Ausverkauf beim Schuhhandel. "step by step" in Bruchsal ist nur Geschäft, das aktuell schließt. Und hier ist ein Nachfolger aus der selben Branche gefunden, der einige der Mitarbeiter übernimmt. | Foto: Thienes

Bruchsaler Händler resigniert

Leerstände – wie Wunden im Stadtbild

Sie klaffen wie Wunden im Stadtbild: Leerstände – derzeit nicht wenige in der Bruchsaler Innenstadt. Das Schuhgeschäft „step by step“ beim Pavillon ist im Ausverkauf wegen Schließung Ende Oktober, im Saalbachcenter ist keine Nachfolge für den Tierbedarfshandel gefunden. Gleiche Branche, andere Ecke: In der Wörthstraße, wo die Fenster der ehemaligen Bäckerei Clor seit Jahren verhängt sind, hat Gustav Haubensack Sohn zum 30. Juni geschlossen. Der Ausverkauf bei Nachbar „Anziba“, Anbieter hochwertiger Mode, ist gelaufen. Im ehemaligen Blumengeschäft in der Martin-Luther-Straße neben Laib & Leben duftet es nur noch nach Farbe. Es wird renoviert. Und die Kaiserpassage bleibt leidiges Thema.

Nicht mehr Leerstände als sonst

Nicht mehr Leerstände als sonst verzeichnet Birgit Welge, Wirtschaftsförderin der Stadt. Sie muss es wissen. Und doch zeichnen die dunklen Schaufenster in der Innenstadt ein trauriges Bild zum Ärger des Handels. Hinzu gesellt sich spürbare Resignation. Nicht wahr ist indessen, dass das Musikhaus Brunner schließt. Ein Gerücht, versichert der Inhaber und sagt: „Ich bin und bleibe da, auch wenn viel Idealismus dazu gehört.“

Man muss um so
Vieles besser sein als
das Internet

„Die Textilbranche ist kaputt“, sagt Dinko Sic, Mitinhaber von Anziba neben Jürgen Reindl. Während Sic dank Gesprächen mit eigenen Kunden zur Vermittlung des gegenüberliegenden Geschäfts an Bio-Metzger Bohn beitragen konnte, empfindet man bei  Metzger Ziegelmeyer an der Wörthstraße den Anblick der ewig verhangener Fenster als wenig geschäftsförderlich, eher wie Wunden im Stadtbild.

Es liege nicht nur am Online-Handel, da ist sich Sic mit Anke Mäkeler einig, Geschäftsleiterin des Filialisten „step by step“, die das für den Schuhhandel ähnlich sieht. „Man muss einfach um so Vieles besser sein als das Internet“, bekomme sie oft von großen Händlern zu hören, sagt Welge. Die Beratung müsse sich positiv abheben, Kaffee oder Schampus zur Anprobe seien gängig, gute Wäscheberatung für reifere Frauen unersetzbar – aber nur das echte Verkaufserlebnis punkte, so Welge.

Die Textilbranche ist kaputt

Dem hält Sic entgegen: „Wir haben fünf Jahre lang investiert, ins Geschäft selbst, Kaffee und Kuchen geboten und müssen nach 13 Jahren trotzdem schließen.“ Anziba war zuvor an der Kaiserstraße. Resigniert zuckt Sic die Achseln. Er und Mitinhaber Reindl lassen sich nicht mehr treiben vom Textilkarusell, das Winterware im Altweibersommer liefere und Sommerware im Februar, wenn Kunden ans Skifahren dächten, nicht an kurze Röcke. Das treibe die Händler in verfrühte und nutzlose Sales, also Prozentschlachten, Aus- und Schlussverkäufe. Denn Lieferantenforderungen mit wenigen Wochen Zahlungsziel erzwingen schnelle Umsätze.

Drei Schließungen: In der Wörthstraße ist die Bäckerei Clor seit Jahren und der Zoohandel Haubensack seit 30. Juni geschlossen. Nun geht auch Anziba.                          Foto: Thienes

Fußgängerzonen sind überall gleich

Dass die Steuern örtlicher Händler in der Kommune bleiben, hiesigen Theatern, Kindergärten oder Bädern zugute kommen – das interessiere viele Verbraucher nicht, glaubt Sic. Verbraucher bemerkten den Verlust erst, wenn die schiere Masse der Großen, die Klasse der Kleinen verdrängt habe und die Fußgängerzonen sich weltweit gleichen. „Das ist ja schon so.“ Denn nur die globalen Ketten können die Mieten in den besten Lagen zahlen. Zur Wettbewerbsverzerrung trage bei, dass Webshops Sonntagskäufern Prozente offerieren, der lokale Handel aber nicht mal öffnen darf.

Vermittlung gewerblicher Immobilien ist nicht einfach

Anke Mäkeler freut sich zwar, eine Nachfolge fürs „step by step“ aus derselben Branche gefunden zu haben, die auch einige Mitarbeiter übernimmt. Welge andererseits kennt die Probleme bei der Vermittlung: Ladengröße, Lage oder Mietpreis müssten stimmen. Erbengemeinschaften wollen sich erst einmal einigen, bei Abstandszahlungen und Mieten existierten bei den Vermietern oft unrealistische Vorstellungen. Wenn es dann mal binnen zwei Wochen und also ganz flott klappe, wie bei Brautmoden „Akzente in Weiß“, umgezogen von der Stirum- in die Wörthstraße sei das schon richtig erfreulich.