Foto: Tanja Mori Monteiro

Ihre Geschichten

Mein schönstes Weihnachtsgeschenk…

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Hier sind die Beiträge, die uns die BNN-Leserinnen und Leser im Rahmen unserer Aktion „Mein schönstes Weihnachtsgeschenk“ haben zukommen lassen.

Von Heidi Lankers:

Es war Heiligabend 1948 – ich war drei Jahre alt – als ich von meinem Großvater eine selbstgebastelte Puppenküche mit geschreinerten Möbeln und Beleuchtung geschenkt bekam. Meine Freude war riesig! Leider wurde dieses Geschenk, wie früher üblich, nach den Feiertagen wieder verwahrt, und ich musste mich bis zum kommenden Weihnachtsfest gedulden. Inzwischen, nachdem die Küche jahrzehntelang verpackt deponiert war, ziert sie jetzt mein Zimmer. So erfreue ich mich täglich daran. Wäre doch zu schade, so ein schönes Geschenk, an dem so viele Erinnerungen hängen, auf dem Speicher verstauben zu lassen.

Von Terese Knebel:

Es war der 24.12.1944 – Heiliger Abend. Unsere Mutter und wir Kinder im Alter von acht, vier und zwei Jahren waren in einem Dorf in der Nähe von Budapest ohne Vater, der war im Krieg, allein im Haus. Die Mutter hatte im warmen Schlafzimmer den Christbaum aufgestellt und wir bekamen kleine Geschenke und durften bei der Mutter im großen Bett schlafen. Am Morgen des 25. wurden wir durch ein lautes Geräusch geweckt. Die Mutter ging zur Tür und wir hörten ihren Aufschrei. Plötzlich standen drei russische Soldaten mit Gewehren und grimmigen Gesichtern im Schlafzimmer. Wir Kinder waren starr vor Schreck. Als die Soldaten uns Kinder eng zusammengekuschelt und den Christbaum sahen, standen sie ganz still und nahmen ihre Fellmützen ab. Anschließend haben sie noch die Schranktüren geöffnet und unter das Bett gesehen. Dann verließen sie das Haus. Nach drei Tagen brachte uns ein Soldat eine große Schüssel mit Zucker. In der Weihnachtszeit muss ich noch immer an diese Begebenheit denken und an die Worte meiner Mutter: „Russen sind auch Menschen.“ Wir wurden 1946 nach Deutschland ausgewiesen und haben hier eine neue Heimat gefunden. Aber die Erinnerung bleibt.

Von Frau Deike:

Es war Heiligabend 1949. Die Bescherung war fertig. Wir, unsere Mutter und wir vier Kinder saßen in unserem Zimmer und hörten Weihnachtsmusik im Radio. Da klingelte es an der Tür und der Weihnachtsmann stand da. Er brachte uns drei Mädchen je eine Schildkrötpuppe. Was mein Bruder bekam, weiß ich nicht mehr. So plötzlich wie der Weihnachtsmann kam, verschwand er auch wieder. Wir Mädels liebten unsere Puppen und behielten sie bis ins Erwachsenenalter. Unsere Mutter hat nie herausgefunden wer der Weihnachtsmann war, der ihre Kinder so reich beschenkte.

Von Inge Benischek-Fuchs:

Es war im Jahr 1939 als ich mit meinem Vater am Nikolaus-Abend zu seiner Mutter, meiner Oma, gegangen bin. Auf dem Weg dahin standen auf der Straße zwei Nikoläuse. Der eine schimpfte und fluchte gotteslästerlich und rief: „Mein Bart ist ab und klebt nicht!“ Ich glaubte damals noch an den Nikolaus und fragte deshalb meinen Vater: „Dürfen Nikoläuse fluchen?“ Mein Vater war ärgerlich und fühlte sich gezwungen, mich aufzuklären. Mein schönes Märchen war zerstört. Aber meine Oma hatte ein wunderbares Nikolausgeschenk für mich: Eine vergoldete Nuss mit einem entzückenden Pinguin aus buntem Glas darin. Das hat mich getröstet und gefreut. Der Pinguin war viele Jahre mein Talisman. Seither liebe ich Pinguine, habe aber ein Problem mit fluchenden Nikoläusen!

Von Rosemarie Büttner:

Es war im Dezember 1944, ich – ein fast 10-jähriges Mädchen – durfte Weihnachten bei meinen geliebten Großeltern in Niederschlesien feiern. Auf meinem Wunschzettel für das Christkind stand, dass ich mir eine neue Puppe wünsche. Meine alte Schildkrötpuppe Suse hatte nur noch einen Arm und auch ein Auge war verletzt. Sie gehörte jetzt meiner jüngeren Schwester, die sie heiß liebte. Es kam der „Heilige Abend“. Ich war sehr aufgeregt, ob das Christkind wohl meinen Wunsch erfüllen würde? Der Christbaum mit Lametta, Kugeln und echten Kerzen strahlte in dem abgedunkelten Wohnzimmer und unter dem Baum saß eine Puppe. Aber wie sah die aus! Sie war nicht schön aber auch nicht hässlich. Sie war irgendwie besonders. Später erfuhr ich, dass meine Großmutter aus den wenigen Materialien die man damals bekam, voller Liebe diese Puppe für mich gemacht hatte. Nach der ersten Enttäuschung schloß ich die Puppe doch ins Herz und gab ihr – nach langem Überlegen – den Namen Paula. Ich fand dieser Name passe zu ihr. Vier Wochen später im Januar 1945, es herrschte ein eiskalter Winter mit viel Schnee, mussten wir – Mutter, vier Kinder und Großmutter flüchten. Natürlich wollte ich Paula und ein Buch mit Geschichten mitnehmen, aber meine Mutter sagte: „Paula und auch das Buch müssen hierbleiben. In deinen Schulranzen kommen nur Schuhe, denn wir müssen viel und sehr, sehr weit laufen.“ Traurig verabschiedete ich mich von Paula, setzte sie in den großen Sessel vor dem Kamin und deckte sie mit einem Tuch zu. Als Großmutter meine Tränen sah, tröstete sie mich und sagte, dass Paula sicher von einem kleinen polnischen Mädchen gefunden würde, die sich um sie kümmern und liebhaben werde. Auf der langen Flucht dachte ich immer wieder an Paula. Nach dem Krieg, wir waren dankbar alles überstanden zu haben, bekam ich keine Puppe mehr. Die Not war so groß und viele Sachen waren dringender. Später hieß es dann, ach, für eine Puppe bist du jetzt schon zu groß. Also war Paula meine letzte Puppe und, wenn ich an sie denke, auch für mich heute noch, eine ganz besondere.

von Elenore Becker:

Von Karlsruhe aus waren wir: Drei Kinder, die Mutter (der Vater war in Rußland) 1944 evakuiert worden nach Bayern in einen kleinen Ort. Die Bauersleute dort hatten zuvor noch nie einen evangelischen Christen gesehen und wir waren für sie sehr fremd. Und dann  stand Weihnachten vor der Tür! Sie hatten aber Mehl und Eier und Anis – und gaben sie für uns. Und so konnte man einen kleinen Bisquittstollen backen. Der Schreiner im Dorf hat eine kleine Wiege gezimmert und da wurde dann eine kleine Puppe hineingelegt. Die Freude war groß an diesem Weihnachtsfest über diese Gaben. Wenn ich bis heute das Gewürz Anis rieche, sind dann die Erinnerungen an damals da.

von Henriette Seiter

Meine Mutter erzählte, dass ich mir als ganz kleines Mädchen sehnlichst einen Puppenwagen für meine kleine Stoffschlumpelpuppe wünschte. Mama meinte: „Wenn du lieb bist bekommst du vielleicht einen vom Christkind.“ Tatsächlich stand an Heiligabend der Gewünschte unterm Christbaum. Freudestrahlend lief die Kleine Henny auf ihn zu –  sah das Fabrikzeichen und rief: „Guck Mama da steht Hennile lieb denn dwest.“ (Henny ist lieb gewesen). Das nächste Weihnachtsgeschenk war eine wunderschöne Puppe die ich heiß und innig liebte und die mich durch meine ganze Kindheit begleitete. Aber halt – nicht ganz! Denn ich musste mich von beiden trennen – warum? In meiner Kindheit war Krieg, das Essen war knapp und wir mussten Hunger leiden. Meine Mutter nähte aus einem Tischtuch einen Rucksack und mein Vater fuhr mit dem Fahrrad in den Kraichgau (da gab es viele Bauern) um gegen Tausch Essbares einzuhandeln. Viele Dinge die wir gerne behalten hätten wanderten damals in den Kraichgau und dann …. musste ich auch meinen Puppenwagen samt Puppe für einen Laib Brot und ein paar Kartoffeln hergeben. Oft denke ich daran wer wohl meine Puppe bekommen hat und ist es ihr gut gegangen. Letztes Jahr vor meinem 85. Geburtstag wurde ich nach meinen Wünschen gefragt. Meine Antwort war: „Ich würde gerne meine Puppe wiedersehen.“ Meine Tochter Christa hat darauf ein Bild ins Internet gestellt, es war trotz großer Beteiligung erfolglos.Vielleicht schafft es die BNN ein Wiedersehn mit meiner Puppe?

