem Überfall wird Sam erschossen, dann zu einem guten Geist, der herausfindet, dass Molly in Lebensgefahr schwebt. Sein vermeintlich bester Freund Carl (Thomas Hohler) ließ ihn umbringen. Nur mit der Wahrsagerin Oda Mae (Kim Sanders) kann Sam seiner Geliebten das Leben retten.

„Lebe den Augenblick“, das könnte eine Botschaft des Musicals sein, oder „Schätze Deine Liebsten“. Der Mystery-Thriller macht aber vor allem Spaß, etwa wenn die grandiose Oda Mae, dieser herrlich bunte Vogel, aufgetakelt durch eine Bank stöckelt und zehn Millionen Dollar gerne in Zehnern und Zwanzigern ausbezahlt hätte.

Flink ist der Wechsel beim Bühnenbild zur schwäbischen Geisterstunde: eben noch die New Yorker Subway-Station samt rappendem Geist auf der einfahrenden U-Bahn, dann Oda Maes grell-rote Wahrsager-Bude und danach das schäbige Zimmer des Auftragmörders.

Spezialeffekte begeistern

Übernatürlich und unbegreifbar sind die Tricks der Tragödie: Da fliegen im Büroraum von Geisterhand Akten aus dem Schrank, ein Brief faltet sich auf wundersame Weise in der offenen Hand und Oda Mae verwandelt sich in eine andere Person.

Hier hat der Stuttgarter Andreas Meinhardt alias Nils Bennett seine Finger im Spiel. Sonst arbeitet er für Illusionisten und Magier wie Farid, Topas oder die Ehrlich Brothers. Auch der Wandel der Lebenden in einen Geist ist perfekt inszeniert. Die Tontechniker verleihen ihnen selbstverständlich auch einen passenden Hall.

Musik von Dave Stuart von Eurythmics

Die Tänze zur Musik von Dave Stuart (Eurythmics) sind turbulent, die Protagonisten interpretieren tadellos dessen Popsongs und Balladen. Die Story ist für ein Broadway-Stück ohnehin recht geistreich – kein Wunder, wenn Hamlet ein kleines bisschen dafür herhalten musste.

Und zum Schluss, nach zweieinhalb Stunden, als all die Bösen vom Teufel geholt worden sind, muss sich auch Sam von seiner Molly endgültig verabschieden. Jetzt kann er es endlich sagen: Ich liebe Dich, statt dito.

Das Musical-Märchen ist rund, die Tränen kullern reichlich über die Wangen der Zuschauerinnen. Wie beruhigend, dass danach – als das Publikum die Stars feiert – Molly ihren Sam wieder real im Arm hält. Kuss inklusive.