Selig im Glockenturm: Gerade verstummte das Geläut im imposanten Herz-Jesu-Kirche. Zufrieden und glücklich mit dem Klang sind der katholische Priester Martin Heringklee (links) und die Glockenfachmonteure Yannik Widmaier und Kai Schwarz (rechts). | Foto: Rainer Obert

Vorfreude auf Ostersonntag

Nach endloser Stille erstmals wieder Vollgeläut der Kirche Herz-Jesu Ettlingen

Dieses Osterfest ist für die Christen der größten Pfarrei der Ettlinger Kernstadt ein ganz besonderes. Fast zwei Jahre lang blieben die Glocken der imposanten Herz-Jesu-Kirche praktisch stumm. Ein Vollgeläut wie am jetzigen Hochfest war aufgrund des maroden Glockenstuhls ausgeschlossen. Und selten sah man Pfarrer Heringklee so selig strahlen wie nun am Tag des Probeläutens am späten Mittwochnachmittag. „Ich bin so gespannt, es ist so schön“, freute er sich schon auf dem Weg auf der Wendeltreppe hoch in den Turm. Stufe um Stufe wird es lauter. Am Glockenstuhl angelangt wird man ehrfürchtig… hält unweigerlich den Atem an. Die riesige Hauptglocke von Herz-Jesu schwingt wuchtig hin und her, ein durchdringender Ton, wenn der Klöppel gegen die Bronzewände schlägt, der ganze Körper vibriert. Ins Metall der Glocke eingraviert ein Aufruf: „Kommt alle zu mir.“ Der Priester wirkt entrückt, starrt in den neun Meter hohen Glockenstuhl: „Es ist wunderschön.“
Seit Anfang des Jahres arbeiteten Experten am neuen Glockenstuhl aus Eichenholz. Die Gefahr, dass die massigen Glocken am metall

Korrekte Zeit: Nach Monaten auf Punkt 12 sind die Zeiger von Herz-Jesu wieder in Bewegung.

enen Stuhl abstürzen und die Decke Richtung Kirchenraum durchschlagen war zu groß (die BNN berichteten). Als die beiden Fachmonteure von der Glockengießerei Bachert nachkommen, da ist es schon wieder still, das Geläut schwingt noch aus. Seit 2. Januar ist der Ettlinger Kirchturm ihr Arbeitsplatz. „Hier ist alles ein bisschen größer“, erzählt Kai Schwarz. Acht Bronzeglocken, die insgesamt etwa zwölf Tonnen auf die Waage bringen. Durchschnitt seien eher vier Glocken. Schon in unzähligen Türme haben er und sein Kollege Yannik Widmaier gearbeitet. Schwarz hat Heimvorteil, wohnt nur 300 Meter Luftlinie von der Kirche entfernt und hört das Geläut nun wieder täglich. „Die Größe ist gewaltig“, ist auch er beeindruckt. Am Ende muss der Klang stimmen – festlich, harmonisch, kraftvoll. Eine Wissenschaft für sich; etwa die Läutewinkel einzustellen und die Klöppel auszurichten. Die Schallläden werden nach Ostern noch komplett montiert, die Klangabstrahlung verändert. Die Holzlamellen waren so ausgerichtet, dass der Schall direkt an der Kirche „runterfiel“. Künftig soll das Läuten mehr in die Ferne wirken. Die Kirchturmuhr zeigt zwar nach Monaten auf Punkt Zwölf wieder die korrekte Zeit, für den Stundenschlag müssen die Hämmer aber noch justiert werden. Pfarrer Heringklee räumt ein, dass man im Vorfeld das Spendensammeln für die Glockenstuhlsanierung etwas vernachlässigt habe, man hofft aber noch auf Unterstützer. Auch eine Versteigerung der großen, alten Klöppel ist geplant.
Nach dem Abstieg vom Turm kommt das Probehören von außen. „Jetzt nochmal a

Kirche und Technik: In der Sakristei wird angesteuert, was im Gotteshaus per Strom in Gang kommt – auch die Glocken, die nach der Läute-Ordnung zum Einsatz kommen. | Foto: Obert

lle!“, weist Schwarz den Kollegen an und geht rund 50 Meter weg vom Gotteshaus, um zu lauschen. Widmaier steuert über die Schalttechnik in der Sakristei alle Glocken an. Klingt gut. Mehrere Menschen wurden vom nicht mehr gewohnten Läuten angelockt, darunter Mesner Wolfgang Schodrok. „Auf dem Vorplatz hört es sich grandios an“, schwärmt er. Geläutet wird stets nach einer festen Läute-Ordnung. Die regelt, wann welche Glocken zu welchem Anlass erklingen – von der hellen Taufglocke bis zum tiefen Klang der großen Glocke, die unter anderem allein läutet, wenn der Papst gestorben ist. Sozusagen das ganze Programm gibt es nur an Hochfesten wie Ostern. „Wir haben zwei Läutephasen“, erklärt Schodrok, eine halbe Stunde vorm Gottesdienst um 10.30 Uhr geht es los. „Vorläuten mit der großen Glocke.“ Zehn Minuten vor der Ostermesse wird dann das ganze Geläut in Gang gesetzt, fünf Minuten ist das Ensemble aus bronzenen Kolossen zu hören – man darf gespannt sein.