von Maria Schindler aus Kappelrodeck:

Es war Weihnachtsabend 1946. Nach dem Krieg war eine schlechte und arme Zeit. Mein Vater war seit Oktober 1943 in Rußland vermisst und die Mutter wusste oft nicht, wie sie uns Kinder ernähren und kleiden sollte. Meine drei Brüder und ich hofften aber doch vom Christkind ein Geschenk zu bekommen. Zuerst haben wir am geschmückten Christbaum die Kerzen angezündet und gebetet, dass Vater doch noch heimkommen solle. Dann sangen wir gemeinsam Weihnachtslieder. Dabei schauten wir gespannt auf die Decke unter der sich unsere Weihnachtsgeschenke befanden. Als Mutter die Decke hochhob strahlte ich riesig. Vor mir lag ein wunderschön geblümtes Nachthemd. Überglücklich wollte ich es gleich genau anschauen. Ich zog es an den Ärmeln hoch und hatte plötzlich nur die Ärmel in den Händen. Meine Mutter hatte leider noch keinen Nähfaden bekommen und dadurch die Einzelteile mit Nähnadeln zusammengesteckt. Meine Enttäuschung war groß und Mutter und ich haben zusammen geweint. Doch nach Weihnachten konnte Mutter das schöne Nachthemd zusammennähen und es wurde mein „Lieblingsnachthemd.“

Von Rose Weiß

Es war Krieg und unser Vater war tödlich verunglückt, wir waren drei Kinder, mein Bruder 7, meine Schwester 5 und ich 4 Jahre alt. Es war Weihnachten und ich spielte mit der neuen Eisenbahn, die mein Bruder bekam. Meine Schwester und ich hatten ein Püppchen mit Stoffkörper und einem Kopf aus Pappe bekommen. Ich sehe heute noch die schönen roten Wangen in dem Puppengesicht. Als ich mein Püppchen suchte fand ich nur noch den Stoffkörper, meine Schwester hatte meiner und ihrer Puppe den Kopf gegessen. Der glänzende Lack hat wohl süß geschmeckt. Wir hatten ja nicht viel zu essen und schon gar nichts Süßes. Geschadet hat es ihr auch nicht, da gab es sicher noch keine Chemie in Spielwaren. Das war Weihnachten 1941.

von Annegret Zarske

Seppel – 70 Jahre und keine Falten / 1947 – 2017

Die Vorweihnachtszeit war für uns Kinder sehr aufregend. Der Krieg hatte im Jahr 1947 viele Zerstörungen in Wohnorten hinterlassen. Also bemühten sich die Eltern umso mehr ein schönes Weihnachtsfest zu gestalten. Ich war vier Jahre alt, das jüngste von vier Kindern. Drei Mädchen und ein Junge. Ich trug eine Haarrolle und Zöpfe, damals sehr modisch und sogar eine weiße Strumpfhose. Meine Mutter nahm mich oft bei den Einkäufen mit in die weihnachtlich geschmückte Stadt Oberhausen. Alles leuchtete bunt. Plötzlich gingen wir in ein Puppengeschäft. Und was sah ich: lauter nackte Schildkrötpuppen in den Regalen, kleine und große. Ich durfte eine aussuchen und war über die Worte meiner Mutter sehr erstaunt: „Die ist für ein anderes Mädchen, nicht für Dich.“ Ich war sehr traurig über die Worte. Hatte ich doch meine Trulla im Regen draußen  im Garten auf der Gartenbank liegen lassen. Sie war aus geformten Papier und Zeitung und somit löste sie sich auf im Regen. Die Adventszeit lenkte mich ab. Es wurde gemeinsam gebacken, gebastelt und Adventslieder gesungen. Wir lernten Gedichte auswendig. Als endlich Hl. Abend war, wurde die Wohnzimmer Türe aufgeschlossen und wir durften festlich gekleidet eintreten. Mein Vater der Cello spielte und Bruder Karl spielte Geige. Die echten Kerzen leuchteten und der Duft der Tanne berauschten uns. Es wurde immer spannender. Abwechselnd sagten wir Mädchen Gedichte auf. Danach wurde wieder musiziert. Endlich wurde die weiße Tischdecke abgenommen, die bunten, gefüllten Teller mit Nüssen, Obst und Süßigkeiten kamen zum Vorschein. Auf einmal entdeckte ich die Puppe aus dem Geschäft wieder. Sie war angezogen: mit selbstgestrickter Hose und Jacke. Ich war sprachlos. Ein Junge. Von da an spielte und schlief ich nur noch damit. Ich sah einmal ein Mädchen und einmal einen Jungen in Ihm. Mittlerweile besitze ich Ihn immer noch. Er hat vier Umzüge überlebt. Mittlerweile spielten schon meine vier Enkel damit. Dieses Jahr Weihnachten liegt er wieder unterm Tannenbaum und wird 70 Jahre alt.

von Isabell Janotta:

Am späten Nachmittag des 24.12.1979 ist mit einbrechender Dunkelheit nichts mehr von der Hektik der Menschen, die noch ihre letzten Besorgungen für die Weihnachtsfeiertage verrichten, zu verspüren. Heike, meine Freundin 12 Jahre alt und ich zwei Jahre älter, wohnen im gleichen Haus, Heike zwei Eingänge weiter. Beide verabreden wir uns um 16.30 Uhr auf einen Abendspaziergang. Unmittelbar an der kleinen Ladenzeile angekommen, ein Katzensprung von unserem Zuhause entfernt, stehen einsam drei übrig gebliebene ca 1. 50 hohe Tannenbäumchen. Traurig schauen zwei Augenpaare auf die verwaisten, nicht gewollten Nadelbäume. Meine Freundin betreut seit einigen Monaten eine ältere Dame, die unweit unseres Zuhauses, zwei Häuserblöcke weiter hinten wohnt. Heike erledigt zwei mal die Woche kleinere Einkäufe und geht mit dem kleinen, schon in die Jahre gekommenen Pudel kürzere Wege spazieren, wobei ich sie bereits des öfteren begleitete.

Wie tief sitzt da noch die Weihnachtsgeschichte, über das Tannenbäumchen das keiner haben mochte, die mich bis zum heutigen Tage begleitet. Wie bedauerlich ist doch die Tatsache, dass unzählige Menschen nicht nur an Weihnachten vergessen werden, alleine feiern müssen.

So brennt immer heißer in mir eine Idee, die dann auch gleich ausgeführt wird. Heike und ich nehmen eines der Bäumchen und gehen schnurrstracks direkt unangemeldet zu der alten Dame. Während Heike klingelt, steige ich im Schlepptau mit meinem Bäumchen über die Brüstung der Erdgeschoßwohnung. Auf dem Balkon platziere ich es schön vor ihrem Fenster.

Mühsam und langsam sehe ich die alte Dame mit Heike in die Wohnstube laufen, die direkt am besagten Balkon grenzt. Meine Freundin öffnet mir die Balkontüre. Mit großen Augen, die wieder mit Leben gefüllt sind schaut uns die Dame an. Aus einem wunderschönen alten Schrank mit Intarsienarbeiten holt sie altes wieder schön zusammengelegtes Lametta heraus. Auch ein seidig rotes Band kommt zum Vorschein. Ich lege sorgsam das Lametta an den Baum und binde eine schöne rote Schleife, oben an die Tannenbaumspitze. Wie schön sieht er doch aus, unser Tannenbaum strahlt in seinem neuen Kleidchen und wir ebenso.

Wir schenkten Frau Mußgnug eines der wertvollsten Güter, die uns zur Verfügung stehen, „Zeit“ und Bäumchen als Symbol eines Weihnachtsblumenstraußes. Mehr als eine Stunde verweilten wir mit der alten Dame. Während ich mit dem kleinen Pudel einen kurzen Spaziergang mache, singt Heike Weihnachtslieder. – so waren beide beschenkt. Das alte Frauchen war so unbeschreiblich von unserem Besuch angetan, das wir uns alle mit großer Rührung und dicken Tränen in den Augen verabschiedeten.

Genau zwei Jahre später besuche ich die alte Dame im Krankenhaus. Leise wimmernd und abwesend liegt sie mit ihrem geblümten Nachthemd im  Krankenbett. Mit warmer leiser, ruhiger Stimme spreche ich zu ihr “ Frau Mußgnug, ich bin’s Isabell “ und nahm ihr dünnes Ärmchen und ihre kalten , kleinen , knochigen Hände und hielt sie für eine lange Zeit an ihrem Totenbett, bis sie sich plötzlich entspannte. Kein jammern war mehr zu hören. Hoffentlich durfte sie sich geborgen fühlen, hoffentlich durfte sie Frieden finden und schwerelos in eine andere Ebene des Seins reisen.

