Durchgestartet ist der Pforzheimer Constantin Preis in diesem Jahr. Bei seinen ersten deutschen Meisterschaften holte er gleich die Silbermedaille – und vaporisierte dabei seine persönliche Bestleistung. | Foto: Görlitz

Leichtathletik

Nach DM-Doppelsilber: Constantin Preis hat Olympia im Blick

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Nürnberg/Pforzheim. Genau genommen war es nicht das Rennen des Constantin Preis. Als Letzter des Feldes kommt er aus den Startblöcken im Finale der deutschen Leichtathletikmeisterschaften im Nürnberger Max-Morlock-Stadion, gleich an die ersten Hürde auf den 400 Metern kommt er mit dem falschen Bein voran, an der vierten knickt er um. Und doch wird er den Lauf in guter Erinnerung behalten: Mit 50,74 Sekunden hat der 20-jährige Pforzheimer vom VfL Sindelfingen nicht nur seine bisherige persönliche Bestleistung (51,16) vaporisiert. Es reicht zur Silbermedaille, nur der in dieser Saison schon 49,14 Sekunden gelaufene Luke Campbell (Eintracht Frankfurt) ist mit 50,34 Sekunden schneller als der deutsche U23-Meister bei dessen Premiere bei den Senioren. In der Staffel zwei Stunden später reichte es ebenfalls zu Silber.

Constantin Preis wohl nicht bei Leichtathletik-EM in Berlin dabei

„Für das erste Jahr bei den Großen war es optimal“, jubiliert Preis nach seinem Coup. Innerhalb eines Jahres hat er seine Bestmarke um insgesamt eine Sekunde verbessern können – und das trotz der erwähnten Wackler im Finallauf. „Wären es zwei Sekunden, wäre das ja auch ein bisschen verräterisch“, fügt er augenzwinkernd hinzu. Die EM-Norm von 50,0 Sekunden hat er allerdings verpasst, an eine Nachnominierung glaubt er nicht. „Das wäre natürlich cool, aber davon gehe ich nicht aus.“ Der DLV gibt seinen Kader am Mittwoch bekannt.

Noch 1,25 Sekunden fehlen Preis zur Olympia-Norm

Preis hat dennoch ein ambitioniertes Karriereziel: die olympischen Spiele 2020 in Tokio. „Das ist sehr gut möglich und darauf wird hingearbeitet“, sagt Preis. Unter 49,5 Sekunden muss er dafür in zwei Jahren laufen. „In sechs Jahren könnten sogar 47er-Zeiten möglich sein.“ Das wäre dann nicht nur die sichere Olympia-Qualifikation: In diesem Jahr sind weltweit nur vier Läufer unter dieser Marke geblieben, nur einer davon darf an der Europameisterschaft in Berlin ab dem 7. August teilnehmen.

Wechsel vom TV Pforzheim zum VfL Sindelfingen zahlt sich aus

Der gebürtige Moldawier, der in diesem Jahr auch noch sein Abitur gemacht hat, verließ vor einem Jahr seinen Heimatverein TV Pforzheim in Richtung Sindelfingen, wegen der professionellen Strukturen. „Man ist schon stolz“, sagt Preis’ einstiger Jugendtrainer Roland Hiller vom TVP, der in Nürnberg den Youngster angefeuert hat. „Man weiß aber auch, dass man solche Athleten nicht halten kann. Er bekommt in Sindelfingen eine Unterstützung, die ein kleiner Verein wie unserer nicht leisten kann.“ Dennoch hat der TVP neben Preis Sportler wie Philipp Schellhorn (Zehnkampf), Max Beiter (Hochsprung) und Dominik Scholle (800 Meter) hervorgebracht.

Ex-Trainer Hiller warnt vor zu großen Erwartungen und Ungeduld

Für seinen Ex-Schützling hat Hiller einen Rat: „Er soll sich nicht so den Druck aufbauen. Gerade in diesem Alter sollte man vorsichtig sein. Sonst hebt er ab oder kommt in ein Tief, aus dem er sich nicht mehr herauskämpfen kann.“ Das Wichtigste sei aber, verletzungsfrei zu bleiben und sich weiterzuentwickeln. Gelingt das, dann sieht Hiller bei Preis großes Potenzial. „Ob es nun 47er-Zeiten werden, weiß ich nicht. Aber Tokio und 48er-Zeiten traue ich ihm auf jeden Fall zu. Wenn es um die letzten 100 Meter geht, gibt es in Deutschland niemanden, der an ihn herankommt.“