Eine markante Stimme ist verstummt. Doch Edo Zanki war auch als Förderer vieler Musiker aus der Region eine Ausnahmeerscheinung. | Foto: Reznicek

Trauer in der Musikszene

Edo Zankis Tod reißt große Lücke

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Der Tod des Musikers und Produzenten Edo Zanki hinterlässt auch in der regionalen Musikszene eine große Lücke. Der stimmgewaltige Sänger war am Sonntag nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Neben seiner eigenen Karriere mit seiner markanten Soulstimme wirkte Edo Zanki als Produzent. In dem von ihm und seinem Bruder Vilko betriebenen Studio „Kangaroo Digital Audio“ in seinem Wohnort Karlsdorf nahmen viele Größen der Musikszene auf. Vor allem aber diente Zanki vielen anderen Musikern in der Region als Wegbereiter und Ermöglicher.

„Edo war ein Networker im besten Sinn“, beschreibt es die Karlsruher Sängerin Sandie Wollasch, die bei vielen Projekten mit Zanki zusammengearbeitet hat. „Er war mein Mentor und hat mir sehr viele Türen geöffnet. Edo hatte ein unglaubliches Gespür dafür, die richtigen Leute zusammenzubringen.“

Bescheiden im Hintergrund

Das galt nicht nur für sein Studio, in dem Musiker, Songwriter, Produzenten und Toningenieure aus der obersten Liga der deutschen Pop-, Rock- und Soul-Szene erfolgreich tätig waren, sondern auch für Live-Ereignisse: „Er selbst hat sich dabei immer zurückgenommen und genossen, was da entstanden ist“, so Wollasch. „Oft stand er einfach im Hintergrund, mit einem Strahlen im Gesicht.“

„Einer unserer Besten“

Das galt unter anderem für die Konzertreihe „Edo Zanki präsentiert…“, mit der er dem Kammertheater Karlsruhe über zehn Jahre hinweg unvergessliche Abende bescherte. Hier waren Größen wie Julia Neigel oder Pe Werner zu erleben. „Er war einer unserer Besten. Ich bin so traurig und mein Herz schmerzt so sehr, dass ich es nicht in Worte fassen kann“, schrieb Julia Neigel auf Facebook.

„Künstler waren seine Familie“

Bernd Gnann, Geschäftsführer des Theaters, betont: „Das Kammertheater hat Edo Zanki viel zu verdanken. Er hat hier mit dieser Reihe ein komplett neues Angebot geschaffen und fast alle der knapp 50 Abende waren ausverkauft.“ Das Verhältnis untereinander sei von großem Vertrauen geprägt gewesen. „Die Künstler waren seine Familie, und wir hoffen, dass diese Familie in seinem Geist weiterwirkt.“  Als nächster Termin in dieser Reihe ist für den 14. Oktober ein Konzert von Christina Lux angesetzt. Mit dieser Sängerin hatte einst alles begonnen, berichtet Gnann: „Ich war im Radio auf sie aufmerksam geworden, und sie war es, die mir den Tipp gab, mal Edo Zanki anzurufen. Das war der Grundstein für alles, was dann folgte.“

Benefizreihe im Kammertheater

Oft brachte Zanki Künstler zusammen, die ein Programm speziell für einen Abend machten, beispielsweise bei seiner Benefizreihe „Playing for Hope“. Am 11. November hätte diese Aktion zum sechsten Mal stattfinden sollen. Das Kammertheater war für ihn „ein ungewöhnlich schöner Ort mit wirklich interessierten Menschen, die sich nicht alle zwei Minuten eine Latte macchiato aufschäumen lassen, während Du eine Ballade mit Herzblut singst“, sagte Zanki einmal.

„Ein Ritterschlag“

Einer derjenigen, denen Zanki den Weg ins Musikgeschäft ermöglicht hatte, war der in Jockgrim lebende  Schlagzeuger Tommy Baldu, der seit etlichen Jahren selbst eine überregionale Größe ist. „Als 16-Jähriger habe ich seine Platten bewundert und mich gefragt, ob ich ihn wohl jemals kennenlernen werde. Mit ihm später in einer Band zu spielen, war ein Ritterschlag“, erinnert sich Baldu.

Ausnahme in harter Branche

Zanki sei eine Ausnahmeerscheinung im Musikgeschäft gewesen: „Als 20-jähriger wurde ich zu ihm ins Studio eingeladen und habe die Aufnahme total in den Sand gesetzt. Trotzdem hat er mich noch mal eingeladen – und die Aufnahme dann war für mich der Schritt vom Amateur zum Profi. Eine solche zweite Chance bekommt man in dieser harten Branche sonst nie.

„Türöffner bis zuletzt“

Die Musik war Zanki immer wichtiger als der Erfolg. „Edo war jemand, der einen immer ermutigt hat, seinem eigenen Geschmack zu folgen. Und er war bis zuletzt ein Türöffner für junge Musiker“, sagt Baldu. „Was er alles bewegt hat und wie viele Menschen er inspiriert hat, merkt man erst jetzt so richtig, wo er fehlt.“