Von Peter Heinath

Bärle

Als Kind hatte ich immer eine Katze, manchmal sogar zwei und sie waren mir oft ein guter Wegbegleiter durch meine Kindheit. Und so zog sich immer so ein Katzenvieh wie ein roter Faden durch mein Leben und die Geschichte beginnt in meiner Junggesellenzeit, damals in Eisental. Der Vermieter  meiner Junggesellenwohnung hatte mir eines Tages eröffnet, dass er mir meine so liebgewonnene Bleibe leider kündigen müsse und zwar wegen Eigenbedarfs, sein Sohn wolle heiraten, er brauche den Wohnraum, was mich aber dazu nötigte, ein neues  Zuhause zu suchen. Also kam es, dass meine damalige Freundin und jetzige Frau und  ich unser Wigwam im Haus ihrer Eltern aufschlagen durften. In meiner Junggesellenzeit war es mir leider nicht möglich, dass eine Katze mein Leben begleitet hätte, da ich des Broterwerbs wegen viel außer Haus war und gar keine Zeit aufbringen konnte, mich um einen vier-pfotigen Hausgenossen zu kümmern, geschweige ihn artgerecht zu verköstigen.

Nach einigen Wochen der Akklimatisierung im neuen Heim dachte ich in Anwesenheit meiner Schwiegermutter einmal laut nach: „Ein Zuhause ohne eine Katze ist eigentlich kein Zuhause und ich hätte gerne einen Stubentiger zum Hausgenossen“. Im nachhinein musste ich leider zugeben, dass es besser gewesen wäre, die Frage über die Anschaffung eines Haustieres etwas diplomatischer zu gestalten. Die eizige Reaktion, die meine Äußerung auslöste, war nur der lapidare Satz: „Wenn du mir eine Katze ins Haus bringst, steck ich sie am nächsten Morgen in die Zeitungstasche und lasse sie irgendwo laufen, an einem Ort, von dem sie nicht mehr nach Hause findet.“ Dazu muss man wissen, dass meine Schwiegermutter Zeitungsausträgerin dieser regionalen Tageszeitung war und damals hätte ich ihr eine solche Tat wahrschein schon zugetraut. Aber mein Sternzeichen ist Widder und ein Widder gibt nicht so schnell auf. Ohne auf diese, für Katzenfreunde wirklich abstoßende Äußerung zu achten, versuchte ich bei meiner Freundin Silvia Sympathie für mein Vorhaben zu bekommen. „Mein guter Bekannter Norbert in Altschweier hat mir vor einiger Zeit gesagt, „ihre alte Katze habe so viele Junge bekommen und ob ich nicht eins oder zwei haben wolle, er möchte auch kein Geld  und ich könnte die Kätzchen sofort mitnehmen, müsse aber dafür geeignetes Behältnis mitbringen“. Silvia meinte nur: „Du musst wissen was du tust“, was ich sogleich als Einwilligung zu meinem Vorhaben einstufte. Ohne lange zu überlegen, nach Feierabend stand ich in Altschweier, um mir den Wurf der „Norbertschen Katzenmutter“ genauer zu betrachten. Eine Katze kauft man sich im Sack, sagte ich zu Norbert und holte denselben gleich aus meinem Kofferraum, um unser neues Haustier darin für den Heimtransport verstauen zzu können. Ich hatte mir natürlich schon ein Kätzen ausgesucht, nämlich das wildeste, das in dem Wurf zu finden war. Denn nach dem Studium mehrerer Fachbücher über das Verhalten von Jungkatzen wurde geraten, nur die muntersten und lebendigsten aus einem Wurf zu nehmen, da diese am resistensten gegen Krankheiten seien. Ich hatte mich für ein fauchendes kleines schwarz-weißes Bündel entschieden, steckte es mit Hilfe von Norbert in den mitgebrachten Sack, taufte die Katze Bärle und fuhr mit verkratzten und blutenden Händen nach Hause.

Wie ich es voraussah, so war es auch. Bärle wurde kaum eines Blickes gewürdigt, nur der Schwiegervater der bisher nicht in Erscheinung getreten war sagte nur: „Wir können das arme Tier doch nicht verhungern lassen“, stellte dem Bärle eine kleine Schüssel Milch hin, was von der Schwiegermutter mit Absicht ignoriert wurde. Die Zeit heilt alle Wunden und so wurden meine Hände wieder heil, alle Hausbewohner gewöhnten sich an den neuen Hausgenossen, wenn auch mit manchen Problemen. Das größte Problem waren hauptsächlich unsere Arbeitszeiten, weil Sivia und ich und mein Schwiegervater  berufstätig waren und den ganzen Tag bis ca. 16.30 außer Haus waren, so dass meine Schwiegermutter den Hauptteil der Katzenbetreuung übernehmen musste, was ihr wieder Erwarten  auch ganz gut gelang und sie eine, wenn auch ambivalente Beziehung zum „Bärle“ aufbaute. Das lag hauptsachlich daran lag, dass das kleine Bärle noch nicht unbedingt stubenrein war und natürlich die Beziehung zu meiner Schwiegermutter und mir erheblich belastete. Abends war dann für mich „Putzzeit“ Mit der Zeit löste sich auch dieses Problem und alle waren ein „Herz und eine Seele“. Die Eingewöhnungsphase im neuen Zuhause war für das Bärle und alle vorbei und die Weihnachtszeitstand vor der Tür. Es war der 24.12.1982. Die Weihnachtsvorbereitungen waren in vollem Gang, alles fieberte auf die Bescherung hin, und kurz bevor es soweit war, fragte meine Schwiegermutter, wo ist eigentlich unsere Katze? Niemand hatte eigentlich auf das Bärle geachtet, aber jetzt am Heiligabend sollte sie nun doch dabei sein. Doch wo war sie? Alles rufen nutzte nichts, sie kam nicht wie gewohnt herein. Wir warteten und warteten, die Katze war nicht in Sicht. Ohne große Begeisterung  aßen wir unsere Wienerle mit Kartoffelsalat und mutmaßten, wo das Bärle wohl stecken könnte. Die Zeit verging und wir hatten uns entschlossen, die Geschenke nun doch auszupacken. Die Kerzen am Christbaum waren angezündet, Weihnachtslieder gesungen, aber eine richtige Weihnachtstimmung wollte einfach nicht aufkommen, weil ein Teil der Familie fehlte, das Bärle.

Es wurde später und später, kein Bärle in Sicht und Silvia  meinte noch, dass  es möglich wäre, dass unser Bärle von irgendwelchen Tierfängern in ein Forschungslabor entführt worden sein könnte, was ich aber gleich ins Reich der Märchen beförderte, aber nach längerem Warten dann doch nicht mehr für ausgeschlossen hielt. In letzter Zeit waren solche Sachen in der Zeitung gestanden. Außerdem bemerkte Peter, mein Schwager, dass in China in machen Regionen Katzen auf dem Speißezettel standen. Uns standen schon die Tränen in den Augen, wenn irgendwer die Rede auf die Katze brachte und sogar die Schwiegermutter hat mit den Tränen zu kämpfen gehabt. Es hat alles nichts genutzt, das Bärle war nicht zum Weihnachtsabend gekommen. Später im Bett ließ ich dann auch meinen Tränen freien Lauf, weil am Heiligabend ohne meine Katze, das ging einfach nicht. In einer Sage wird behauptet, dass Tiere in der Heiligen Nacht mit den Menschen reden könnten, wenn sie nur wollen, aber ohne unsere Katze funktionierte das nicht und ich hatte ihr doch so viel zu erzählen. Aber ihr braucht nicht glauben, dass ich fest geschlafen habe; mit einem Ohr hab‘ ich immer gehorcht, ob das Bärle doch noch nach Hause kommt. Irgendwann schliefen wir dann ein, denn die Müdigkeit war stärker als der Wille, die ganze Nacht wach zu liegen. Dann morgens zwischen drei und vier weckte uns ein leiser Ruf. Ich habe das Bärle maunzen gehört, rief die Schwiegermutter und mit einem Satz waren wir beide aus dem Bett. Es hatte geschneit, der Schnee lag hoch und so konnte man in der Nacht jedes Geräusch ganz deutlich hören. Wenn ich bloß wüsste woher das Maunzen kommt, sagte sie. Es klingt so entfernt. Wir gingen alle in den Hof und lauschten. Ein leises Miauen war zu hören, aber in dem frischen Schnnee waren keine Katzenspuren  zu erkennen. Wir lauschten weiter, liefen im Hof herum, riefen die Katze und das Maunzen wurde lauter. Auf einmal war mir klar, wo das Maunzen herkam. Das Maunzen kam aus unserem Auto. Es maunzte aus dem Kofferraum unseres Autos heraus. „Hol schnell den Autoschlüssel“ sagte ich. Jetzt war alles klar, Silvia hatte morgens eingekauft, dann ausgeladen und in der Zwischenzeit musste  unser Bärle es sich im Kofferraum gemütlich gemacht haben. Der Kofferraum wurde wohl schnell zugeschlagen und weg war die Katz. So oder so ähnlich muss alles passiert sein. Die Katze verließ mit riesiger Katzenfreunde ihr unfreiwilliges Verlies und bekam sofort eine große Portion Katzenfutter. Sie fraß und legte sich danach gleich auf ihren Schlafplatz und schlief ein, als wenn nichts passiert wäre. Nächstes Jahr ist wieder Heiligabend, dann kann ich ja mit dem Bärle reden und das wird dann bestimmt eine längere Unterhaltung, hab ich mir im Halbschlaf zusammen geträumt. Das Weihnachtsfest 1982 werde ich wohl mein Leben lang nicht vergessen. Die Heimkehr  vom Bärle war das größte Geschenk  dass  wir in dieser Heiligen Nacht  bekommen haben.

