Wie entstehen Blitz und Donner, und wie lässt sich das Wetter vorhersagen? Die Antworten der Experten gibt es hier. | Foto: Tanja Rastätter

Antworten zur Leser-Aktion

Wetterprognosen sind ein vielstimmiger Chor

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Fragen zum Wetter haben wir von unseren Lesern erbeten – und zahlreich erhalten. Für die Antworten sind zwei Experten zuständig, die den BNN-Lesern durch zahlreiche Beiträge seit Jahren bekannt sind. Dominik Jung arbeitet beim Wiesbadener Wetterdienstleister q.met, von dem die BNN den täglichen Wetterbericht beziehen. Jungs Meteorologen-Kollege Bernhard Mühr arbeitet am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und ist öfters als „Wetterprophet“ für Sportveranstaltungen tätig. Hier sind die Leserfragen und Expertenantworten.

Früher wurde im Sommer immer auf die Ozongefahr hingewiesen. Und jetzt wird der Ozon nicht einmal mehr erwähnt. Warum?

Jung: Das Thema bodennahes Ozon, und nur darum ging es bei den vielen Ozonwarnungen, hat sich etwas reduziert. Es ist einfach nicht mehr so dramatisch wie früher. Es ist aus Autoabgasen entstanden. Doch heute gibt es fast in allen Autos sehr gute Katalysatoren. Ozon ist immer noch ein Problem, das hat sich aber deutlich reduziert. Feinstaub ist dagegen mehr in den Fokus gerückt.

Wie stabil sind Wetterprognosen?

Jung: Wie gut oder schlecht Wetterprognosen sind, hat mit der chaotischen Atmosphäre zu tun. Wettermodelle geraten an ihre Grenzen, wenn die Wetterlagen sehr turbulent und wechselhaft werden. Wir können unmöglich am Vortag genau sagen, wo und wann Schauer oder Gewitter niedergehen werden. Manche Apps gaukeln genau das aber vor und tun so, als könnten sie genau den Ort bestimmen. Das ist aber falsch. Man kann am Vortag maximal sagen: Morgen kann es in dieser Region Gewitter geben, wo genau kann man aber nicht sagen. Wie gut eine Prognose ist und wie weit man noch in die Zukunft gehen kann, das hängt sehr von der Großwetterlage ab. Hat man ein stabiles Hoch, dann kann man fünf bis bis sieben Tage vorher tolle Prognosen abgeben. Ist die Wetterlage sehr wechselhaft, kann eine Prognose schon für 24 Stunden schwierig sein.

Warum wird der Stadtbereich Karlsruhe so gut wie nie von richtige Gewittern getroffen?

Jung: Das ist einfach nur Glück. Das hat auch nichts mit angeblichen Wetterscheiden zu tun. Die Gewitter sind so gezogen, wie sie nun mal gezogen sind: meist um die Stadt herum.

Es fällt auf, dass die verschiedenen Wetterdienste ihre Basisdaten von total verschiedenen Standorten beziehen und daraus ihre Prognosen entwickeln. Warum ist das so?

Jung: Das ist seit einigen Tagen anders. Seit Ende Juli dürfen alle auf das gesamte Messnetz des Deutschen Wetterdienstes zugreifen. Allerdings gibt es daneben noch private Wetterdienste, die wiederum eigene Stationen betreiben, auf die nur sie selbst zugreifen können.

Kann eine kurzfristige Warnung vor der Gefahr von „Starkregen“ in einem vorgegebenen Bereich mit Hilfe einer optimierten Beobachtung möglich gemacht werden?

Mühr: Die präzise Vorhersage von Gewittern mit all den verbundenen Begleiterscheinungen wie Starkregen, Hagel oder Sturmböen gehört zu den größten Herausforderungen in der Wettervorhersage überhaupt – wann und wo tritt ein Gewitter mit welcher Intensität auf? Die Vorhersage gestaltet sich deshalb so schwierig, weil innerhalb von nur zehn bis 30 Minuten aus einer unscheinbaren Quellwolke ein ausgewachsenes und heftiges Gewitter heranreifen kann. Und solange das Gewitter noch nicht entstanden ist, lässt es sich nicht konkret vorhersagen. In der Tat stellen aktuelle und möglichst verständlich gehaltene Niederschlagsradarbilder oder Echtzeit-Blitzinformationen die beste Möglichkeit dar, die Intensität von Gewittern und ihren Starkniederschlagsbereichen einzuschätzen und betroffene Gebiete kurzfristig zu bewarnen.

Hat der Wetterbericht erheblich an Zuverlässigkeit verloren?

Mühr: Während früher der Deutsche Wetterdienst als mehr oder weniger einziger „Anbieter“ präsent war und es in den damals auch weniger zahlreichen Medien zu oftmals sogar im Wortlaut gleichen Wetterprognosen kam, tummeln sich heute zahlreiche Anbieter auf dem Vorhersage-Markt. Und so kommen die vielen Wetterprognosen manchmal wie ein vielstimmiger Chor daher. Trotzdem – die Qualität der Wettervorhersage hat in den vergangenen Jahrzehnten dank verbesserter Wettervorhersagemodelle und entsprechender Rechnerkapazitäten große Fortschritte gemacht.

Weniger Gewitter gab es im Raum Karlsruhe als früher – trifft das zu?

Mühr: Die Auswertung der Blitzortung der letzten 17 Jahre weist den Raum Karlsruhe jedenfalls als das Gebiet mit der durchschnittlich geringsten Blitzdichte in ganz Baden-Württemberg aus.

Wie ist das mit regionalen Unterschieden beim Niederschlag?

Mühr: Durch das recht dichte Niederschlags-Beobachtungsnetz im Land lassen sich Tatsachen herausarbeiten, wie unterschiedlich die Regensummen etwa zwischen Oberrheingraben und Schwarzwald verteilt sind. Karlsruhe misst im Jahresschnitt 770 Millimeter, in Bad Herrenalb, gerade einmal 200 Meter höher gelegen, sind es doppelt so viel.