Firma Freiberger - Produktion
In vier Produktionslinien werden bei Freiberger in Muggensturm täglich rund eine Million Pizzen und Baguette-Brötchen gefertigt, deren Beläge auf den Geschmack der Kunden im In- und Ausland abgestimmt sind. | Foto: Collet

Freiberger aus Muggensturm

Pizza-Hersteller wird 40

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Seit 1952 in Deutschland die erste Pizzeria eröffnete, ist der Siegeszug des bekanntesten italienischen Nationalgerichts ungebrochen. Eine ähnliche Erfolgsgeschichte schreibt der größte europäische Pizza-Hersteller Freiberger, der an seinem Standort Muggensturm jetzt sein 40-jähriges Bestehen feiert.
Von einem „gesunden Wachstum“ spricht Geschäftsführer Oliver Heinisch, vor allem seitdem das Unternehmen seit 1998 zum Südzucker-Konzern gehört. Seither wurden rund 100 Millionen Euro in immer neue Technologien und Entwicklungen investiert. Waren es in den Anfangsjahren in Muggensturm gerade einmal rund 40 000 Tiefkühlpizzen, die die Produktion täglich verließen, sind es heute rund eine Million Stück.

Anspruchsvolle Tiefkühlware ist gefragt

In vier Produktionslinien – zwei für Pizza, zwei für Baguette-Brötchen – arbeiten in Muggensturm rund 320 Mitarbeiter im Zwei- bis Drei-Schicht-Betrieb. Täglich verarbeiten sie 80 Tonnen Mehl und 80 000 Liter Tomatensauce – zum Vergleich: Die komplette Tomatenernte Italiens liegt bei 12 000 Tonnen. Mit den Fertigprodukten, die die Freiberger-Mitarbeiter herstellen, begegnen sie einem Trend, der sich weltweit mehr und mehr verstärkt: Die Menschen kochen immer weniger selbst. Anspruchsvolle und bezahlbare Tiefkühlware ist deshalb gefragt wie nie zuvor. Zumal die Pizza zu den Lieblingsgerichten vieler Menschen gehört; in Deutschland allen voran die Salami-Pizza.

Selbst Nutella-Pizza läuft vom Band

Firma Freiberg Piaa-Sauce
Die Tomatensauce ist in Frankreich süßer als in Deutschland. | Foto: Collet

Das Gesamtunternehmen Freiberger mit sechs Werken und acht Vertriebsbüros verfügt über 1 500 Pizza-Rezepte, 600 davon werden auch in Muggensturm verwendet. Denn die Geschmäcker sind auch bei der Pizza höchst unterschiedlich. Die Salami-Pizza lässt sich in Frankreich kaum verkaufen, dort isst man lieber Schinken, die Tomatensauce ist süßer und der Käse dicker und die Engländer wollen immer wieder Neues ausprobieren, berichtet Oliver Heinisch. Was unter anderem zu so ausgefallenen Varianten wie Nutella-Pizza führt.

Drei Faktoren sorgen für Erfolg

Um auf dem hart umkämpften Markt ganz vorn dabei zu sein – Freiberger ist bei den Stückzahlen Weltmarktführer in den Handelsmarken – müssen Kundenwünsche in aller Welt erforscht und analysiert werden. Denn das Unternehmen beliefert europaweit die Top 20 im Lebensmittelhandel und bietet seinen Kunden auch einen speziellen Service, der zum Erfolgsrezept gehört. „Wir machen für unsere Kunden Markterhebungen und Sortimentsanalysen“, schildert Geschäftsführer Heinisch das Prinzip. Welche Kunden kaufen wo ein und welchen Geschmack haben sie? Danach gibt Freiberger Empfehlungen ab, sorgt für Umsetzung und Einführung der empfohlenen Produkte. Nach 180 bis 210 Tagen gibt es dann eine Erfolgskontrolle. Von den richtigen Empfehlungen hängt es ab, ob man einen neuen Kunden gewonnen hat.

Firma Freiberger - Teig
Für eine schonende Herstellung des Pizzabodens gibt es sieben Stationen, an denen der Teig ausgerollt wird. | Foto: Collet

Zweiter Erfolgsfaktor ist die Qualität. Die Produkte müssen nicht nur geschmacklich gut und absolut einwandfrei sein; sie durchlaufen auch ein ausgeklügeltes Qualitätsmanagement. „Es gibt jährlich über 25.000 eigene Untersuchungen, hinzu kommen noch 8 400 externe Tests – beispielsweise Fleischuntersuchungen per Spurenanalytik – sowie weitere Kunden- und Lieferantenaudits . „Das, was Freiberger in der Lebensmittelsicherheit leistet, geht weit über das hinaus, was der Gesetzgeber fordert“, so Oliver Heinisch. Nicht zuletzt deshalb hat Muggensturm als alleiniges Werk eine Zulassung für den Export in die USA und nach Kanada.

Weniger Fett und Salz kommt bei Stiftung Warentest gut an

Der dritte Erfolgsfaktor sind die Innovationen. Allein in der Produktentwicklung arbeiten 30 Mitarbeiter und hier geht es nicht nur um immer wieder neue Rezepturen, sondern auch um technologische Neuerungen oder um Investitionen in den Arbeitsschutz. Unter den vielen Patenten, die bei Freiberger entwickelt wurden, gibt es beispielsweise das Patent für eine Heißpresse mit Induktionsheizung. Zu den Innovationen, die sich durchsetzen, gehört der seit über zehn Jahren langsam reduzierte Einsatz von Fett und Salz, weshalb die Freiberger Pizzen bei der Stiftung Warentest besonders gut abgeschnitten haben.

Freiberger Pizza Heinisch
Geschäftsführer Oliver Heinisch prüft eine fertige Pizza Margarita, die nicht nur den 38 Meter langen Steinbackofen durchlaufen hat, sondern auch den riesigen Spiralfroster, der auf minus 40 Grad herunterkühlt. | Foto: Collet

Um ständige Veränderungen und Innovationen, Firmenzukäufe und Wachstum finanzieren zu können, ist ein hohes Investitionsvolumen nötig. Nicht nur deshalb ist Oliver Heinisch froh, dass Freiberger zum Südzucker-Konzern gehört: „In den nächsten zehn Jahren sind Investitionen von 150 Millionen Euro geplant“, verrät der Geschäftsführer. Und obwohl Freiberger Teil eines Konzerns ist, scheint es gelungen, die mittelständischen Strukturen aus den Anfängen aufrecht zu erhalten: „Es ist besser, man redet miteinander, statt nur Mails zu schreiben.“
So können die 320 Mitarbeiter, die heute mit ihren Familien auf dem Firmengelände das 40-Jährige feiern, wohl zuversichtlich in die Zukunft schauen.