Mc Manar
Mc Manar hat sein erstes Album veröffentlicht | Foto: privat

Junger Syrer publiziert Album

Der Rapper Mc Manar hofft immer noch auf eine Heimat

Manars Hoffnung auf eine Heimat: Die schaffte es vor ziemlich genau drei Jahren in die Überschrift eines BNN-Berichts – und ist bis heute unerfüllt. Ob der Traum von der Zukunft in Deutschland in Erfüllung geht, das wissen der inzwischen 17-jährige Syrer und seine Familie nicht.
„Ich bin überall. Ich bin heimatlos.“ Solche – auf arabisch verfassten – Liedtexte schrieb Manar mit 14 Jahren. Anfang 2015 war das.

Manar begeisterte beim Bürgerempfang

Übergangsweise lebte die Familie damals im Griesbachhaus. Beim Bürgerempfang der Stadt schließlich stand „Mc Manar“, wie er sich nennt, auf der Bühne und rappte. Die Zuhörer waren begeistert.
Erfolg als Musiker hat der junge Mann bis heute. Er gewann diverse Preise. Und er tritt bei Festivals auf, vorwiegend im Raum Stuttgart. Dort, in Hattenhofen, lebt die Familie heute in einem Flüchtlingsheim.

Erstes Album veröffentlicht

Zwei Zimmer, eine Küche, das teilen sich die Eltern und ihre drei Söhne. Manar, der Mittlere, hat nun sein erstes Album veröffentlicht.

Der 17-Jährige rappt auf Arabisch, Englisch, Italienisch. Es gibt auch Songtexte auf Deutsch. Die Sprache beherrscht er inzwischen gut.

Deutschland ist Heimat geworden

„Eigentlich ist für mich Deutschland meine Heimat geworden“, sagt Manar. Nun bekamen er und sein Vater aber Post von der Behörde: Innerhalb eines Monats sollen sie nach Italien zurückkehren.

Dort strandeten beide vor sechs Jahren nach ihrer Flucht vor dem Krieg in der Heimat.

Hoffnung auf Neuanfang

Ende 2014 kamen die beiden Brüder – der kleinste, Rayan, ist heute sieben – und Mutter Sabah nach Europa nach.

Alle hofften auf einen gemeinsamen Neuanfang. Doch der gestaltet sich nun schwierig.

Bruder Nour hat einen Aufenthaltstitel

Der 19 Jahre alte Bruder Nour hat einen Aufenthaltstitel für Deutschland. „Er darf nicht einfach so nach Italien“, erläutert Manar.

Und überhaupt hat er Sorge, wieder ganz von vorne beginnen zu müssen: Eine neue Sprache, neue Freunde, letztlich ein neues Leben.

Wir hatten so viele Pläne

„Es wäre eine große Enttäuschung, wenn alles kaputt ginge. Wenn dreieinhalb Jahre in Deutschland verloren wären. Wir hatten so viele Pläne.“
Da ist erst einmal die Karriere als Musiker, von der Manar träumt. Es geht ihm nicht nur um Erfolg oder Geld. „Ich will, dass die Menschen unsere Geschichte hören“, sagt er.

Ich will deutschlandweit auftreten

„Ich will deutschlandweit auftreten. Ein Label finden.“ Immer wieder schreibt er über die Flucht, über Heimatlosigkeit. Und über Hoffnung.

Die hat er immer noch – auch wenn die Zeit drängt. Gegen den Ausreisebescheid legte die Familie Widerspruch ein.

Der Vater sucht Arbeit

„Es wäre gut, wenn mein Vater hier Arbeit finden würde“, erläutert Manar. Sein Papa war in Syrien Friseur, Hausmeister und Wachmann. Auch er spricht inzwischen Deutsch.

Manar selbst steht kurz vor dem Hauptschulabschluss. Im Juli wird er 18. „Dann könnte ich in Italien wahrscheinlich nicht mehr zur Schule gehen, sondern müsste arbeiten.“

Ausbildung zum Elektromechaniker

Der Teenager träumt nicht nur von der großen Bühne, er würde auch gerne eine Ausbildung zum Elektromechaniker machen.

Eine neue Wohnung braucht die Familie ebenfalls. Im Flüchtlingsheim kann sie auf Dauer nicht bleiben.

Wissen immer noch nicht, wo wir bleiben können

„Es ist schwierig für uns, dass wir nach sechs Jahren in Europa immer noch nicht wissen, wo wir bleiben können“, sagt Manar.

Mit dabei bei „Voice of Germany“

Aktuell ist er bei „The Voice of Germany“ angemeldet. In wenigen Tagen soll er zum Casting in Berlin erscheinen.

„Ich muss dort einen Coversong präsentieren. Das gefällt mir nicht so gut. Ich würde gerne einen meiner Songs rappen“, erzählt der junge Mann.

Die Flucht – ein Film

Erfahrung vor der Kamera hat er schon: Am Mailänder Bahnhof lernten Manar und sein Vater einst den Filmemacher Gabriele del Grande kennen.

Das Schicksal der Asylsuchenden beschäftigte ihn. Ebenso, dass sie sich in Europa nicht bewegen dürfen.

Hochzeitsgesellschaft auf Reisen

Schließlich war da die Idee, Vater und Sohn sowie drei weiteren Syrern zu helfen – indem sie sich zusammen mit ihnen als Hochzeitsgesellschaft ausgaben und so quer durch Europa über Land nach Schweden brachten. Ohne dafür Geld zu nehmen.

Die Idee ging auf. Doch Vater und Sohn durften in dem skandinavischen Land nicht bleiben – wegen des Fingerabdrucks, der von ihnen in Italien genommen worden war.

Der Film „Auf der Seite der Braut“ wurde preisgekrönt. Manar brach zusammen, als er nach drei Monaten Schweden verlassen musste. Er schrieb weiter Songtexte.

Live without pain

„Peace for Syria“ heißt einer seiner aktuellen Titel. Ein anderer: „Wir wollen Frieden“.
„Live without pain“, Leben ohne Schmerz, heißt das Album, das nun bei allen klassischen Anbietern zu haben ist.