Barbara Rütting
Barbara Rütting ist tot. | Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Mit 92 Jahren

Schauspielerin und Autorin Barbara Rütting gestorben

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Marktheidenfeld (dpa) – Wer ihre vor Begeisterung sprühenden Vorträge erlebte, konnte ihr Alter glatt vergessen. Selbst als 90-Jährige setzte sich Barbara Rütting noch engagiert für den Tierschutz und gesunde Ernährung ein – wohlwissend um ihre große Popularität als einstiger Filmstar.

Für Jüngere ist Rütting, die in Brandenburg aufwuchs, dagegen eher Wegbereiterin der vegetarischen Ernährung in Deutschland. Den Grundstein dafür legte sie mit ihren zahllosen Koch-, Ernährungs- und Kinderbüchern. Rütting hat sich damit schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt. Am Samstag starb die Schauspielerin, Ökoaktivistin, Politikerin und Buchautorin im Alter von 92 Jahren in ihrem unterfränkischen Wohnort Marktheidenfeld.

Beim Bücherschreiben und Vortragsreisen allein beließ es Barbara Rütting aber nie; wohlwissend, dass der Weg zu mehr Tierwohl und einer gesunden Ernährung auch entsprechender gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen bedarf, engagierte sie sich bis ins hohe Alter parteipolitisch – erst bei den Grünen, für die sie sechs Jahre im bayerischen Landtag saß, und zuletzt bei der V-Partei3 (V-Partei). Für die hatte sie 2017 sogar – wenn auch erfolglos – für die Bundestagswahl kandidiert; sie war die älteste Kandidatin.

«Mit dem Tode Barbara Rüttings ist eine Politikerin von uns gegangen, die sich mit großem Engagement insbesondere für die Themen Tier- und Umweltschutz eingesetzt hat», würdigte sie Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete sie als «eine engagierte Politikerin, die sich mit großer Kraft für ihre Überzeugungen eingesetzt hat. Besonders für den Schutz unserer Natur und der Tiere war sie eine hartnäckige Vorkämpferin.»

Eine besonders emotionale Würdigung verfassten Politiker von den Grünen. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, die Landesvorsitzenden Eike Hallitzky und Eva Lettenbauer sowie die Vorsitzenden der bayerischen Landtagsfraktion Ludwig Hartmann und Katharina Schulze schrieben: «Alles, was sie anpackte, tat sie mit vollem Herzen und tiefster Entschlossenheit.» Rütting sei eine konsequente Idealistin gewesen. «Ihr Engagement war uns Vorbild und Ansporn. Jemand wie sie trifft man kein zweites Mal.»

Auch wenn sie mit ihrer Bobfrisur und ihrem Lächeln stets große Sympathie versprühte, in der Sache konnte Barbara Rütting mitunter knallhart sein. Einige sahen in Rüttings Eigensinn, den ihr immer mal wieder Widersacher und Spötter vorwarfen, eine tief verwurzelte Überzeugung. Und die gipfelte dann auch schon mal in Sätzen, wie «Ich hoffe, dass ich mit der Aktion zur Erkenntnis beigetragen habe, dass der Satz ‚Du sollst nicht töten!‘ auch für Tiere gelten sollte». Ihr Engagement bis ins hohe Alter rechtfertigte sie mit dem Standardsatz «Weil es getan werden muss».

Einmal zur Wegbereiterin der vegetarischen Ernährung in Deutschland zu werden, war im Lebensweg von Rütting freilich nicht gerade vorgezeichnet. Denn als junge Frau entschied sich Rütting zunächst für die Schauspielerei – und machte bald als gefeierter Filmstar Karriere.

Insgesamt spielte sie in 45 Kino- und Fernsehfilmen mit. In Brandenburg aufgewachsen, schaffte sie 1951 mit ihrem Debüt in dem Streifen «Postlagernd Turteltaube» den Durchbruch. Legendär ist ihre Rolle als «Geierwally» in dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1956. Auch auf vielen Bühnen bewies sie ihr Talent, bevor sie 1984 mit der Schauspielerei aufhörte.

Bei der Berliner CCC-Filmgesellschaft unter Vertrag stand sie neben Ruth Leuwerik und Maria Schell in den 1950er Jahren für ein Rollenbild der Frau, die sich behutsam in Richtung weiblicher Selbstbehauptung zu wandeln begann. Wie sie später ihr früheres Schauspielerleben sah, beschreibt sie in ihrer 2015 erschienen Autobiografie mit dem Titel «Durchs Leben getobt».

Fragte man sie nach ihren Filmen, gab sich die sonst so eloquente Aktivistin eher wortkarg. Klar habe sie Videos ihrer Filme im Regal stehen. «Ich habe mir aber noch keine angesehen. Ich komme nicht dazu. Dazu lebe ich viel zu sehr in der Gegenwart. Vielleicht schaue ich sie mir mal an, wenn ich alt bin», bekannte sie noch anlässlich ihres 90. Geburtstags.

Auch wenn sie im Jahr 2000 noch einmal in einem Rosamunde-Pilcher-Film auftrat – faktisch beendete Rütting ihre Filmkarriere im Jahr 1984; damals ließ sie sich zur Gesundheitsberaterin ausbilden. Diese Lebensphase war allerdings von einem stetigen Auf und Ab geprägt. So scheiterten ihre Pläne für den Aufbau einer Ökosiedlung in Österreich. Großen Erfolg hatte sie dagegen mit ihren Gesundheitsratgebern und Kochbüchern mit Rezepten für eine Vollwertküche.

Für sie selbst als enttäuschend erwies sich wiederum Rüttings sechsjähriger Ausflug in die bayerische Landespolitik. 2009 legte sie ihr Mandat nieder, nachdem sie feststellte: «Da habe ich nichts erreichen können». Ihre politischen Hoffnungen setzte sie zuletzt auf die Vegetarierpartei V-Partei.