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„Unesco Creative City“

Selfietauglich: Karlsruher Ausstellung „Seasons of Media Arts“ präsentiert Kunst im Alltag

Ungewohnte Hingucker verspricht das Medienkunst-Festival „Seasons of Media Arts“. Mit Installationen im öffentlichen Raum will die Stadt ihren Titel als „Unesco Creative City“ mit Leben füllen.

Das Smartphone als Spiegel: Die Skulptur „Obsolete Presence“ von Aram Bartholl im Teich des Karlsruher Schlossgartens ist Teil des Medienkunstfestivals "Seasons of Media Arts“ und hat gute Voraussetzungen, ein gefragtes Selfie-Motiv zu werden. Foto: Elias Siebert

Von unsererm Mitarbeiter Chris Gerbing

Eine überdimensional große Hand ragt, ein Smartphone nach oben haltend, aus dem Schlossgartensee – letztes Lebenszeichen eines Ertrinkenden? Ende einer Suche nach der Position fürs optimale Foto? Nein, es handelt sich um ein Werk des Künstlers Aram Bartholl, der damit auf die Merkwürdigkeiten der Selfie-Kultur, die Selbstbespiegelung in den Sozialen Medien und die Omnipräsenz des Handys in unserer Gesellschaft hinweist.

Zugleich ist seine Arbeit ein Entrée ins Digitale und verweist auf einen Umstand, der sich auch in Karlsruhe bemerkbar macht: In Pandemie-Zeiten verzeichnen Museen deutlich weniger Besucher. Darauf haben die Stadt Karlsruhe und das ZKM mit der gemeinschaftlich organisierten Ausstellung „Seasons of Media Arts“ reagiert, mit der sich bis Jahresende Medienkunst in Etappen im öffentlichen Außenraum erleben lässt.

Dies gehört zur Umsetzung des Aktionsplans, um den im vergangenen Herbst errungenen Titel Karlsruhes als deutschlandweit einzige „Unesco Creative City of Media Arts“ mit Leben zu füllen.

Lichtkunst als Ruhepol am Bahnhof

Die „Seasons of Media Arts“ sollen der Bevölkerung Medienkunst im Alltag nahebringen – im Wortsinn, wenn Jonas Denzel von seinem „Beam Bike“ aus wechselnde urbane Orte mit Projektionen bespielt. Bereits im Hauptbahnhof werden Reisende mit Medienkunst empfangen: In der Unterführung am Aufgang zu Gleis 3 ersetzt eine Arbeit von Betty Rieckmann die Abfahrtspläne. Neben den lauten Werbetafeln ist ihr in zarten Pastellfarben changierendes Lichtobjekt ein Ruhepol.

Ihr Beitrag, wie auch die Arbeiten der insgesamt 20 Künstler, lassen sich über die browserbasierte App UrbanExplorAR von Christian Lölkes im realen wie im digitalen Raum ansteuern. Ebenfalls vorab informieren kann man sich über die Webseite cityofmediaarts.de, auf deren Übersichtsplan auch vermerkt ist, wann welche Werke zu sehen sind.

So wird Walter Giers‘ „Funkelnder Kubus“ am ZKM-Kubus, die Rekonstruktion einer Arbeit aus den 1990er Jahren, erst ab Mitte November zu sehen sein.

Und die Arbeit des Künstlerkollektivs PONG.Li lädt ab dem 30. November zum Mitmachen ein: Auf einer Fassade am Stephanplatz können sich Spieler zur virtuellen Aktion „Saving Water“ zusammenschließen, um gemeinsam eine Bewässerungsmaschine zu reparieren.

Internationale und regionale Beiträge

Die Ausstellung bietet sowohl Arbeiten von international renommierten Medienkünstlern, die sich auf Einladung des ZKM beteiligen, als auch regionale Beiträge: Die Stadt Karlsruhe hatte einen mit 100.000 Euro dotierten Wettbewerb ausgeschrieben.

Reflektion zwischen Technik und Natur: Die audiovisuelle Lichtskulptur „OSC-K“ von Ulf Langheinrich in der Karlsruher Günther-Klotz-Anlage ist ein Beitrag zum Medienkunstfestival „Seasons of Media Arts“. Foto: Elias Siebert

Aus 60 Einsendungen wurden zwölf Projekte ausgewählt, die das hohe künstlerische Niveau dokumentieren, das in Karlsruhe als Stadt der Medienkunst vorhanden ist. „Fanden die Seasons of Media Arts 2019 parallel zu den Schlosslichtspielen statt, so haben wir uns dieses Jahr für eine Staffelübergabe von den diesmal virtuell gebotenen Schlosslichtspielen zurück in den realen Raum entschieden“, so Kulturamtsleiterin Susanne Asche.

Medienkunst ist Teil unserer Stadt.
Susanne Asche, Kulturamtsleiterin

Weiter führt sie aus: „Medienkunst ist Teil unserer Stadt. Die Ausstellung hat jetzt schon zu neuen Allianzen geführt und trägt Kunst auch in Stadtteile, in denen sie nicht alltäglich ist.“

Wir haben durchaus auch Werke ausgewählt, die Selfie-tauglich sind.
Peter Weibel, ZKM-Vorstand

ZKM-Vorstand Peter Weibel, der das Projekt mitverantwortet, ergänzt: „Wir bieten Medienkunst für die Bevölkerung.“ Bei der Pressekonferenz zum Programm erklärt er augenzwinkernd: „Wir haben durchaus auch Werke ausgewählt, die Selfie-tauglich sind“ - die eingangs erwähnte Skulptur im Schlossgartenteich ist ein augenfälliges Beispiel.

Unter anderem Arbeiten finden sich auch Arbeiten auf der „Via Triumphalis“ (Karl-Friedrich-Straße), im Zoo, auf dem Werderplatz, in Oberreut und auf dem Turmberg, wobei ein Teil erst sukzessive während der Laufzeit installiert werden wird.

Video, Sound und Licht, Projektionen und künstlerische Interventionen zeigen die Vielfältigkeit der Medienkunst und bieten einen niederschwelligen, oft spielerischen Zugang zu Themen unserer Zeit. In der Kinemathek wird im Rahmen der Ausstellung ein „Medienkunstkonzert“ des seit neuestem dort beheimateten Jazzclubs stattfinden (Datum wird noch bekannt gegeben).

Visuelle Untermalung hierzu gibt es von der „PhonoLuxMaschine“, einer großflächigen Filmprojektion, die ab sofort nicht nur den Vorraum des Kinos bespielt, sondern auch den Vorplatz, und damit einen Übergang zum Außenraum schafft.

Service

Führungen per Rad zu den Kunstwerken finden bis 27. Oktober wöchentlich dienstags um 18 Uhr statt, vom 5. bis 26. November donnerstags um 16 Uhr.

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