Der New Yorker José James weiß, was Glück bedeutet. Zum Beispiel die zeitlosen Hits der R&B-Legende Bill Withers auf der Bühne neu zu interpretieren. Foto: Peter Bastian

José James beim Zeltival

Wenn die Welt in Ordnung ist

Anzeige

Am Mittwoch einen schwierigen Tag gehabt? Und sich am Abend doch noch zum Zeltival im Tollhaus geschleppt, weil es hieß, dort werde eine „Jahrhundertstimme“ zu hören sein? Perfekt!

Als nach 90 Minuten José James, lässig leicht über die Bühne schlendernd, Bill Withers’ Wohlfühl-Evergreen „Lovely Day“ einstimmt und von Marcus Machados Gitarre groovige Riffs ins Publikum losperlen, dürften noch beim letzten Konzertbesucher Frust und Müdigkeit verflogen sein.

„Then I Look At You and the World’s Alright With Me“, heißt es im 1977er R&B-Klassiker der US-Musiklegende Withers. „Lovely Day, Lovely Day”, fällt mit ihrer kräftigen, dunklen Stimme die großartige Bassgitarristin Aneesa Almusawwir im Refrain ein. Der rhythmische Sound reißt das Publikum mit. In diesem Augenblick ist im Karlsruher Tollhaus die Welt wirklich voll in Ordnung.

Wie könnte es auch anders sein. James ist eben eine sichere Bank. Kenner der Szene schätzen den 40-Jährigen mit samtweicher Stimme und dem Äußeren des jungen Lenny Kravitz als einen kreativen Grenzgänger zwischen Jazz, Funk, Soul und Hip Hop. Und auch der dreimalige Grammy-Gewinner Bill Withers (81) zählt zu den Großen der Musikwelt.

Es ist kein Zufall, dass James’ aktuelles Album und seine Tour nach Withers’ Soul-Hit „Lean On Me“ (1972) benannt sind. „Ich kann mich nicht erinnern, Bill jemals nicht gehört zu haben, als ich aufwuchs. Irgendwo spielten immer seine Songs, sie sind der Stoff amerikanischer Musik, aus dem die schwarze Kultur besteht“, erklärte einmal in einem Interview der New Yorker Jazzgitarist die enge Verbindung zu seinem Idol.

Es ist also logisch, dass das zweite Zeltival-Konzert von José James als Tribut für Withers mit dem berühmten Song „Ain’t No Sunshine“ beginnt, die Band ganz entspannt, aber zunächst mit angezogener Handbremse. Im Laufe dieses Abends wird sich die Energie auf der Bühne aber noch gewaltig steigern, werden die Songs zielsicher wie Feuerwerksraketen zünden, werden die Zuhörer vom angedeuteten Wippen zum ausgelassenen Tanzen wechseln.

Nach Withers-Hits wie „Who Is He“ oder „Just the Two Of Us“ wird klar, dass James’ enorme Wandlungsfähigkeit und die starke Bühnenpräsenz kongenial von seinen Bandmitgliedern ergänzt werden, die mit funkensprühenden Soli glänzen. Das harmonische Quartett liefert einen so vollen Sound, dass es sich anhört, als würde ein Musiker mehr auf der Bühne stehen.

„Das Wichtigste ist gute Laune“, stellt James zwischendurch klar – und steigt auch mal ins Publikum herab, um die tanzende Menschenmenge anzuführen. Der coole Strahlemann zeigt seine ernste Seite, als er den Zuhörern erzählt, wie ein „mieses Interview“ ihn an der Wirkung seiner Musik zweifeln ließ. „Egal was passiert, ihr müsst an euer Talent glauben“, sagt der Amerikaner. „Es zählt nur, was in euren Herzen ist. Und irgendwann wird jeder seinen Platz in der Welt finden.“ Nach der musikalischen Gutelaune-Seelenmassage erscheint dies als keine unlösbare Aufgabe.