Der Tod will „Ente“ holen, aber sie macht‘s ihm nicht leicht. Mit Humor setzt das Theater der Stadt Aalen beim Festival das Thema kindgerecht um.
Der Tod will „Ente“ holen, aber sie macht‘s ihm nicht leicht. Mit Humor setzt das Theater der Stadt Aalen beim Festival das Thema kindgerecht um. | Foto: Neumann

Festival: Landesbühne Bruchsal

Liebe, Tod und Poesie

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Er freut sich sichtlich. Jörg Bitterich wirft Blicke voraus aufs zweite Festival seit Eröffnung des Theater treppab, das vom 14. bis 17. März in Bruchsal stattfindet. Der Leiter des Kinder- und Jugendtheaters an der Badischen Landesbühne (BLB) führt Regie bei einigen Stücken und weckt Entdeckerlust auf ein Programm, das Gastspiele neben BLB-Eigenproduktionen umfasst.

Die Palette verspricht, Horizonte zu öffnen und reicht von königlichen Streithanseln für die ganz Kleinen über Stücke zur jugendlichen Selbstfindung bis hin zu den großen Fragen nach Verdrängungsmechanismen und Menschlichkeit – also zum Theater für Erwachsene jeden Alters.

Frei Denken

Umgesetzt werden sie natürlich auf der Bühne, aber auch in Werkschauen, bei Abenteuerlesungen oder auch von einem undogmatischen, freidenkerischen Puppentheater. „Birte Hebold ist großartig darin, Alltagsdinge zu beleben und hat für ihr ,Figurentheater Eigentlich‘ schon den Förderpreis für Kinder- und Jugendtheater der Stadt Frankfurt bekommen“, sagt Bitterich.

Neugierige können im Theaterlabor schnuppern, ob Bühnenbretter etwas für sie sind. Es stehen Auf- und Verführungen ans Theater an, letztere zum Tag der offenen Tür als Festival-Abschluß am kommenden Samstag. „So nah kommt man sonst nie ans Publikum ran“, sagt Bitterich. Ob die BLB-Truppe in Verkleidung und maskiert auf dem Marktpatz erscheint oder sich anderes einfallen lässt, will er noch nicht verraten.

Dicke Sturköpfe

Mit „Ein König zu viel“ von Gertrud Pigor findet ein Klassenzimmerstück den Weg ins „treppab“, das Zuschauern ab vier zeigt, dass kleine Zankereien dicker Sturköpfe schon mal einfach nur Spiegelgefechte sind.
Für „Die Prinzessin und der Schweinhirt“ kehrt Meike Hedderich für eine Regie zurück, die ihre Laufbahn hier begann. Froh ist man an der BLB über die Kooperation mit dem Deutschen Musikautomatenmuseum. Dort wird das Andersen- Stück an mehreren Terminen mit Witz gespielt, Pop-Elemente mischen sich in die ehrwürdige Vorlage. Es kommt fürs Festival ins treppab.

Wie geht das:
KZ und Liebe?

„Wenn uns die Bertold-Moos-Stiftung ein wertvolles Stück ermöglicht, freut uns das immer.“ Und besonders beim Autorentheater „Ausschwitz, meine Liebe“ von Holger Schober über den Jungen Salomon. Seine Internierung im KZ zieht sich als schwere Last durch sein Leben, ist ihm aber weit mehr: Halt und Leitlinie für ein bewusstes Leben. Gerade in Zeiten, in denen minderheitenfeindliche und rassistische Töne zurück in die Öffentlichkeit finden, sei Wehrhaftigkeit auch vom Theater gefragt, betont Bitterich.

Menschen mit
Handicap an Bord

Wichtig ist ihm auch die Werkschau des Bürgertheaters: Drei Gruppen – Starter, Jugend- und Erwachsenen-Theater – sowie als vierte ein Ensemble der Lebenshilfe zeigen Ausschnitte ihres Schaffens.
Preisgekrönt ist sodann „Ente, Tod und Tulpe“. Mit Poesie und Humor setzt das Aalener Theater das Thema Tod des Kinderbuchautoren Wolf Erlebruch um. Eigentlich wollte der Tod „Ente“ holen, aber sie macht mit ihrer Frohnatur ihm das Leben schmackhaft. Inszenierung und Textfassung Nora Dirisamers holten 2011 den Theaterpreis Stella 2011.

Gastgeberfreuden

Um gesellschaftliche Anforderungen an die Männlichkeit und an Sexualität auf dem Fußballplatz geht es im Jugendtheaterstück „Schwalbenkönig“ – wie „Ente, Tod und Tulpe“ ein echtes Highlight, verspricht Jörg Bitterich. „Und wir freuen uns, unserem Publikum beim Festival Abwechslung mit anderen Bühnen zu ermöglichen und auch darauf, Gastgeber zu sein.“