Übrigens, das Bärle gab es wirklich. Sie wurde  ein Katzenoldtimer von fast 17 Jahren  und hat  noch viele Weihnachtsabende erlebt.

von Horst Gerspach

1947 war ich gerade 5 Jahre alt und ich wünschte mir zu Weihnachten ein Pferdefuhrwerk zum spielen, so wie sie in der Zeit in Mühlburg auf der Straße zu sehen waren.

Am Heiligabend stand unterm Christbaum mein von mir so sehr gewünschtes Pferdefuhrwerk mit zwei weißen Pferden (Schimmel) und der Wagen war beladen mit Baumstämmen.

Der glücklichste Bub der Welt war ich. Aber dann – ein Jahr später – 1948 war im Herbst mein Pferdefuhrwerk weg. Es war nirgends aufzufinden, ich bat das Christkind mir noch einmal ein Pferdefuhrwerk zu bringen. Weihnachten Heiligabend war es unterm Christbaum, aber da waren die Pferde schwarz (Rappen) und der Wagen war beladen mit Bierfässern von der Brauerei Sinner. Ein herrliches Spielzeug, das war ein tolles Weihnachten.

Das spielte sich so jedes Jahr ab, einmal braune Pferde dann Schecken und jedes Mal eine andere Beladung. Bis ich eines Tages, erfuhr als ich etwas älter war, wer das alles anfertigte, mein Babba, hatte den Auftrag vom Christkind mir jedes Jahr eine neue Freude zu machen, auch wenn es immer dasselbe Pferdefuhrwerk war in immer neuer Gestaltung.

von Carmen Dietz:

Es war das Jahr 1963, kurz vor Weihnachten wünschte ich mir ein Paar Hausschuhe – rosa mit tief blauem Karo, und das von der Firma Romika, damals der Inbegriff für Hausschuhe. Ich selbst bin Jahrgang 1950 und somit 13 Jahre alt. Und tatsächlich, standen unterm Christbaum, schön geschmückt, mit viel Lametta meine Hausschuhe, in der beheizten Stube.

Die gute Stube wurde nur am Wochenende geheizt,  unter der Woche waren nur Eisblumen am Fenster. In diesem Jahr lag der Schnee hoch am Straßenrand und auch die Straßen waren dick mit Schnee bedeckt. Meine Freude über meine rosa – blau – karierten Hausschuhe, die auch noch ein riesengroßer rosa Pelz zierte, war kaum zu beschreiben. Mein Stolz war so groß, über diese Hausschuhe, dass ich mit ihnen zur Mitternachtsmette wollte.

Meine Mutter hoch entsetzt, mit denen kannst du nicht in die Christmette, die Leute denken, wir können und keine Stiefel leisten und draußen liegt viel Schnee. Ich war dann so trotzig, weinte und sagte, dann gehe ich nicht mit zur Kirche. Nach langem hin und her erlaubte meine Mutter schließlich mit diesen Hausschuhen die Christmette zu besuchen.

Voller Freude und Hingabe stolzierte ich glücklich in die Christmette, bedacht, dass jeder meine neuen Hausschuhe sehen konnte. Dabei sah ich viele lächelnde Gesichter, der älteren Menschen, die sich mit mir freuten. In der Kirche führte ich all meinen Schulkameraden meine tollen Hausschuhe vor. Viele beneideten mich um meine rosa – blau – karierten mit riesen großen rosa Pelz besetzen Hausschuhen. Dies war mein schönstes Weihnachtsgeschenk, an das ich bis heute an jedem Weihnachtsfest gerne zurückdenke.

von Heinz Gorzitza

Weihnachten, Heiligabend 1973.

Draußen ist es dunkel und kalt. Drinnen verbreitet der Ofen eine angenehme, mollige Wärme, der Tannenbaum ist mit echten Wachskerzen hell erleuchtet. Unter dem Baum liegen zwei große, in rotem Weihnachtspapier , eingepackte Geschenke. Mein Bruder und ich können die Bescherung kaum abwarten. Als es endlich soweit ist, werden die Geschenke schnell aufgerissen, das Papier achtlos beiseite geräumt.

Trainingsanzüge! Die hatten wir uns so sehr gewünscht, da wir unbedingt zum Fußballtraining wollten, aber man hierfür eben Trainingsanzüge benötigte, die wir nicht besaßen! Beim zweiten hin sehen dann die Enttäuschung! Es waren nicht die Anzüge in dunkelblau mit den drei Streifen, die damals so einmalig waren, aber auch sehr teuer, sondern undefinierbare, dunkelgraue aus Wolle. War es überhaupt Wolle ?

Egal, für das Training würden sie bestimmt reichen! Wir waren unserer Mutter deshalb nicht böse, Sie hatte das Geld damals einfach nicht, darum eben die billigere Variante. Wir freuten uns aufs erste Training, zogen natürlich unsere neuen Anzüge an. Was uns gleich auffiel, alle anderen hatten die von uns so begehrten Stücke, wir waren die einzigen mit diesen schlecht geschnittenen, viel zu großen Teilen. Der Spot sollte nicht lange auf sich warten lassen! Schon beim Aufwärmen gab`s dumme Sprüche, wurden wir von unseren Trainingskollegen gehänselt und ausgelacht. Weinend flüchteten wir in die Kabine, die Trainingsanzüge haben wir nie mehr angezogen!

Zum Fußballtraining haben wir uns auch nicht mehr getraut, das erste Training war zugleich auch das letzte. Wir waren traurig und geknickt, hätten doch zu gern Fußball gespielt! Daraufhin bin ich zum Leichtathletiktraining. Ein Klassenkamerad, er war der der beste Sprinter im Verein, nahm mich mit. Nach vier Wochen im Verein wurde ich schon zum ersten Mal Kreismeister im Sprint. Es folgten weitere schnelle Erfolge bei verschiedenen Wettkämpfen. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich sämtliche Vereinsrekorde gebrochen, mein Schulfreund war neidisch, da er nicht mehr die Nummer eins war und verließ den Verein.

Ausgerechnet derjenige Trainingspartner, den er in den Verein mitgebracht hatte, lief ihm den Rang ab. Ich wollte das nicht, es war aber auch nicht zu verhindern. Wieder einmal war ich der Buhmann, konnte nichts dafür, wollte nur das machen, wozu ich Talent hatte: „ schnell, möglichst schneller als die anderen rennen!“

Endlich mal die Anerkennung erfahren, die ich in anderen Bereichen nie erfahren durfte. Wir hatten ja sonst nichts, mit dem wir glänzen konnten. In einfachen Verhältnissen aufgewachsen, verfügten wir über meist weniger als die anderen. Endlich mal etwas, in dem besser war, das tat natürlich gut. Hier war ich nicht der Außenseiter, sondern Schulbester im Leichtathletik, Schlussläufer bei Schulstaffeln. Für die Schulwettkämpfe wurden wir sogar vom Unterricht frei gestellt. In der Schule war mein Name dadurch bekannt.

Somit war es im Nachhinein mein schönstes Weihnachtsgeschenk, da mir erst der besagte hässliche Trainingsanzug indirekt zum Erfolg im Sport und neuem Selbstbewusstsein verhalf.

Übrigens bin ich heute noch der Leichtathletik im Seniorensport eng verbunden und nehme wieder an Wettkämpfen teil, zwischendurch sogar durchaus erfolgreich. Oft muss ich, mit Wehmut , an die damalige Zeit zurück denken!

von Axel Zimmermann:

Im Juni 2009 lernte ich meine zukünftige Frau Annette kennen. Unser erster gemeinsamer Urlaub führte uns im Oktober nach Hamburg. Zum Weihnachtsfest 2009 bekam ich von ihr einen Reiseführer eines namhaften Verlages geschenkt, so dass ich mich über die Bedeutung dieses Geschenkes wunderte. Hatte es ihr so gut gefallen, dass sie diese Reise schnellstmöglich nochmal mit mir unternehmen wollte? Erst auf den zweiten Blick las ich meinen Vornamen auf dem Buchdeckel Wie konnte das sein?

