DIE ERDARBEITEN sind in vollem Gange auf dem Gelände der früheren Klinik St. Trudpert an der Wolfsbergallee. Die Verhandlungen mit der Baurechtsbehörde für den Neubau mit 100 Wohnungen begannen 2012. | Foto: Wacker

Selten viele Großbaustellen

Investoren setzen verstärkt auf Pforzheim

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Pforzheim scheint sich zu einem Anlage-Hotspot zu entwickeln. Es gab zeitgleich nie so viele Großbauprojekte und das Geld dafür kommt von außen, registriert man im Baurechtsamt der Stadt. Hinzu kommt, dass offensichtlich auch sonst weiter gebaut wird, was die Fläche her gibt. Die Baujuristen wurden zum Jahresende geradezu „zugeschüttet“ mit Bauanträgen. Normalerweise werden 20 bis 30 eingereicht, im Dezember waren es 41, so bilanziert der Leiter Ingo Baumann. Und dies „obwohl weder eine Steuer- noch eine Rechtsänderung für 2018 angekündigt wurden“.
Das größte dieser neuen Bauvorhaben stammt aus Pforzheim selbst. Familienheim und Bau und Grund nehmen ihr drittes Projekt an der Postwiesenstraße in Angriff. Gemessen an der jüngeren Entwicklung ist dieses bislang übliche Engagement geradezu eine Ausnahme.

Viel Geld von außen

Das Geld kommt von außen für das geplante „Holiday Inn Express“ in der Durlacher Straße, bei dem langen Riegel, der in der Tunnelstraße 160 Wohnen bringen soll, bei den Punkthäusern am Felsenkeller sowie rund 100 Wohnungen an Stelle des früheren St. Trudpert-Klinikums. Und das hat Auswirkungen sowohl auf den Preis für die Fläche wie auf die Verfügbarkeit von Baufirmen, sagt Geschäftsführer Carsten Wibusch von Bau und Grund. Für Mietwohnungsbau gebe es immer weniger Platz, beklagt er.

400 neue Wohnungen binnen drei Jahren

Volksbank-Vorstand René Baum sieht eine Preissteigerung von zehn bis 15 Prozent in acht Jahren. Sven Eisele, Immobilienfachmann bei der Sparkasse Pforzheim Calw, spricht von zehn Prozent mehr binnen fünf Jahren. Es gebe dennoch aktuell rund 250 Suchanfragen nach Baugrundstücken, die meisten von privaten Häuslebauern. Bei Großinvestoren dagegen flache die Nachfrage dagegen ab. Grund sei, dass unter anderem auf den genannten Großbaustellen jetzt nach und nach rund 400 Wohnungen fertig werden. Sie schlugen nahezu zeitgleich auf in Pforzheim, zusammen mit dem Investor-Projekt Sedan-Carrée an Stelle von C. Hafner in der Bleichstraße.

Alternativen zu super teuer

Das lässt die Aktenberge wachsen im Baurechtsamt. Projekte dieser Größenordnung waren bislang höchstens jährlich, oft seltener zu bearbeiten. Allein die Zahl von 490 Bauanträgen im vergangenen Jahr ist für Baumann deshalb wenig aussagekräftig. „Sie ist hoch, es gab aber auch schon mal mehr.“
Entscheidend bei dem Wandel ist der Aufwand. Im Gegensatz zu den üblichen, ebenfalls auf hohem Niveau eingereichten Ein- bis Dreifamilienhäusern, vergehen bei den straßenzugprägenden Großinvestitionen oft Jahre vom Erstgespräch bis zur Genehmigung. Über die St. Trudpert-Fläche wurde zum Beispiel bereis 2012 gesprochen. Sie bleibt wegen der Bauaufsicht auch nach dem Ersten Spatenstich ein Thema im Amt.
Auch jenseits der bauseitigen Preisentwicklung hat die junge, möglicherweise auch kurze Liebe in den Metropolen für Pforzheimer Grund und Boden Auswirkungen. So beobachtet Baum, dass die Flächen nicht unbedingt in der Stadt selbst vermarktet werden, sondern eher am Standort der Investoren. Denn dort, wo Menschen die günstige Alternative zu super teuer suchen, erscheint Pforzheim auch noch preiswert, wenn es aus Sicht der Einheimischen längst überteuert ist, glaubt er.

Investoren suchen jetzt auch Nischen

Hinter den Investoren stehen oft Privatpersonen oder -gruppen aus der Region, die sehr genau wissen, wo sie Geld anlegen, erläutert Wirtschaftsförderer Oliver Reitz. Wohnbau, Ärzte- und Seniorenhäuser seien beliebt. Wie eng der Markt insgesamt ist, zeigt in Pforzheim das direkt an der Bahn geplante Großprojekt Tunnelstraße. „Es werden Nischen gesucht“, kommentiert Reitz.