Kommunalwahlen in England
Theresa May und ihr Ehemann Philip am Tag der Kommunalwahlen in England. | Foto: Stefan Rousseau/PA Wire

Kommentar

May kann aufatmen

Die turbulenten Entwicklungen der vergangenen Monate in Großbritannien haben so gut wie keine Korrektur bei dem Kräfteverhältnis der beiden größten Parteien bewirkt. Das zeigen klar die Kommunalwahlen, bei denen Labour und die Konservativen jeweils relativ erfolgreich ihre traditionellen Hochburgen im Land verteidigt haben. Dabei schafften es weder Regierung noch Opposition, politische Geländegewinne zu machen. Ein Trend für die nächste Parlamentswahl im Jahr 2022 lässt sich aus dem lokalen Kräftemessen also nicht herauslesen.

Gleichwohl sendet die Wahl zwei interessante Signale aus. Sie sind beide gute Nachrichten für Premierministerin Theresa May. Erstens haben die Wähler einstweilen May den Schaden verziehen, den die Tory-Chefin bereits im Königreich mit ihrem kompromisslosen Brexit-Kurs angerichtet hat – oder aber der Öffentlichkeit ist bislang nicht bewusst, auf welches Abenteuer sich ihre Regierung einlässt. Zweitens kann May aufatmen, weil sie konkurrenzlos bleibt. Labour ist längst nicht so stark, wie sich Jeremy Corbyns Partei stets dargestellt hat. Sie schaffte es kaum, aus den Fehlern der Regierung Kapital zu schlagen. Zudem ist es offensichtlich, dass Corbyn als gefeierte Mitte-Links-Galeonsfigur keine Superkräfte besitzt, um May in die Enge zu treiben.

Da zeigen sich auch Parallelen zur SPD in Deutschland: Beide Parteien sind noch auf der Suche nach einer großen sozialen Idee, die sie in den Augen der Bürger unersetzlich machen würde.