Als ich das Buch aufschlug, merkte ich, dass es sich hierbei nicht um einen Reiseführer handelte: Annette hatte mir ein sehr liebevoll gestaltetes Buch mit unseren Urlaubsfotos und vielen schönen Anmerkungen erstellt. Beim Durchblättern des Fotobuches war ich so gerührt, dass ich meine Tränen nicht zurückhalten konnte. Es ist das überraschendste und persönlichste und somit auch das schönste Geschenk, das ich je bekommen habe.

von Raphaele Kind:

Ich erinnere mich an eine schöne Begebenheit aus der Zeit als mein Neffe, der mittlerweile selbst Vater eines kleinen Sohnes ist, etwa zweieinhalb Jahre alt war. In den Wochen vor Weihnachten fragte ihn meine Schwester immer wieder, was er sich denn vom Christkind wünsche und er antwortete in seiner goldigen Kindersprache jedes Mal nur: „Sokolaade“! Meine Schwester amüsierte sich über diesen vergleichsweise bescheidenen Wunsch und versuchte ihn durch Vorschläge wie, Spielzeugbagger, Bilderbuch, Lego-Steine und ähnliches zur Preisgabe eines „richtigen“ Wunsches zu bewegen. Aber immer kam die gleiche Antwort: „Nein, Sokolaade!“

Das Weihnachtsfest rückte näher und natürlich lagen an Heilig Abend unter dem Weihnachtsbaum einige „richtige“ Geschenke für ihn.

Nachdem die Weihnachtsgeschichte vorgelesen und die traditionellen Lieder gesungen waren, durfte ausgepackt werden und meine Schwester beobachtete gespannt, wie die Überraschungen wohl ankommen würden. Der Kleine packte zunächst den Bagger, dann das Bilderbuch und die Lego-Steine aus, legte aber alles mehr oder weniger achtlos zur Seite. Eine Spur von Panik kam über sein vor Anspannung gerötetes Kindergesicht und es war unschwer zu erkennen, dass eine Frage ihm durch den Kopf ging, nämlich, ob das denn alles gewesen sein sollte.

Schließlich kam er zum letzten ihm zugedachten Päckchen, in welchem sich, seinem Wunsch entsprechend, eine Tafel Vollmilchschokolade befand.  Nachdem er endlich in seinen kleinen Händchen hielt, was er so lange ersehnt hatte, fingen seine Augen an zu strahlen und es entfuhr ihm in kindlich andächtigem Tonfall:  „S o k o l a a a a d e!!!“

Sogleich nahm er die süße Kostbarkeit, setzte sich auf’s Sofa, wickelte sie, mit für sein Alter ungewöhnlicher Geduld, aus dem Papier, schob sich genüsslich einen Riegel Schokolade in den Mund und war zweifelsfrei … glücklich.

Erst viel später im Verlauf des Abends hat er dann wohl auch mit dem Bagger gespielt.

von Birgit Münch:

Vor 52 Jahren bekam ich mein schönstes Weihnachtsgeschenk. Zu dieser Zeit kamen Puppen auf den Markt, welchen man das Fläschchen geben und anschließend auch noch wickeln konnte. Bei einem vorweihnachtlichen Stadtbummel mit meiner Mutter verliebte ich mich in ein solches Negerpüppchen, das für 20 Mark bei Hertie im Schaufenster zu sehen war. Da schon mein Wunsch nach einem Geschwisterchen nicht in Erfüllung ging, wollte ich zumindest dieses Püppchen bemuttern. Doch auch dieser Wunsch musste von meinen Eltern abgelehnt werden, da sie für unseren Hausbau extrem sparen mussten. Schweren Herzens zeigte ich Einsicht, weil mir ein eigenes Zimmer natürlich noch wichtiger war. Heute noch empfinde ich die große Freude, die ich hatte, als ich an Heiligabend das Geschenk von meinen Großeltern öffnete und das darin enthaltene Püppchen mir meinen heiß geliebten Wunsch erfüllte.

von Monika Rink:

Es muss 1953 oder 1954 gewesen sein. Ich war gerade 5 oder 6 Jahre alt geworden. Wie üblich an Heilig Abend mussten mein Bruder, unsere große Schwester und ich im Nebenzimmer auf das berühmte Läuten des Glöckchens warten bevor wir in die angrenzende Stube mit dem Weihnachtsbaum durften. Nach der Lesung der Weihnachtsgeschichte war es endlich soweit: als Jüngste durfte ich als Erste mein Geschenk auspacken: Eine Puppe!!! Meine Sabine!!!

Sie ist mit mir alt geworden, bekam immer mal wieder neue Kleider und ich sehe sie jeden Tag. Was ich vorher oder danach als Geschenk an Weihnachten bekam weiß ich nicht mehr. Ich habe nur meine Sabine im Herzen behalten.

von Birgit Mandel:

Mein schönstes Weihnachtsgeschenk…
… war kein teures Schmuckstück oder Parfüm – nein ein Gutscheinbuch von meinem Mann – selbst gestaltet zu Weihnachten 2003.

Der Inhalt waren 4 x 3 Gutscheine über:

„ein Frühstück zu Hause zur Zeit deiner Wahl“ … Dazu muss ich sagen, dass wir beide gerne frühstücken aber mein Mann eher der Langschläfer ist und ich normalerweise das Frühstück bereite.

„einen Tag Shopping ohne Murren Knurren“ … Dazu ist nicht viel zu sagen, denn Männer gehen nur einkaufen, wenn sie etwas brauchen und dann kaufen sie halt gleich 2 x die gleichen Schuhe oder mehrere Hosen (auch wenn diese ein Jahr später nicht mehr passen). Diese Gutscheine wurden alle eingelöst.

“für einen Abend ohne Computer. Ab 18 Uhr PC aus – kein Gerede über Hardware, Software usw.“ … Also zuhause war es nicht möglich, diesen Gutschein gleich 4 x einzulösen, das ging nur auf unserer Transatlantik-Kreuzfahrt, denn da war entweder kein Internetempfang oder es war einfach zu teuer.

Aber dieses Gutscheinbuch war doch eines der schönsten Geschenke. Ich durfte auch einen Gutschein gegen einen anderen tauschen. Also tauschte ich „freier Computer-Abend“ gegen „Shopping-Tour“ ein – somit konnte ich alle Gutscheine einlösen.


von „Roswitha“:

Ich muss so ca. 5 1/2 Jahre alt gewesen sein! Weihnachten 1960! Ganz lange Zeit hatte ich im Kindergarten eine damals sehr aktuelle Gummipuppe im Auge. Diese Puppe hatte bewegliche Arme und Beine. Der Kopf war ebenfalls beweglich, hatte aber nur eine „Gummifrisur“!  Ausserdem hatte sie ein wunderschönes kariertes Kleid an. Als kurz vor Weihnachten mein Vater mich fragte: „Roswitha, was wünschst Du Dir denn zu Weihnachten?“, habe ich wie aus der Pistole geschossen geantwortet: „Bitte Papa, so eine Gummelepuppe, wie die von der Puppenecke im Kindergarten!“

Mein Vater muss wohl im Kindergarten diese Puppe aufgesucht haben, denn am Heiligen Abend durfte ich mit hochroten Wangen diese so  wunderschöne Gummelepuppe, mit dem schönen Karokleidchen, an meine Brust drücken. Den ganzen Abend war von mir nichts mehr zu hören. Ich  war überglücklich, nun meine eigene Gummipuppe zu haben, und sie mit niemandem mehr teilen zu müssen!

