SCHÖNES WETTER ist solute-Chef Lorenz Petersen nicht nur im Urlaub wichtig. Er legt Wert darauf, dass seine Firma Gefahren frühzeitig erkennt und Stürmen somit aus dem Weg geht. | Foto: pr

Digitale Köpfe in der Region

Lorenz Petersen setzt als Chef auf eine lange Leine

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Genau so stellt man sich einen digitalen Vorreiter vor: ein T-Shirt in knalligen Farben, eine verwaschene Jeans, Turnschuhe und natürlich ein Drei-Tage-Bart. Lorenz Petersen passt – rein äußerlich – perfekt in die vermeintlich hippe IT-Branche. „Einen Anzug trage ich eigentlich nur bei wichtigen Terminen“, sagt der 49-Jährige. Die bedeutenden beruflichen Verabredungen nehmen aber stetig zu. Denn das Unternehmen, an dessen Spitze Petersen steht, ist kräftig auf Wachstumskurs. Die Karlsruher solute GmbH ist vor allem für ihr Internet-Preisvergleichsportal billiger.de bekannt – und Petersen ist das Gesicht der Firma.

An Effizienz orientiert

An eine solche Karriere hatte der gebürtige Kieler während seiner Schul- und Studienzeit selbst nicht geglaubt. „Ich war extrem faul, sicher nicht einer der Besten“, sagt Petersen und lacht, dann schiebt er nach: „Sagen wir, ich war effizienzorientiert.“ Seine Worte belegen – wie so oft in der IT-Branche – Zahlen: Weil Petersens Abitur-Notenschnitt von 2,1 nicht ausreichte, um direkt in Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren („Hier lag der NC bei 1,6.“), ging er den Umweg über Kaiserslautern. Abgeschlossen hat er das Studium dann doch an der Technischen Universität in der Fächerstadt. Und wieso musste es Wirtschaftsingenieurwesen sein? „BWL war zu anspruchslos, VWL zu langweilig und Mathe zu schwierig“, sagt der solute-Chef mit einem Augenzwinkern.

Das Thema Effizienz begleitet Petersen bis heute, allerdings mit erheblich höherem Anspruch als in seiner Schulzeit. Die Nutzer auf billiger.de sollen mit möglichst wenig Mausklicks zum gewünschten Ergebnis kommen. Und die Mitarbeiter von solute sollen durch eine effiziente Arbeitsweise letztlich dafür sorgen. Dabei genießen sie jedoch große Freiheiten. „Die Leute machen dann einen guten Job, wenn sie mit Leidenschaft arbeiten. Das erreicht man nicht durch ein Korsett“, ist Petersen überzeugt. Entsprechend flexibel sind die Arbeitszeiten. Für das seelische Wohl gibt es den obligatorischen Kickertisch oder Flipperautomaten. Auf der Dachterrasse der Geschäftsräume werfen Petersen und seine Kollegen bei wolkenlosem Himmel auch gelegentlich den Grill an.

Petersen setzt auf weitsichtige Planung

„Ich will eigentlich ein Schönwetter-Kapitän sein“, sagt Petersen. Die Aussage bezieht sich jedoch weder auf Grillfeste auf der Dachterrasse. Noch ist damit gemeint, dass der Vater eines dreijährigen Sohnes keine Entscheidungen treffen will oder Konflikten lieber aus dem Weg geht. „Es geht mir darum, sicherzustellen, dass unsere Firma erst gar nicht in einen Sturm kommt.“ Schwierigkeiten gekonnt umschiffen, Gefahren am Horizont schon früh erkennen – so will sich Petersen selbst zum Schönwetter-Kapitän machen.

Dafür bindet der Wahl-Elsässer, der nahezu täglich nach Karlsruhe pendelt, auch die Mitarbeiter kräftig ein. Bei Projekten setzt er auf partizipatorische Verfahren. „Man muss lernen, die persönliche Meinung hinten anzustellen“, sagt Petersen. Hier kommen beim Digital-Pionier auch digitale Lösungen ins Spiel. Bei solute setzt man unter anderem auf Crowd-Knowledge – eine Art kollektive Wissens-Datenbank. „Dieser Prozess führt meistens zum Erfolg.“ Als Chef gibt sich Petersen als Demokrat. Die Mitarbeiter duzen ihn alle. „Ich finde es respektlos, wenn man den einen duzt und den anderen siezt.“

„Bin immer irgendwie on“

Der Lockerheit, die der 49-Jährige über sein Outfit und die relativ lange Leine gegenüber seinen Mitarbeitern ausstrahlt, steht jedoch auch eine große Anspannung gegenüber. „Wir stehen im Wettbewerb mit Google, Amazon und eBay. Wer sucht sich das schon freiwillig aus?“ Insofern sei eine „permanente Anspannung da“, gesteht Petersen, und ergänzt: „Aber nicht in belastender Form.“ Für den nötigen Ausgleich sorge die Familie und die Freizeit. Auf Tennisplätzen und vor allem beim Kitesurfen schaltet Petersen ab. „Aber natürlich bin ich immer irgendwie on“ – sogar in den Pausen. Die verbringt er am liebsten mit gutem Essen. Petersen ist Stammgast in den Restaurants der Region. Vielleicht ein Nachwirkung seiner Jugendzeit, die er zu großen Teilen in Italien verbracht hat. „Beim Essen habe ich die effizientesten Meetings.“ Statt Laptop und Smartphone herrschen dann Lasagne und Spaghetti.