Riesige Freude herrschte am Ende der Oscar-Verleihung beim Team des südkoreanischen Films "Parasite" um Regisseur Bong-Joon ho (Mitte).
Riesige Freude herrschte am Ende der Oscar-Verleihung beim Team des südkoreanischen Films "Parasite" um Regisseur Bong-Joon ho (Mitte). | Foto: AFP

Kultur

Was den Oscar-Erfolg von „Parasite“ so besonders macht

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„Ein Meisterwerk“ – seit der neue Oscar-Gewinner „Parasite“ vor rund neun Monaten beim Filmfestival in Cannes Premiere feierte, kam kaum eine Äußerung über diesen Film ohne dieses Lob aus. War es also nur logisch, dass der bitteren Gesellschaftssatire nach mehreren hohen Auszeichnungen nun auch noch das historische Verdienst zukam, als erstes nicht-englischsprachiger Film die wichtigste Kategorie des berühmtesten Filmpreises zu gewinnen?

Nicht unbedingt. Die Konkurrenz war durchaus gewichtig. Sie reichte vom großen Mafia-Epos des Altmeisters Martin Scorsese („The Irishman“) und die Hollywood-Hommage des stets eigenwilligen Quentin Tarantino („Once Upon a Time… in Hollywood“) über das kameratechnisch überwältigende Weltkriegsdrama des Briten Sam Mendes („1917“) bis zu den neuen, frischen Ansätzen von Greta Gerwigs Frauenfilm „Little Women“.

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„Parasite“ hebt sich von der hochkarätigen Konkurrenz ab

So hochkarätig war die Auswahl nicht immer. Um so größer ist der Triumph für „Parasite“ einzustufen. Denn auch der Oscar für den „besten Film“ ist ja keine kontextfreie Auszeichnung für ein einzelnes Werk. Vielmehr hebt er dieses eine Werk aus einem bestehenden Angebot hervor.

Betrachtet man dieses Angebot, dann lässt sich die Preisvergabe wie folgt deuten: Hollywood hat sich als Referenzgröße im Filmgeschäft allen medialen Umwälzungen zum Trotz keineswegs aufgegeben. Der Siegeszug der Streamingdienste, der nach den drei Oscars für die Netflix-Produktion „Roma“ 2019 erwartet worden war, wurde ausgebremst.

Hollywood zeigt Stärke…

Und: Die zehn Nominierten für den Hauptpreis haben nicht nur viel Lob, sondern auch viel Publikum erreicht. In jüngerer Vergangenheit hingegen durften mitunter auch kleine Independent-Produktionen die Reihe der zehn Kandidaten für den besten Film auffüllen.

… und öffnet sich

Dennoch hat die Traumfabrik offenkundig erkannt, dass die (Film-)Welt reicher und vielfältiger ist als das, was die Konventionen des westlichen Kulturkreises hergeben. Nicht zuletzt erteilen die vier Oscars für „Parasite“ dem Trump-Dogma „America First“ eine klare Absage. Ohne dass der in Hollywood nur wenig geschätzte Präsident hier überhaupt genannt werden musste.

Der deutsche Verleih Koch Films hat angekündigt, „Parasite“ an diesem Donnerstag, 13. Februar, in einer Schwarzweißfassung erneut in die Kinos zu bringen. Die bislang übliche Kinofassung ist am Sonntag, 16. Februar, ab 19 Uhr in der Kinemathek Karlsruhe zu sehen.