Die Puppe lebte bis ins Jahr 1968. Meine zwischenzeitlich geborene kleine Schwester ramponierte sie unsanft, weil sie alle Fingerkuppen und Fußzehen abkaute. Irgendwann enthauptete sie sie auch noch! Meine  Mutter muss sie dann wohl entsorgt haben. Erst viel später bemerkte  ich den Verlust, weil ich zwischenzeitlich nicht mehr bei meinen Eltern wohnte. Wo meine so geliebte Puppe letztendlich abgeblieben ist, hat mich noch sehr lange Zeit beschäftigt; war sie doch schließlich meine „erste große Liebe“!

von Barbara Krumnes:

Bandsalat

Es war Weihnachten 1973 und ich war 13 Jahre alt. Mein sehnlichster Wunsch war ein Kassettenrekorder mit Mikrofon um die Lieder meiner Idole, deren BRAVO  Scherenschnitte ich Heft für Heft sammelte, aufnehmen zu können und wann immer ich wollte, anzuhören. Ich stellte mir schon vor, wie ich nachmittags den „Pop Shop“ hören würde und meine Lieder aufnehmen könnte. Ich war vorher immer heimlich in das Zimmer meines sechs Jahre älteren Bruder, der ein Tonbandgerät und einen Plattenspieler sowie eine ansehnliche Schallplattensammlung besaß, geschlichen. So eine Musiksammlung wollte ich mir auch zulegen, denn ich hatte nur ein Radiogerät in meinem Zimmer. Mein Wunsch wurde an Weihnachten von den Eltern erfüllt und man sah mich am 1. Feiertag kaum, da mein Zimmer zum Aufnahmestudio wurde und strengstens Zutrittsverbot für den jüngeren Bruder und meine Eltern herrschte. Eine leere Kassette war im heiß ersehnten Paket dabei gewesen und die wurde nun stark strapaziert. Ich fing gleich an, die Lieder aus dem Radio aufzunehmen, zurück zu spulen um die Moderatoren, Nachrichten und Werbebeiträge, die so oft vor Ende eines Liedes kamen, wieder zu überspielen. Es kam, wie es kommen musste – die Kassette, die meine Lieblingslieder speichern und wiedergeben sollte, produzierte irgendwann einen Bandsalat. Sie ließ sich zwar wieder mit Hilfe eines Kugelschreibers aufwickeln, aber beim Abspielen eierte die Kassette und es war auch mit viel Hörtoleranz kein Musikgenuss so wie ich mir das vorgestellt hatte. Der Rest der Feier- und  Ferientage erschien für mich somit wieder zur Musik-Steinzeit zu werden. Hilfe kam durch meinen Bruder, der vielleicht mitfühlen konnte, wie eine Musikabstinenz sich anfühlt und sich ein Herz fasste.

Er fuhr mit mir gleich am ersten verkaufsoffenen Tag nach Bruchsal und kaufte mir nicht nur eine neue Kassette sondern auch eine bereits mit top aktuellen Titeln bespielte.  Zu Hause gab er mir noch Tipps, wie ich am besten aufnehmen konnte. Wenn ich an damals zurückdenke, war es vielleicht gar nicht, der Kassettenrekorder, der das schönste Geschenk war, sondern die Hilfe meines Bruders auch wenn er vielleicht nicht ganz eigennütze Absichten dabei hatte und sein „Reich“ zukünftig vor mir in Sicherheit sah.

von Karin Michaelis-Jähnke

Ich erinnere mich noch sehr gut an das Weihnachtsfest 1954, das erste Weihnachten, das wir nach unserer Flucht aus der DDR 1953 in der ersten eigenen, aber-, da wir ja alles hatten zurücklassen müssen- noch sehr karg eingerichteten Wohnung im Westen feiern konnten. Trotz aller Anstrengungen der Eltern fiel die Bescherung folglich auch recht mager aus. Aber das war, so glaube ich heute, nicht mein Hauptproblem.  Jedenfalls erinnere ich mich daran, dass ich (ich war damals 13)  als Hauptgeschenk einen Gutschein für einen Wintermantel erhielt, der im Januar im Winterschlussverkauf gekauft werden sollte. Und von meinen Großeltern bekam ich wunschgemäß eine lateinische Grammatik (Fundamentum Latinum), die ich für die Schule brauchte –  ich wollte nämlich auch zu gerne mal ein ganz neues, edles Schulbuch in Händen halten, das noch niemand vorher besessen und mit seinen Kritzeleien und Unterstreichungen versehen hatte. Außerdem bekamen meine mittlere Schwester und ich dann noch zusammen irgendein Brettspiel. All das erschien mir plötzlich  ziemlich prosaisch und ich war auf diffuse Art enttäuscht.

Dann sah ich das Gabentischchen meiner jüngsten Schwester, und plötzlich erfüllte mich wehmütiger Neid: da lag eine von meiner Mutter liebevoll ausstaffierte Puppe in einer ebenso liebevoll ausstaffierten blauen (gebraucht gekauften) Puppenwiege. Natürlich wollte ich kein kleines Kind mehr sein und natürlich auch keine Puppe mehr geschenkt bekommen, aber es war doch schmerzhaft, dass nun die große Nüchternheit der Erwachsenen die Oberhand gewonnen hatte.

Von Barbara Merkelbach:

Mein Name ist Barbara ich wurde am 25. Dezember 1948 geboren, deshalb war Weihnachten für mich immer etwas ganz Besonderes. Mein Vater hatte in der Zeit seinen Meister gemacht und ein Malergeschäft gegründet. Wir kamen gerade so recht und schlecht durch den Alltag, aber es ging vielen Familien so und man war zufrieden. Für Geschenke hatte man nicht viel Geld es gab Wichtigeres. Aber ein Weihnachten werde ich nie vergessen. Ich war 5 Jahre meine Großeltern aus Schwäbisch Hall waren da und die Witwe mit Ihrer Tochter, die im Haus wohnten, waren auch eingeladen. Keiner durfte ins Wohnzimmer nur Mutti richtete alles. Die Spannung stieg. Meine Oma schaute durchs Schlüsselloch und berichtete mir was Sie so sah. Zum Abendessen gab es panierten Karpfen und als Nachtisch Kastanien Püree mit Sahne. Das war Tradition. Endlich wurde das Zimmer aufgeschlossen und ich durfte eintreten, den herrlichen Baum mit seinen Lichtern sah ich nicht, denn darunter stand ein Puppenbett mit Himmel…woher hatte das Christkind nur gewusst was ich mir wünsche…alles war mit zart rosa Stoff ausgeschlagen, auf dem kleine Figuren aufgedruckt waren. Der Korb war ein alter Wäschekorb der durch ein Schmiedeeisen Gestell gehalten wurde und auf einen Holzwagen aufgeschraubt war. Der Himmel war das tollste und in dem Korb lag eine Puppe. Die Puppe war aus Pappe aber das tat der Liebe keinen Abbruch. Später hatte ihr das ständige Baden und waschen geschadet, denn Hände und Füße schwollen mit der Zeit an. Keiner hatte so ein Puppenbett man konnte es sogar schaukeln. Alles glänzte weiß lackiert, ich konnte mich nicht satt sehen.
Erst Jahre später hat mir meine Mutti erzählt, dass der Schmied aus der Nachbarschaft Ihr das Gestänge gemacht hatte, den Korb bekam Sie geschenkt und die Bretter mit vier alten Räder hatte mein Vater aufgetrieben. Vati hatte alles lackiert u Mutti alles mit Stoff ausgeschlagen. Es war für mich ein Traum. Das Sondermodell wurde viel bewundert und ich habe lange damit gespielt..
Es kommt an Weihnachten nicht darauf an, wie teuer ein Geschenk ist, denn manch Gebasteltes oder mit Mühe hergestelltes bleibt in der Erinnerung ein Leben lang.
Nun bin ich alt und habe Kinder und Enkel die gerne an Weihnachten die Geschichten von früher hören. Es ist vieles gleich geblieben. Die Tanne, die strahlenden Kinderaugen, der Duft nach Plätzchen und eine zufriedene Dankbarkeit macht sich bei allen breit. Gesegnete Weihnacht.

Von Christa Bühling:

Nun steht der erste Advent vor der Tür, da wird mir  die vergangene Weihnachtzeit aus meiner Kindheit ganz gegenwärtig. Und wenn ich all die leuchtenden  Dekorationen  in den Läden und auf der Straße sehe, denke ich, wie wenig wir hatten und doch war die Spannung und die Freude riesengroß gewesen.

Die Advents- und Weihnachtszeit  begann am 1. Advent und ich erinnere mich, dass ich sehr aufgeregt war, denn nun war eine Zeit voller Geheimnisse gekommen und mir schien es, als habe der Himmel sich geöffnet und alle himmlischen Wesen bevölkerten die Erde. Allgegenwärtig waren sie, aber leider für mich nie zu sehen, obwohl ich mich sehr anstrengte, einmal einen leibhaftigen Engel zu erblicken. Aber immer waren diese Wesen gerade wieder davon geflogen und ich konnte nicht einmal den Saum eines Kleides erkennen.  Es wurde gestrickt, gestickt, gebacken und an den Abenden, wenn wir beisammen saßen, aus den „Spinnstubengeschichten“ vorgelesen. Und das ganze Haus war von Geheimnissen umgeben.

Endlich war der Weihnachtstag gekommen und das Wohn- und Esszimmer wurde abgeschlossen, weil nun das Christkind kam, das wir Kinder ja nicht sehen durften. Die Erwachsenen gingen geschäftig aus und ein, da sie das Christkind bei seiner Arbeit unterstützen mussten und es war mir einfach nicht möglich, einen Blick in die geheimnisvollen Zimmer zu werfen, so sehr ich mich auch anstrengte. Erst am Abend, wenn das Christkind das Glöckchen läutete, durften wir in das festlich beleuchtete  Zimmer mit dem wunderbar geschmückten Christbaum. Da war die Freude groß.

