Der Meister und sein Werk: Markus Lüpertz im ZKM Karlsruhe vor seiner Skulptur «Fragonard» aus dem Jahr 2016. | Foto: Deck

Ausstellung im ZKM Karlsruhe

Markus Lüpertz mit Kunst, die im Wege steht

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Fußballer würden sagen: Markus Lüpertz hat gerade einen Lauf  – allerdings nicht im Fußball, sondern in der Kunst. Nach der großen Retrospektive 2015 in Paris zeigt gegenwärtig das Museum der bildenden Künste Leipzig eine viel beachtete und gelobte Ausstellung, in der sich der Künstler mit dem von ihm verehrten Max Klinger (1857 bis 1920) auseinandersetzt. Auf der aktuellen Kölner Kunstmesse ist der 76-Jährige, der dieser Tage seinen Geburtstag feierte, bei gleich drei Galerien groß vertreten, so etwa mit freundlich-warm nuancierten Malereien aus seiner „Arkadien“-Reihe. Und jetzt Karlsruhe. Dort wird  im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) eine umfangreiche Werkauswahl mit Plastiken und Malereien von Markus Lüpertz eröffnet.

Große Formate: 1977 malte Markus Lüpertz dieses Werk «Gegen Abend besetzen Störche Lüpolis». | Foto: Deck

Ihr Motto lautet „Kunst, die im Wege steht“, und wie sich dieser Leitgedanken auslegen lässt, mag man aus dem Gemälde herauslesen, das wie eine Einleitung gleich beim Eingang hängt. Es heißt „Das Ende des Orpheus“ (1984), stellt sich aber zunächst gar nicht so endzeitlich dar. Was zuerst auffällt, ist eine saftig sinnlich-rote Frucht, eine Himbeere vielleicht, die an die Freuden der Lust erinnern soll, denen Orpheus freilich entsagen muss. Ihn sieht man am rechten Bildrand, ein geknicktes Wesen beim Verlassen der Unterwelt, wo der begnadete Sänger seine geliebte Eurydike zurücklassen muss, weil er das Gebot der Götter missachtet. Dabei hatte er doch durch seine Kunst sogar die Herrscher der Finsternis betört und gnädig gestimmt. Unter der Bedingung, dass er sich bei seinem Aufstieg nicht umwenden würde, hätte Orpheus Eurydike zurück ins Leben führen dürfen – dank einer Kunst, die selbst dem Tod „im Wege steht“ und ihn machtlos macht.

Immer wieder thematisiert Lüpertz den Tod. Im ersten der beiden Lichthöfe, die der Künstler bespielt, tritt er in Gestalt des 33-teiligen „Dädalus-Zyklus“ (2002) den Betrachtern entgegen. Auch kehrt er wieder etwa in den „4 Bildern über den Krieg“ (1992), düsteren Szenarien in Blau-Grau-Braun-Tönen mit Hitler-Fratze, abgetrennten Gliedmaßen, einem hoch aufragenden Kreuz aus rohem Holz und anderen Elementen, durch die „Diktatur“, „Fronttheater“, „Massaker“ und „Heldentod“ Gestalt annehmen.

Der Zweite Weltkrieg war bereits voll entflammt, als Lüpertz am 25. April 1941 in Reichenberg (heute: Liberec) geboren wurde, das einmal als das „Wien des Nordens“ galt. 1948 flieht die Familie in den Westen. Lüpertz wächst im Rheinland auf, studiert dort, zieht 1962 nach Berlin und macht bald durch seine markante Malerei auf sich aufmerksam. 1976 wird er als Professor an die Kunstakademie Karlsruhe berufen, zehn Jahre später wechselt er an die Akademie in Düsseldorf, wo man ihn 1988 zum Rektor wählt  ein Amt, das er bis 2009 bekleiden sollte.

Große Formen: Auch Lüpertz‘ Skulpturen «Merkur» (im Vordergrund) aus dem Jahr 2009 und «Krematorium» (im Hintergrund an der Wand) aus dem Jahr 1977 gehören zu der Ausstellung « Markus Lüpertz Kunst, die im Wege steht». | Foto: Deck

Hier geht’s zu den Ausstellungsinfos auf der ZKM-Homepage