Die Filmszene aus "Tatort: Inferno" zeigt Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel, l). Im Hintergrund: Peter Faber (Jörg Hartmann, l-r), Martina Bönisch (Anna Schudt) und Jan Pawlak (Rick Okon). | Foto: WDR/ Thomas Kost

Ermittler an seinen Grenzen

„Tatort“ im Check: „Inferno“ in Dortmund

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Hektischer Klinik-Alltag. Gestresstes Pflegepersonal und überarbeitete Ärzte hetzen durch die Flure – und mittendrin eine Leiche.

Von Yuriko Wahl-Immel

Es ist eine von ihnen, eine Kollegin, Internistin in der Notaufnahme des Dortmunder Krankenhauses. Nur in Unterwäsche, Plastiktüte über dem Kopf, liegt sie da in einem Ruheraum. Das Dortmunder Vierer-Team um die Hauptkommissare Martina Bönisch (Anna Schudt) und Peter Faber (Jörg Hartmann) ermittelt in der „Tatort“-Folge „Inferno“ am Sonntag (14. April, 20.15 Uhr) in beklemmender Umgebung, in einer notorisch unterbesetzten Abteilung – und kämpft wieder einmal auch mit sich selbst.

Psycho-Duell zwischen Ermittler und Chefarzt

Besonders stark in den Fokus rückt diesmal der depressive und häufig zynische Kommissar Faber. Der Verlust von Frau und Tochter quält ihn aktuell wieder stark, ständige Alpträume rauben ihm den Schlaf. Er sieht seine getöteten Lieben vor sich stehen, hört die Stimme des Kindes: „Hey Papa, wo bist du, wir warten schon so lange auf dich.“ Bevor die Erittlungsarbeit beginnt, ist Faber schon ein Wrack – und erweist sich im Laufe der Story mehr denn je als ein Mann der Extreme: Faber, das Ekel, Faber, der Derbe, die Nervensäge, der Verletzliche, der Unverschämte, der Aggressive, der Zerrissene, aber auch der Typ mit weichem Herz und Mitgefühl. Alles großartig gespielt von Jörg Hartmann.

Im Zuge der Ermittlungen liefern sich Faber und der Chefarzt Andreas Norstädter (Alex Brendemühl) eine Art Psycho-Duell. Der Mediziner stellt sich vor seine Leute und fordert den Kommissar zugleich heraus: „Was diese Station betrifft, da ist einer für den anderen da. Ist das bei Ihnen nicht so?“ Die deutliche Antwort von Faber: „Das geht Sie einen Scheiß an.“ Der Kommissar ist irritiert, weil der smarte Arzt ihm sofort auf den Kopf zusagt, dass er Antidepressiva nimmt, nicht schläft, nicht richtig ins Leben findet.

Das geht Sie einen Scheiß an.

Kommissar Faber will mit Chefarzt Norstädter nicht über seine Probleme sprechen.

Bei der Suche nach dem Mörder fällt der Ehemann der Toten als unangenehme, zwielichtige Figur auf, vorbestraft wegen Körperverletzung. Die ermordete Internistin hatte einen Sack voller Probleme, wie sich nach und nach zeigt. Und ihr Chef Norstädter hütet ein besonderes Geheimnis. Einer, der diesem auf die Spur kommt, ist Pfleger Peter Norén (Niklas Kohrt) – schon bald ein toter Mann. In seiner Wohnung finden die Kommissare Jan Pawlak (Rick Okon) und Nora Dalay (Aylin Tezel) brisante Dokumente.

Faber begibt sich in extreme Gefahr, tut Dinge, die auch Kommissare niemals tun sollten – und so endet die spannende Episode „Inferno“ dramatisch. Der anstehende Ausstieg von Aylin Tezel aus der „Tatort“-Reihe deutet sich schon ein bisschen an. Sie will sich neuen künstlerischen Herausforderungen stellen, wie sie kürzlich zusammen mit dem WDR angekündigte.

Beschwerde aus dem Ruhrgebiet

Und was wird wohl der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau am Sonntagabend sagen? Über die vorherige Folge „Zorn“ hatte sich der OB heftig beschwert beim WDR-Intendanten Tom Buhrow. Seine Stadt und das Ruhrgebiet seien klischeehaft negativ dargestellt worden, beklagte der SPD-Politiker im Januar in einem Brief, der hohe Wellen schlug. Bevor sich Sierau wieder beruhigte, sagte er noch, den Dortmunder „Tatort“ könne man ruhig einstellen. „Inferno“ dürfte ihn überraschen.

Der „Tatort“ „Inferno“ läuft am Sonntag, 14. April, um 20.15 Uhr im Ersten und im Anschluss um 22.00 Uhr in One. Zudem ist die Sendung später in der Mediathek der ARD verfügbar.