Ein Weihnachten war für mich ganz besonders, das war im Jahr 1949. Der Krieg war nun bereits 4 Jahre vorbei und mein Vater, der in russischer Kriegsgefangenschaft war und so viele Jahre schrieb , dass er wohl bis Weihnachten zu Hause sein würde, war nun tatsächlich im September 1949 nach Hause gekommen. Für uns Kinder waren Väter oft nur aus den Erzählungen der Mütter, den Briefen oder den Bildern gegenwärtig,   aber als Mensch waren sie  nicht anwesend. Ich erinnere mich an so manche Spielkameraden oder Nachbarskinder, deren Väter „vermisst, verschollen oder gefallen“ waren. Mein Vater war wenigsten noch am Leben, aber er war halt doch sehr weit weg. Er war seit 1942  Soldat in Russland und nach meiner Geburt 1944 konnte er nicht mehr nach Hause kommen. Als er heimkehrte, nahm unsere Tante  meinen Bruder Dieter und mich zum Hauptbahnhof  mit und ich war schrecklich aufgeregt, als die Durchsage kam, dass der Zug aus Ulm bald einfahren würde. Nun endlich hatte ich einen richtigen Vater, den man anfassen konnte und der einen auf den Arm nahm.  Da stand er dann mit meiner Mutter und ich war glücklich und habe ihn sofort an die Hand genommen.

Dieses Weihnachtsfest, an dem mein Vater plötzlich auch in den abgeschlossenen Zimmern verschwand und geheimnisvolle Dinge tat, das war für mich etwas ganz besonderes. Ich glaube, ich hatte das Gefühl, dass wir nun endlich eine richtige Familie sind – Vater, Mutter, Kinder!  Das war schön und für mich ein wunderbares Geschenk.

Von Bernhard Bischoff, Hambrücken:

Kurze Vorgeschichte: Meine Eltern sind Kriegsflüchtlinge aus der Vojvodina ( ehemaliges Jugoslawien) aus dem 9 000-Seelendorf Kernei (Krnjaja). Vaters direkte Vorfahren stammen aus dem Ort Vinningen bei Pirmasens und die meiner Mutter aus Mecklenburg-Vorpommern. Beide waren verlobt und wurden durch den Zweiten Weltkrieg getrennt. Er als Soldat und Sie nach Russland interniert. Durch Schussverletzung bei der Invasion in Frankreich kam Vater in ein Lazarett nach Bad Königstein im Taunus. Dort lernte er einen Verletzten aus Forst bei Bruchsal kennen, der in mit nach Forst nahm. Dort war keine Arbeit in Aussicht und so wurde er zu einem Bauern nach Unteröwisheim weitervermittelt und wurde von der Familie Oberst aufgenommen.

Durch Schwarzmarkthandel erfuhr er in Berlin, dass sich seine Verlobte und seine Mutter im Flüchtlingslager in Kiel aufhalten. Unterschiedlich trafen Beide dort ein. Meine Mutter flüchtete aus der Russischen Gefangenschaft und kam so nach Kiel. Vaters Mutter floh aus der Heimat mit einem Treck, liefen bis nach Bad Reichenhall und wurde dort per Bahn ebenfalls nach Kiel gebracht. So konnte mein Vater beide dort abholen und Sie mit nach Unteröwisheim bringen, wo man zu dritt in einer Wohnung lebte.

Am 26. 2. 1949 heirateten meine Mutter und mein Vater in Unteröwisheim. Ich wurde am 16.09.1949 im Bruchsaler Krankenhaus geboren. Danach bekamen wir eine neue 3 Zimmer Wohnung im Gasthaus „Zum Lamm“, das von Unteröwisheimern (Fichtner), betrieben wurde. Danach leitete eine Flüchtlingsfamilie mit Namen Drescher, das Gasthaus. Nachdem ich dann 2 Jahre alt war und Weihnachten vor der Tür stand, meine Eltern keinen Kontakt zu Familien mit Gleichaltrigen Kindern hatte, war mein Herzenswunsch eine Puppe als Weihnachtsgeschenk zu erhalten.

Heilig Abend 1951 ging dann mein Wunsch in Erfüllung als die Bescherung stattfand. In einer Ecke unserer Küche lag eine Gummipuppe eingekleidet als Cowboy und weitere mit Mädchenkleidern sowie als Zugabe ein Schaukelpferd und einem Tiroler Hütchen. Mein Wunsch war also mehrfach in Erfüllung gegangen und man feierte zu viert den  Heiligen Abend weiter.

Weitere zwei Jahre später hätte ich meinen Wunsch nicht gebraucht, denn da wurden 1953 meine Geschister Adelheid und Adelbert, Zwillinge geboren. Ein Mädchen und ein Bube. Damit war das Glück der jungen Familie vollendet. Durch den Zuwachs war dann die Wohnung zu klein und es wurde in der Heidelsheimer Straße, ein Wohnhaus gebaut,  wo wir dann viele Jahre gemeinsam unter einem Dach lebten.

Von Gerborg Gaedtke aus Karlsruhe:

Nach zehn Monaten auf der Flucht hatte sich eine Fabrikantenfrau unserer Großfamilie mit sechs Kindern, Mutter und Kindermädchen erbramt und uns zwei Büroräume zur Verfügung gestellt. Im Lauf unserer Flucht aus Oberschlesien hatten wir einige Monate  bei einer Familie in Böhmen Zuflucht gefunden, mussten dann als „Reichsdeutsche“ aber weiter. Wenige Tage vor Weihnachten trafen wir auf eine Bekannte mit zwei Kindern. Auch sie nun Flüchtlinge. Die tapferen Mütter zogen los, um für Weihnachten ein Geschenk für die Kinder zu finden. Mit Erfolg: Sie brachten vier Pappmaché-Puppen für uns Mädchen mit. Ich erinnere mich nur noch an viel Glück beim fröhlichen Spiel mit unseren Puppenkindern, an Singen und an das Gefühl, gerettet und geborgen zu sein.

Von Helga Hofmann aus Karlsruhe:

Ja ich bin noch heute mit meinem schönsten Weihnachtsgeschenk im Kopf verbunden. Es war vor Adventszeit 1946 meine Mutter meine Schwester und ich kamen nach der Flucht von Danzig, in Schleswig-Holstein an, ohne Vater, der war noch in Gefangenschaft, kam aber bald zurück.

Ich beobachtete durchs Fenster, wie er seine Militärjacke in mehrere Stücke zerschnitt. Es kam Weihnachten und da wusste ich, was das Zerschneiden auf sich hatte. Mein Vater hatte mir einen Puppenkörper draus genäht. Er war sehr geschickt und meine Mutter war nach Itzehoe gefahren, um da Lebensmittelmarken gegen einen Puppenkopf zu tauschen. Es war ein Schildkröt-Kopf mit Schlafaugen.

Wir wurden dann 1954 nach Rastatt umgesiedelt. Im Flüchtlingslager wurde meine Puppen gestohlen. Noch heute muss ich traurig daran denken, wenn ich nach Rastatt fahre. Ich habe mir vor Jahren dann beim Döring in Karlsruhe eine Puppe mit Schildkröt-Kopf und Schlafaugen gekauft, die ich  jetzt in meinem Wohnzimmer sitzen habe.

von Renate Mechler aus Kraichtal:

Ich bin 1948 geboren. Meine Eltern waren Heimatvertriebene und hatten um eine neue Existenz zu kämpfen. An Weihnachten 1952 stand unter dem Weihnachtsbaum ein Puppenwagen, und es saß eine hübsche rothaarige Puppe darin. Meine Freude über das Geschenk des „Christkindes“ war riesengroß. Als ich mit der Puppe spielen wollte merkte ich, dass ihr linker Arm nicht mehr da war, wo er hingehörte, er lag einfach im Wagen, wahrscheinlich war das von Anfang an so.

