Beliebter Treffpunkt am Werderplatz ist das Café „Electric Eel“ von Eva und Craig Judkins. Die beiden würden ihr Lokal gerne länger öffnen – dürfen es aber nicht. Um 22 Uhr ist Schluss für die Nachtschwärmer. | Foto: jodo

Eingeschränkte Öffnungszeiten

Im „Electric Eel“ am Werderplatz gehen die Lichter schon um 22 Uhr aus

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Noch nicht einmal bis Mitternacht darf der Aal zittern. Egal wie ausgelassen gerade die Stimmung und wie voll der Laden ist oder wie gut die Cocktails schmecken – um 22 Uhr ist für Electric Eel und dessen Gäste Schicht. Und das ist für die beiden Betreiber der Lokalität am Werderplatz, Craig und Eva Judkins, ein großes Problem.

Craig Judkins eröffnete das „Electric Eel“ im Sommer 2016

Im August 2016 eröffnete Craig Judkins, der in Karlsruhe auch den Social/Co-working Space „Commodore Room“ betreibt, das Café „Electric Eel“ in den Räumen der ehemaligen „bento“-Bar Mitten im Herzen der Südstadt. Er baute um, investierte. Doch nun stehen er und seine Frau vor demselben Problem wie damals die Besitzerin von „bento“, die für längere Öffnungszeiten kämpfte, und schließlich die Gastronomie aufgab (die BNN berichteten).

Um 22 Uhr müssen die Gäste gehen

Das „Electric Eel“ zieht wie auch schon das Vorgängerlokal vor allem in den Abendstunden das Publikum an. „Doch egal wie voll es dann hier gerade ist, um 22 Uhr müssen wir den Gästen sagen, dass Schluss ist“, ärgert sich Eva Judkins. Hinzu kommt der finanzielle Aspekt: „Das Tagesgeschäft alleine trägt sich nicht. Voll wird es bei uns erst ab 19 Uhr. Dann haben wir genau drei Stunden Zeit, um unseren Umsatz zu machen“, kritisiert die Gastronomin. Gleichzeitig könnte aber das Wirtshaus Wolfbräu in direkter Nachbarschaft deutlich länger seine Gäste bewirten.

Wir sind gut für die Südstadt, wir bringen hochwertiges Publikum an den Werderplatz

„Wir haben uns bewusst für die Südstadt entschieden. Wir schätzen das multikulturelle Leben auf dem Werderplatz“, betont Eva Judkins und sagt selbstbewusst: „Wir sind gut für die Südstadt, wir bringen hochwertiges Publikum an den Werderplatz.“ Von der Stadt gäbe es aber keine Unterstützung. „Kleine Läden wie wir oder auch Kulturinitiativen werden eher behindert, sich zu entwickeln“, kritisiert die 39-Jährige.

Bebauungsplan stammt aus dem Jahr 1986

Im Bebauungsplan ist das „Electric Eel“ nicht als Gastronomiebetrieb vorgesehen, sondern als Galerie mit untergeordnetem Speise- und Getränkeausschank. Der Bebauungsplan, der aus dem Jahr 1986 stammt, sei aufgestellt worden mit dem Ziel, die Südstadt als Wohngebiet qualitativ aufzuwerten und die Bewohner vor Lärm und anderen Belastungen zu schützen, erklärt Baudezernent Michael Obert auf BNN-Anfrage.

Stadt wollte damals weitere Ausbreitung der Gastronomie eindämmen

Auch die Bürgergesellschaft der Südstadt hatte sich damals für den Bebauungsplan eingesetzt, nachdem immer mehr Lokale in dem „Eisenbahnerstadtteil“ aus dem Boden schossen. Der Bebauungsplan sollte weitere Auswüchse verhindern. Neue Gastronomie könne deshalb nur ausnahmsweise zugelassen werden, so Michael Obert: „Es ist nicht so rigoros, dass wir keine weiteren Konzessionen in der Südstadt ausgeben können, eine gewisse Flexibilität ist da. Es darf aber nicht in Widerspruch zur Zielvorgabe stehen.“

CDU: Stadt soll Bebauungsplan aktualisieren

Am Mittwoch, 9. Mai,  wird sich der Planungsausschuss, dessen Vorsitzender Obert ist, im nicht öffentlichen Teil, nun mit dem Bebauungsplan beschäftigen. Der Grund ist ein Antrag der CDU-Gemeinderatsfraktion. Diese setzt sich dafür ein, dass die Verwaltung den Bebauungsplan an die aktuellen Anforderungen anpasst und die Beschränkung für Schank- und Speisewirtschaften speziell auf dem Werderplatz aufhebt. „Die Situation hat sich in den vergangenen 30 Jahren wesentlich verändert“, sagt CDU-Stadtrat Jan Döring, der selbst am Werderplatz zu Hause ist. Die Südstadt sei ein beliebtes Wohnviertel. Ein so hoch verdichtetes Quartier brauche einen attraktiven Raum, wo sich die Menschen begegnen und austauschen können. Gerade der Werderplatz entwickle sich in den Abendstunden zu einem beliebten Treffpunkt, so die CDU-Fraktion.

CDU will sogar eine gezielte Ansiedlung von Gastronomie am Werderplatz

„Ich kenne die Klagen der Gastronomen, dabei geht es nicht nur um die Öffnungszeiten, sondern auch um die Außenbewirtung“, sagt Döring. Er und seine Parteikollegen sind davon überzeugt, dass eine „gezielte Ansiedlung von Gastronomiebetrieben“ sogar die Situation auf dem Werderplatz verbessern würde. „Derzeit steht zum Beispiel ein Café leer – das können wir an einem so populären Platz nicht hinnehmen.“ Man sollte dem Trading-Down-Effekt (Herunterwirtschaften eines Standorts) keinen Vorschub leisten.

Wir versuchen gerade am Werderplatz viel zu drehen

Aufgrund der planungsrechtlichen Restriktionen können einige Gastronomiebetriebe nur mit einer jährlich zu erteilenden Sondergenehmigung betrieben werden. „Die Ausnahmen, die jedes Jahr aufs Neue geprüft und erteilt werden müssen, sind für die Ämter sehr ressourcenaufwendig“, sagt Döring. Würde man das ändern, hätten beide Seiten Rechtssicherheit – die Ämter und die Gastronomen. „Wir versuchen gerade am Werderplatz viel zu drehen“, sagt Döring mit Verweis auf die letzte Gemeinderatssitzung und den Beschluss, einen Trink- und Drogenkonsumraum einzurichten. „Es gibt viele Drehschrauben – und die Gastronomie ist eine davon“, ist der CDU-Stadtrat überzeugt.