Lebendige Leiche
Mit großem Polizeiaufgebot wurde im vergangenen Jahr nach dem vermissten Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft im Norden von Durmersheim gesucht. | Foto: Collet

Acht Jahre Haft

Lebendig begraben in Durmersheim: Urteil gefallen

Am Montagmittag (9. Juli) hat die Große Jugendkammer des Landgerichts Baden-Baden unter Vorsitz von Richter Stefan Schmid die Urteile in einem ungewöhnlichen Strafprozess verhängt. Der Fall sorgte vor einem Jahr im Raum Durmersheim für erhebliches Aufsehen: Der 29-jährige Hauptangeklagte, ein Algerier, wurde wegen gefährlicher Körperverletzung, fahrlässiger Tötung sowie schwerer räuberischer Erpressung und Erwerbs von Betäubungsmitteln zu acht Jahren Haft verurteilt.

Beim mitangeklagten 18-jährigen Deutschen, der zur Tatzeit 17 Jahre alt war, also noch Jugendlicher, musste Jugendstrafrecht angewandt werden. Gegen ihn wurde wegen gefährlicher Körperverletzung, fahrlässiger Tötung, sowie wegen Betrugs und Nötigung, weiterhin wegen zweier Beleidigungen, begangen in der Untersuchungshaft gegenüber dem Gefängnispersonal, eine Jugendstrafe von vier Jahren verhängt.

Opfer hatte keine Chance auf Überleben

Im Juni vergangenen Jahres waren zwei Männer und der 17-Jährige in den Abendstunden von der Bahnstation Mörsch querfeldein zurück nach Durmersheim unterwegs. Dabei entstand Streit zwischen den beiden Algeriern. Worum es dabei genau ging, blieb auch nach der Beweisaufnahme im Dunkeln.

Jedenfalls wurde der 44-Jährige vom Hauptangeklagten gezwungen, sich auf den Bauch zu legen, mit Kleidungsstücken geknebelt und gefesselt. Hierbei, so das Gericht, habe der damals 17-jährige Mitangeklagte freiwillig mitgemacht und sei dazu nicht gezwungen worden. Der 29-Jährige habe dann allerdings allein mit dem Griff eines Messers massiv auf den Hinterkopf des 44-Jährigen geschlagen und ihn getreten. Als dieser schließlich bewusstlos am Boden lag, habe man blindlings darauf vertraut, dass er tot sei.

Statt Hilfe zu holen wurde Grabwerkzeug gesucht

Dem war allerdings nicht so. Über Stunden suchten die Angeklagten jedoch nach Hilfsmitteln wie Schaufeln und Schubkarren, um den Körper unter der Erde verschwinden zu lassen, anstatt ihn liegenzulassen oder ärztliche Hilfe zu verständigen. Mit dieser unbegreiflichen Entscheidung habe man dem Opfer jede Chance genommen, zu überleben und es lebendig begraben, so das Gericht. Grob fahrlässig, vorhersehbar und vermeidbar habe man dadurch den Tod eines Menschen zu verantworten.

Zweiter Anklagepunkt im Drogenmilieu

Ein zweiter, weniger dramatischer Anklagepunkt spielte sich im Drogenmilieu ab. Da man vom Lieferanten nicht reell mit Cannabis versorgt wurde, wollte man daraufhin von ihm Haschisch beziehen, ohne zu bezahlen. Der Stoff wurde auch ausgehändigt. Der inzwischen 18-Jährige machte sich nach Überzeugung des Gerichts hierbei des Betrugs und der Nötigung schuldig. Im Verlauf dieses Aufeinandertreffen habe der 29-jährige Algerier jedoch eine Messerklinge gezückt und zusätzlich die Herausgabe des Geldbeutels vom Dealer mit 90 Euro Inhalt erzwungen. Deshalb wurde er in diesem Tatkomplex wegen schwerer räuberischer Erpressung auch drastischer verurteilt.

Von Franz Mors