In einem Zoo in Wellington wollte ein bekiffter Mann ein Äffchen entführen. Er hatte jedoch keinen Erfolg. (Foto aus dem Zoo Karlsruhe) | Foto: jodo

Entführung vereitelt

Neuseeland: Totenkopfäffchen verprügeln bekifften Einbrecher

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Totenkopfäffchen sind spätestens mit Pippi Langstrumpfs kleinem Begleiter „Herr Nilsson“ weltweit bekannt und beliebt geworden. Die kleinen Äffchen mit den großen Kulleraugen lassen reihenweise Herzen schmelzen. Das dürfte auch das Ziel eines 23-Jährigen in Neuseeland gewesen sein. Dieser fasste im April den Entschluss, ein Totenkopfäffchen aus einem Zoo in Wellington für seine Freundin zu entführen – und scheiterte kläglich, wie die Berliner Zeitung berichtete. Obwohl der Entführungsversuch jedoch erfolglos blieb, nahm die Geschichte kein gutes Ende – weder für die Äffchen noch für den zum Tatzeitpunkt stark bekifften Einbrecher.

Einbrecher war „high wie ein Flugdrachen“

Vor kurzem musste sich der vermeintliche Affen-Entführer für seine Tat vor Gericht verantworten. Dabei erklärte der Mann, er sei durch ein nicht verschlossenes Tor in den Zoo gelangt und habe sich Zutritt zum Affenhaus verschafft, indem er zwei Vorhängeschlösser knackte. Was danach geschah, daran wollte sich der Angeklagte nicht mehr erinnern können. Er beharrte jedoch darauf, dass er die Äffchen nicht gefunden habe. Nach eigenen Angaben sei er „high like a kite“, zu Deutsch: high wie ein Flugdrachen, also sehr stark bekifft, gewesen. Auch der Richter musste hier zunächst passen: „Nur Sie und die Totenkopfaffen wissen das. Sie sagen, Sie konnten die Affen dort nicht finden und ich spreche kein Totenkopfaffig“, sagte er im Zuge der Verhandlung. Trotzdem ließ sich der Tathergang letztendlich nahezu mühelos rekonstruieren.

Äffchen verprügeln vermeintlichen Entführer

Als der 23-Jährige das Affengehege ohne Beute wieder verließ, befand er sich in einem deutlich schlechteren Gesundheitszustand als zuvor: Ein gebrochenes Bein, zwei kaputte Zähne, ein verstauchter Knöchel und diverse Prellungen auf dem Rücken waren die Bilanz eines Kampfes, der sich offenbar innerhalb des Geheges abgespielt hatte. Zwar gingen die wehrhaften Totenkopfäffchen wohl als Gewinner aus der Auseinandersetzung hervor, leider jedoch nicht unbeschadet. Zwei der Affen trugen ebenfalls Verletzungen davon und insgesamt war die Gruppe am nächsten Morgen sehr verstört. Im „New Zealand Herald“ meldete sich damals eine Expertin zu Wort, die angab, die Äffchen hätten ausgesehen, als seien sie gepackt worden.

Langzeitfolgen für Einbrecher und Äffchen

Die vermeintliche Amnesie des Angeklagten ersparte ihm letztendlich jedoch nicht die Strafe: Er wurde zu zwei Jahren und sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe war mitunter deswegen so hoch, weil der Mann bereits zweifach vorbestraft war. Ein weiterer Teil der Bestrafung war zusätzlich ein Gespräch mit Repräsentanten des Zoos in Wellington, die den vermeintlichen Affendieb noch einmal eingehender darüber aufklärten, welche Folgen die Tat hätte haben können. Demnach hätte sich im Erfolgsfall nicht nur der entführte Affe in Lebensgefahr befunden, auch die nähere Umgebung wäre in Gefahr geraten. Immerhin war die Tür während des Tathergangs bis zum Morgen durchgehend offen gestanden und nur mit Glück waren keine Affen ins Freie geflüchtet. Doch nicht nur für den 23-Jährigen wird die Angelegenheit langfristige Folgen haben. Auch die Totenkopfäffchen haben den Vorfall noch nicht gänzlich verkraftet. Einer der Affen soll noch immer unter dem Stress der Tatnacht im April leiden, verlautete der Zoo in Wellington.

Tiere im Zoo in London
Ein Totenkopfäffchen auf der Waage: Trotz ihres Fliegengewichts sind die Äffchen im Gruppenverband recht wehrhaft. (Foto aus dem Londoner Zoo) | Foto: Dominic Lipinski

Totenkopfaffen auch im Karlsruher Zoo

Auch im Exotenhaus des Zoologischen Stadtkartens in Karlsruhe leben über zehn Vertreter der niedlichen Totenkopfaffen – bislang jedoch glücklicherweise unbehelligt von vermeintlichen Entführern. Tatsächlich seien die niedlichen Äffchen jedoch „derber drauf“, verriet Timo Deible, Pressesprecher des Karlsruher Zoo gegenüber den BNN. Die Totenkopfäffchen wüssten sich „sehr gut zu wehren“ und seien auch generell „nicht besonders zimperlich“. Auch Pippi Langstrumpfs tierischer Begleiter Herr Nilsson habe sich bei den Dreharbeiten damals wenig kooperativ gezeigt, weiß Deible zu berichten. Tatsächlich sei damals aus diesem Grund vermehrt mit Attrappen gearbeitet worden und das Totenkopfäffchen, das Herr Nilsson spielte, nur in wenigen Szenen wirklich zu sehen gewesen.

Bei den Karlsruher Äffchen ist es jedoch noch nicht zu Handgreiflichkeiten gekommen, denn die sind „gut an den Menschen gewöhnt“. Einzig auf die Inhalte der Hosentaschen müsse man beim Betreten des Geheges aufpassen, sagt Deible. Denn die Totenkopfäffchen sind geschickte Langfinger – ganz im Gegensatz zum Einbrecher aus Neuseeland.