Wes Anderson & Juman Malouf
Wes Anderson und Juman Malouf haben ein paar ungewöhnliche Schätze ausgegraben. | Foto:  Rafaela Proell/KHM-Museumsverband

Spitzmaussarg und Emu-Eier

Regisseur Wes Anderson als eigenwilliger Kurator

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Wien (dpa) – Was haben Emu-Eier, ein Futteral für Querflöten, die Porträts von Haarmenschen und ein nackter Knabe als feinste Schnitzarbeit gemeinsam?

Sie gehören zu einer Schau im Wiener Kunsthistorischen Museum (KHM), die vom US-Regisseur Wes Anderson («Grand Budapest Hotel», «Isle of Dogs») und seiner Partnerin Juman Malouf zusammengestellt wurde. Auf Einladung des KHM hatten die beiden Künstler freie Hand, als Kuratoren eine ganz persönliche Schau zu kreieren.

Rund 420 Objekte haben der 49-jährige Texaner und die aus dem Libanon stammende Illustratorin Malouf ausgesucht – unter den mehr als vier Millionen des Hauses. «Zu den Meisterwerken hat es sie gar nicht hingezogen», meinte KHM-Kurator Jasper Sharp am Montag. Viel Zeit habe das Paar, durch frühere private Besuche mit dem KHM bestens vertraut, in den Depots verbracht, so Sharp. 350 Objekte stammten von dort, 200 seien noch nie zu sehen gewesen.

So ist die Ausstellung «Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures» (bis 28. April 2019) eine eigenwillige Mixtur aus der Hand eines künstlerisch eigenwilligen Paares geworden. Wo sonst stünde der – leere – 2500 Jahre alte Sarg einer Spitzmaus aus dem alten Ägypten im Mittelpunkt? Gleich zu Beginn der Schau faszinieren und erschrecken die Porträts von Vater, Sohn und Tochter, die wegen ihrer Ganzkörperbehaarung im 16. Jahrhundert zu den bewunderten Kuriositäten an Fürstenhöfen zählten. Normalerweise sind die Gemälde im Innsbrucker Schloss Ambras zu sehen. Auch rund ein Dutzend Porträts von Herzogs- und Kaiser-Kindern, eingezwängt in ihren herrschaftlichen Kleider, fanden den Gefallen des Künstler-Paares.

«Ein Smaragdgefäß aus dem 17. Jahrhundert zeigen wir in einem beengten Raum gegenüber dem leuchtend grünen Kostüm aus einer Aufführung von Hedda Gabler im Jahr 1978, um auf die molekularen Ähnlichkeiten zwischen sechseckigen Kristallen und Shantung-Seide hinzuweisen», wird Anderson vom Museum zitiert. Der für seine schrägen, originellen und bildstarken Filme bekannte Texaner hat fast erwartungsgemäß auch das Porträt eines Riesen und eines Zwerges ausgesucht («Der Riese Bartlmä Bona mit dem Zwerg Thomele», Ende 16. Jahrhundert). Was ihn an den vier fast noch frischen Emu-Eiern – erst im März 2018 vom Naturhistorischen Museum angekauft – faszinierte, erschließt sich nicht sofort.

Dem Konzept der auch von Fachleuten unterstützten Aushilfs-Kuratoren mag man folgen oder nicht. Woran mancher Besucher sich jedenfalls stören könnte, ist der Mangel an Informationen. Die Objekte sind ohne jede Notiz. Ein Booklet, im Halbdunkel der Ausstellungsräume nur schwer lesbar, soll weiterhelfen. Im Anschluss wandert die Schau zur Fondazione Prada in Mailand.

Idee des Projektes sei auch, «die Sammlung auf den Kopf zu stellen», erinnerte KHM-Generaldirektorin Sabine Haag an das Motiv. Seit 2012 lädt das Museum, die Schatzkammer der Habsburger und aktuell mit einer spektakulären Schau über Pieter Bruegel den Älteren in den Schlagzeilen, zeitgenössische Künstler zur subjektiven Auseinandersetzung mit der Sammlung ein. Ein großes Vorbild sei auch eine vor knapp 50 Jahren von Andy Warhol zusammengestellte Schau in Houston in Texas. Dort wurde im selben Jahr Wes Anderson geboren. «Ein schöner Zufall», sagte Sharp.

Ganz ohne Kurator kommt ein Höhepunkt der Schau aus. Das beeindruckende Deckengemälde des Historienmalers Julius Victor Berger von 1892 zeigt «Die Mäzene des Hauses Habsburg». Es vereint auf 100 Quadratmetern in einer Szene Kaiser wie Maximilian I. und Künstler wie Rubens und Rembrandt – insgesamt 44 Menschen und 31 Objekte aus den ehemaligen kaiserlichen Sammlungen.