Tom Schilling (links) und Sebastian Koch flankieren Florian Henckel von Donnersmarck bei ihrem Besuch der Karlsruher Schauburg. | Foto: Artis

Von Donnersmarck in Karlsruhe

Bloß kein Mittelmaß

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Bloß kein Mittelmaß. Gefragt, was er denn Menschen empfehle, die selbst mal im Filmgewerbe tätig sein wollen, erklärt Florian Henckel von Donnersmarck, „wenn man etwas Außergewöhnliches schaffen will“, sei es enorm wichtig, „dass man nichts Gewöhnliches an sich ran lässt.“

Deshalb habe er sich auch durchweg Jurys verweigert. Und als er dann einmal in Peking doch mitmachen und sogar unterschreiben musste, dass er sich die vorgestellten Filme von Anfang bis Ende ansieht, da habe er die Augen zugemacht und sich die Finger in die Ohren gestopft, „um ja nicht infiziert werden von Mittelmäßigkeit.“ Will sagen: Meister brauchen Meisterliches.

Wie ein Meister empfangen

Wie ein Meister wurde der Regisseur am Sonntag in der Karlsruher Schauburg empfangen. Dort trat er nach einer Vorführung seiner jüngsten Produktion „Werk ohne Autor“ zusammen mit den beiden Hauptdarstellern Tom Schilling und Sebastian Koch auf, um Auskunft zu geben über seinen dritten Spielfilm und sich Fragen aus dem Publikum zu stellen, das die drei mit Applaus und Standing Ovations empfing.

Eine Frage des Herzens

Dem Regisseur, der für seinen Film „Das Leben der Anderen“ (2010) mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, geht es in „Werk ohne Autor“ um eine dramatische Geschichte, in der Täter und Opfer unter einem Dach leben, eine Überhöhung der „Trockenheit und Nüchternheit“ des gewöhnlichen Daseins, denn, so Henckel von Donnersmarck: „Das ist das Tragische am Leben, dass es nicht so spannend ist wie das Kino.“ Wobei für ihn letztlich alles eine Frage des Herzens und der Liebe ist – beides gern wiederholte Begriffe bei seinem Karlsruher Gastspiel.

Im Rennen um den Auslands-Oscar

Er habe sich nicht von dieser seiner Ansicht nach typisch deutschen „Angst vor ironiefreier Emotion“ zügeln lassen wollen, ihm sei „die Suche nach dem ganz wahren und letzten Gefühl“ wichtig gewesen bei seinem Film, mit dem Deutschland in das nächste Rennen um den Auslands-Oscar geht. Der Zuspruch, den er und seine beiden Begleiter in der Karlsruher Schauburg  gefiel Florian Henckel von Donnersmarck offensichtlich, denn am Ende seiner Ausführungen meinte er an die Zuschauer gewandt: „Ich freue mich, dass das bei Ihnen richtig angekommen ist.“

Mehr zum Thema in der BNN-Ausgabe vom 16. Oktober 2018.