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Ausverkaufte Premiere

Sandkorn-Theater eröffnet Karlsruher Theatersommer

Hurra, wir lachen noch: Die musikalisch-satirische Show „Don’t worry be happy“ des Sandkorn-Theaters stimmte in der Günther-Klotz-Anlage auf den Karlsruher Theatersommer ein.

Heiter bis lustig: Das Kabarett-Duo Rastetter & Wacker sorgt mit seiner Rezitation von „Deutschland – ein Fußballmärchen“ von Matthias Belz im Sportkommentatoren-Gewand für eine amüsante Geschichtsstunde im Theaterzelt in der Klotze, die zum Nachdenken anregt. Foto: Elisa Walker

„Bleiben Sie gesund, bleiben Sie gesund, bleiben Sie gesund“: Wer dieses abgedroschene Mantra als Grußformel schon lange nicht mehr hören kann, ist im Theaterzelt am Rudersee in der Klotze genau richtig.

Denn hier bekommen kulturvernachlässigte Lachmuskeln endlich wieder etwas zu tun bei der neuen musikalisch-satirischen Show „Don’t worry, be happy“ (Regie: Günter Knappe) des Sandkorn-Theaters.

Dessen ausverkaufte Premiere eröffnete nun die Open-Air-Theatersaison im großen roten Kulturzelt in der Günther-Klotz-Anlage, das zehn Karlsruher Theatern über den Sommer eine Bühne bietet.

RaWa nehmen bei Karlsruhe Theatersommer Corona-Umstände aufs Korn

„Don’t worry, be happy“ – kann man das in diesen Zeiten anders als ironisch sagen? Dieser Frage stellt sich auf der Zeltbühne das Kult-Kabarettisten-Duo Rastetter & Wacker (RaWa), das augenzwinkernd die aktuellen Umstände aufs Korn nimmt.

Neben einem Best-of aus dem RaWa-Repertoire schöpft es in der neuen Show aus dem Fundus der großen Kabarettmeister vergangener Jahrzehnte.

Denn die waren laut RaWa allesamt Propheten, haben sie doch erschreckend aktuelle Weissagungen auf die heutige Zeit in Textform gebracht.

Zunächst wird jedoch die Logik der Hygieneverordnungen durchleuchtet: Wie war das noch? Präsenzunterricht nur in Zügen und Blaskonzerte in Bordellen? Ganz so sicher könne man sich da bei ständig wechselnden Vorgaben nie sein.

Deshalb rechnet das Duo kurz vor: „Sie sind 131 Personen aus 61 Haushalten im Publikum. Sie dürfen alle um 22 Uhr zusammen nach Hause gehen, wenn sie einen Hund dabeihaben.“

RaWa verbannen im Karlsruhe Kulturzelt Corona-Begriffe

An diesem Abend wolle man sich aber nicht mit den Pandemie-Begrifflichkeiten herumschlagen. „Kwarantäne“, „Supaschpräder“ und das „Virus-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf“ werden kurzerhand auf die No-Go-Liste gesetzt.

Doch die braucht man nicht, um wunderbar satirisch schwarzzumalen. Wie eine Gruselgeschichte am Lagerfeuer trällern RaWa mit Taschenlampe im Gesicht etwa ihr Lied vom Restrisiko, das immer mit dabei ist.

Dann zu den Propheten: Allen voran der prämierte Schweizer Kabarettist Franz Hohler mit seinem „Weltuntergang“ aus den 1970er Jahren, der bis heute aktuell ist. Während das Duo RaWa dabei sein Schnellsprech-Talent beweist, bleibt bei dem Vortrag manchem das Lachen im Hals stecken.

Georg Kreislers gesellschaftskritisches Lied „Hurra, wir sterben“ von 1971 setzt da noch einen oben drauf, denn als RaWa zum Schluss „Hurra, wir erben die Welt in Scherben“ singt, kann sich auch der letzte im Zelt das Lachen nicht mehr verkneifen.

Alle wollen es, fast niemand hat es: Kabarett-Duo Rastetter & Wacker singt gemeinsam mit Sängerin Patricia Keßler und Pianist Michael Postweiler den beliebten Cabaret-Song „Money makes the world go round“ von 1972 über die Vorzüge und Laster des Geldes. Foto: Elisa Walker

Die eingestreuten musikalischen Highlights von Sängerin Patricia Keßler und Pianist Michael Postweiler lassen Füße wippen. Vor allem die deutschen Übersetzungen bekannter Welthits sorgen für Zwischenapplaus.

So glänzt Keßler mit ihrer starken Stimme bei in ihrer deutschen Interpretation von „I will survive“ als „Ich überleb‘s“ und Postweiler singt sich mit Italiener-Klischees als Eros Ramazotti-Imitator in die Herzen der Damen („Se bastasse una canzone“ wird zu „In der Tasse hab‘ ich Minestrone“).

Auch als armer Soloselbstständiger macht er sich gut beim Bobbejaan-Klassiker „Ich hab‘ kein Geld für ein Orchester“ von 1968, dessen Liedzeilen einige im Publikum tonlos mitsprechen.

Keßler kann auch ernst und schmettert französische Chansons par excellence, vor allem Edith Piafs „Padam Padam“ steht ihrer Stimme gut. Im Duett wissen die beiden bei flauschiger Toilettenpapier-Romantik („Something stupid“) und modernen Chartsongs („Lovely“ von Billy Eilish und Khalid) ebenfalls zu überzeugen.

Das schönste Geschenk an uns ist, dass wir wieder ein richtiges Publikum sein dürfen.
Frank Mentrup, Karlsruher Oberbürgermeister

Damit man den Humor nicht verliert, obwohl das Virus noch nicht ganz besiegt ist, gibt am Ende des kurzweiligen Programms noch ein wenig Aufmunterung in Form von „Always look on the bright side of life“ mit auf den Heimweg.

Obwohl die Temperaturen langsam frösteln, geht der rhythmische Applaus in Zugabe-Rufe über. Also gibt es einen Nachschlag, bevor der Dankesreigen beginnt.

„Das schönste Geschenk an uns ist, dass wir wieder ein richtiges Publikum sein dürfen. Man kann etwas noch so perfekt streamen, es ist nie dasselbe, wie wenn man miteinander vor der Bühne sitzt“, sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup im Namen der Zuschauer.

Und: „mit allem was dazugehört: eine Fliege im Auge, kalte Füße und auf Dauer nicht ganz so bequeme Stühle. “ Hurra, wir lachen noch.



Service

„Don’t worry be Happy“ am 03. Juli ab 19.30 Uhr. Tickets gibt es unter www.karlsruher-theaternacht.de.

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