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Verwaltungsrat hat entschieden

Peter Spuhler bleibt Generalintendant des Badischen Staatstheaters

Der durch massive Kritik aus der Belegschaft schwer angeschlagene Generalintendant Peter Spuhler bleibt im Amt. Der Verwaltungsrat will aber etliche Maßnahmen zur Vertrauensbildung anstoßen.

Generalintendant Peter Spuhler auf dem Weg zur Verwaltungsratssitzung des Badischen Staatstheaters. Vor der Nancyhalle hatten sich rund 270 Theatermitarbeiter zu einer Demonstration versammelt. Spuhler bleibt im Amt, wie der Verwaltungsrat am frühen Nachmittag bekannt gab. Foto: Marko Cirkovic

Eine Trennung von Peter Spuhler als Generalintendant kam trotz der offenkundigen Führungskrise am Badischen Staatstheater für den Verwaltungsrat offenbar nicht in Frage. Stattdessen will man mit einem großen Maßnahmenangebot die Krise wieder in den Griff bekommen. Das sagte Kunstministerin Theresia Bauer nach der Sitzung des Verwaltungsrats.

Direkt davor war bekannt geworden: Der Umbau und die Sanierung des Staatstheaters werden teurer als bisher angekündigt. Unter anderem wegen der Trennung von einem Büro, das für Heizung, Kühlung, Lüftung und Feuerlöschanlagen zuständig war, haben sich zeitliche Verzögerungen ergeben.

Die 2017 veröffentlichte Kostenschätzung von 325 Millionen Euro wird nun auf 389 Millionen Euro korrigiert. Angesichts der zehnjährigen Bauphase rechnet man letztlich mit Kosten von 500 Millionen Euro.

Verwaltungsrat gibt Entscheidung über Spuhlers Zukunft mit fast 90 Minuten Verspätung bekannt

Mit diesen Informationen wurde eine Pressekonferenz eröffnet, die deutlich später begann als geplant. Statt wie angekündigt um 12 Uhr traten Kunstministerin Theresia Bauer, Staatssekretärin im Finanzministerium Gisela Splett sowie Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup erst um 13.25 Uhr vor die Presse.

Dann ging es zunächst um das Thema Umbau und Sanierung, das für Stadt und Land nun erst recht einen „finanziellen Kraftakt” (Splett) bedeutet.

Erst danach ging es um die Zukunft von Generalintendant Peter Spuhler. Die Kritik aus der Belegschaft an dessen Amtsführung war zu groß und umfassend geworden, um ein schlichtes „Weiter so” auch nur denkbar zu machen.

Als sich der Verwaltungsrat des Badischen Staatstheaters am Freitagvormittag zu seiner Sitzung traf, untermauerten mehrere hundert Theatermitarbeiter ihren Unmut per Demonstration. Dennoch war nicht abzusehen, mit welcher Lösung versucht werden soll, das zerrüttete Klima am Haus zu retten.

Kunstministerin und Verwaltungsratsvorsitzende: Theresia Bauer, hier bei der Ankunft an der Nancyhalle Karlsruhe, gilt als schützende Hand über Peter Spuhler. Foto: Uli Deck

Ausgebrochen war die Krise vor knapp drei Wochen. Damals erklärten drei scheidende Mitarbeiter der Opernsparte am Staatstheater auf BNN-Anfrage, warum sie dem Haus den Rücken kehren.

Ihre Kritik an der von Kontrolldruck, cholerischen Ausbrüchen und permanent überfordernden Leistungsanforderung geprägten Amtsführung von Generalintendant Peter Spuhler löste eine Welle der Kritik aus, die in Offenen Briefen des Personalrats, des Fördervereins und der Orchester- und Chorvorstände gipfelte.

Besonders sauer aufgestoßen war vielen Theaterleuten, dass die politisch Verantwortlichen sich von den Vorwürfen völlig überrascht zeigten. Man habe über die Jahre mehrfach auf die Missstände hingewiesen, betonten Personalrat und Orchestervorstände gegenüber den BNN. Zudem sei die dramatische Personalfluktuation ein unübersehbares Zeichen für das schlechte Arbeitsklima gewesen.

Karlsruher Theaterkrise hat bundesweite Kreise gezogen

Für eine umfassende Strukturreform hatte sich bereits im Vorfeld die SPD-Stadträtin Elke Ernemann ausgesprochen, die Mitglied des 16-köpfigen Verwaltungsrats ist. Die Krise um Peter Spuhler hat auch bundesweit die Diskussion um Machtstrukturen im Theater befeuert.

An etlichen Orten ist der Prozess bereits im Gang, die längst nicht mehr zeitgemäße Machtkonzentration auf eine einzige Person durch Team-Lösungen oder zumindest Doppelspitzen abzulösen. Eine Doppelspitze gibt es in Karlsruhe zwar seit 2018 auf dem Papier, intern aber gilt der Geschäftsführende Direktor Johannes Graf-Hauber als keineswegs gleichberechtigt mit Peter Spuhler.

Haltung und Verhalten forderten zahlreiche Demonstranten unter Anspielung auf das Motto der kommenden Spielzeit vom Verwaltungsrat des Badischen Staatstheaters. Foto: Uli Deck

Auch die Arbeitsverhältnisse werden in der Theaterszene grundsätzlich diskutiert. Denn ein cholerischer Chef und ständige Überlastung sind kein exklusives Karlsruher Problem. Als sehr kritisch gesehen wird, dass künstlerisch Beschäftigte durch den stets befristeten Vertrag NV Bühne nach wie vor in finanziell prekären und extrem abhängigen Arbeitsverhältnissen stehen.

Diese Abhängigkeit wurde auch von den vielen Theatermitarbeitern, die sich bei den BNN gemeldet haben, als Grund genannt, warum sie ihre Namen nicht gedruckt sehen wollte.

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