Ich traute mich nicht, das meinen Eltern zu sagen aus Angst, geschimpft zu werden. So war es dann, dass ich außer der ersten Freude keine Freude mehr an der Puppe hatte sie auch nicht mehr anfasste, damit die Eltern nichts merkten. Jedes Jahr an Weihnachten erinnere ich mich an diese Begebenheit und auch daran, wie gut es den Kindern heute geht.

von Margot Müller aus Offenburg:

Es war zwei Tage vor Silvester.  Sie saßen sich  beim Mittagessen gegenüber. Käsespätzle und Grüner Salat gab es. Jeder aß still versonnen vor sich hin. Sie dachte: „Was denkt er  wohl gerade?“ Er dachte: „Was schaut sie so kritisch?“

Da sagte sie: „Es ist heute halt was einfaches. Wir müssen ja nicht immer auftischen und jeden Tag Fleisch essen.“ „Warum sagt sie so was?“ – denkt er. „Ich bin ja nicht schleckrig!“

„Na ja: An Weihnachten gab es Gans, an Silvester essen wir Fondue  und an Neujahr will ich Kalbsfrikassee  kochen“. „Ist ja gut, ich beklag mich doch nicht.  Mir schmeckt es ja!“

Wieder schaut sie ihn neugierig an. „Du“, fragt sie ihn, „an welches Essen denkst Du noch gerne, ich meine eines, das du nie mehr vergessen hast, weil es so gut war?“ „Als ich vier Jahre alt war“ – platzte es aus ihm heraus, – „nach dem Krieg, als es nichts gab, 1948,  wo wir hungerten und froren, da hab ich mir zu Weih-nachten einen ganzen Laib Weißbrot gewünscht – nur für mich allein.“

„Und?“ fragte sie, „hast Du Glück gehabt?“  „Mutter hat einen Laib aufgetrieben. Gott weiß, wie sie das geschafft hat.  Sowas Gutes hab ich nie mehr im Leben gegessen.“

Von Gerlinde Roos:

Ja, sie wird da sein, da bin ich mir sicher, so wie an jedem Heiligen Abend, seit ich denken kann. Sie wird dort stehen, wo sie immer steht, vertraut, verlässlich, altehrwürdig. Den Spuren vieler Kinderhände werde ich meine hinzufügen. Ob die Marzipangans und der Miniaturchriststollen wieder dort sein werden, wo ich sie erwarte, im  Blechherd und auf dem Küchenbuffet? Die Ölfarbe ist schon ein bisschen abgeblättert. Das stört mich nicht. Es muss so sein. Ich überlege, was ich kochen werde. Mutter hat die Töpfe und Schüsseln sicher mit Kakao, Weckmehl, Haferflocken, Rosinen und Nüssen frisch aufgefüllt. Der Puppenstubenfamilie wird das schmecken.

Sie verspricht uneingeschränktes Spielglück bis in die Januartage. Dann verabschiedet sich mein Weihnachtsbesuch bis zum nächsten Jahr. Ich freue mich darauf. Es wird sein, wie immer.

Angelika Merkel aus Rheinstetten:

Ich bin kein „Kind von Traurigkeit“, obwohl ich 1941 während des Krieges geboren bin. Wir waren drei Kinder. Ich das Kleinste, mein Vater im Krieg. Meine Mutter versuchte immer, dass sie auch für jeden von uns etwas zum Spielen hatte. So bekam ich zu Weihnachten eine Puppe. Ich war so ca. fünf Jahre. Die Freude war so groß, eine Puppe zu haben, die mir ganz allein gehörte. Ich nannte sie Charlotte.

Charlotte war genäht aus weißem Tuch, hatte richtig Arme, Beine, lange Zöpfe, die aus brauner Wolle gefertigt waren. Sie hatte ein schönes Gesicht, trug ein weißes Mützchen, das mit Spitze umrandet war.

Eines Tages wollte ich Charlotte einmal anders anziehen, und als ich das Mützchen runterzog und ihre Haare zur Seite legte, sah ich, dass Charlotte zwei Gesichter hatte. Zuerst war ich ein bisschen erschrocken oder überrascht. Ich fragte meine Mutter, warum Charlotte zwei Gesichter hat, und sie sagte: „Schau mal, das eine ist traurig, da hat sie Tränen, und das andere freut sich und lacht.“

Trotzdem liebte ich Charlotte so sehr. Sie begleitete mich überall hin, und war von nun an Charlotte mit den zwei Gesichtern. Jahre später sagte mir meine Mutter, warum. Sie hat die Puppe selbst gemacht, hat das Gesicht etwas vermalt, zog ihr eine Mütze auf und bemalte die Rückseite.

Das war meine schönste Geschichte, von und mit Charlotte, meinem schönsten Weihnachtsgeschenk. Meiner Tochter erzählte ich die Geschichte einmal, und wenn wir heute mal zusammen durch die Stadt schlendern und Stoffpuppen sehen, sagt sie: „Mama schau, wie deine Charlotte.“

Evelyn Vester aus Graben-Neudorf:

Wir zwei Mädchen, das Brüderchen war noch zu klein, wurden auf den Pforzheimer Hauptfriedhof gebracht, wo uns schon unsere Großeltern erwarteten. Sie kann jedes Jahr, um mit uns das Christfest zu feiern. In Pforzheim war und ist es Sitte, an Heiligabend auf dem Hauptfriedhof zusammenzukommen, im Gedenken an den Untergang der Stadt, die am 23. Februar 1945 völlig zerstört wurde. Viele Familien verloren ihre Angehörigen. Mein Großvater verlor seine ganze Familie. Er selbst wurde blind.

Die vielen Menschen mit Tränen in den Augen, was ich 1954 mit 10 Jahren nicht so richtig verstehen konnte, und die vielen Lichter, die überall auf den Gräbern brannten, werde ich nie vergessen. Der Trompetenchor und das gemeinsame „Stille Nacht, heilige Nacht“-Singen der vielen Menschen war für mich schon als Kind der Anfang jedes Weihnachtsfestes. Anschließend gingen wir mit unseren Großeltern nach Hause. Dort warteten schon meine Eltern, die uns erzählten, dass soeben das Christkind da gewesen wäre.

Als wir in das Wohnzimmer traten, den mit Kerzen und Lametta geschmückten Baum sahen, konnten wir es kaum erwarten, unsere Geschenke auszupacken. Erst aber wurde noch ein Weihnachtslied gesungen.

Ich hatte aber schon entdeckt, was ich mir so sehr gewünscht hatte: eine Skihose. Was aber war das? Ein Skipullover mit Norwegermuster? Wie oft hatte ich von diesem Pullover meinen Eltern und Großeltern vorgeschwärmt. Immer wurde mir versichert, dass er zu teuer wäre. Jetzt lag er vor mir, und ich konnte es nicht fassen. Diesen Pullover hatte ich, bis ich vor 15 Jahren in meinen jetzigen Wohnort gezogen bin, wo er mir, unter Anderem, bei einem Einbruch gestohlen wurde.

Maria und Katharina Kapprasch:

Heute war ich mit Mama in Rastatt bei Boos zum Großeinkauf für Weihnachten. Auf der Fahrt dorthin erzählte sie mir eine Geschichte:

Hildegard, eine Frau aus der Verwandtschaft, war noch zum Haareschneiden bei ihr gewesen. Sie erzählten und redeten eigentlich Belangloses und kamen irgendwann aufs Backen und auf Geschenke zu sprechen. Hildegard erzählte, dass sie nicht viel Weihnachtsgebäck brauchten, sie und Ulli essen ja gar nicht viel Süßes. Mama wiederum backt die ganze Adventszeit wie ein Weltmeister. Jedes ihrer Kinder und Enkelkinder soll ja von den „Weihnachtsbredlen“ etwas bekommen. Und wir freuen uns ja auch alle jedes Jahr auf Mamas Gebäck. Mama meinte dann auch, dieses Gebäck wäre ja auch das Weihnachtsgeschenk für uns alle. Dazu gibt sie uns auch noch etwas Geld, damit wir das kaufen können, was wir wirklich brauchen, oder wir können das Geld ja auch sparen.

Da war Hildegard dann ganz anderer Meinung. Es wäre doch viel interessanter und schöner, wenn Kinder, und auch die Großen, Geschenke auspacken. Sie fragt auch Kerstin und die Familie, was sie brauchen können, was sie für sie kaufen darf – und sieht halt gerne zu, wie alle ihre Geschenke auspacken und sich darüber freuen.

Mama war dann nach diesem Gespräch ziemlich bedrückt Sie wollte Hildegard – wie immer – für die neue Frisur bezahlen. Doch Hildegard wollte dieses Mal kein Geld von Mama annehmen – ein Weihnachtsgeschenk für Mama.

Aber Mama konnte sich nicht mehr so recht freuen. Mama bot Hildegard ein paar Bredlen an, Hildegard nahm aber nur sehr wenige mit und ging. Zurück blieb Mama, gedankenvoll und sorgenschwer, und wusste nicht, was sie jetzt machten soll. Sollte sie uns allen jetzt wirklich etwas kaufen und es auspacken lassen, wie Hildegard das so toll findet. Sie fragte sich, ob wir das wirklich überhaupt wollen, und setzte sich in ihrer Küche an den unordentlichen Tisch, auf dem noch alle restlichen Backsachen rumlangen. Sie saß lange, schaute die Unordnung von der Backerei an, konnte aber zunächst nicht wieder anfangen, etwas zu tun.

Auf einmal fiel ihr Blick auf eine Tüte, mitten in dieser Unordnung. Auf dieser Tüte, mittendrin, aber doch aufrecht über dem alten Kruscht, stand eine Backtüte. Auf dieser stand in großen Buchstaben: „Backen ist Liebe“

Mama schaute die Tüte an, und ihr wurde es wieder leichter ums Herz. Dieser Spruch war zur rechten Zeit am rechten Ort. So kann also beruhigt Weihnachten kommen, auch wenn sie keine Geschenke zum Auspacken hat.“ Während sie mir diese Geschichte erzählte, verdrückte sie ganz schnell ein paar Tränen, mir liefen sie aber runter, und ich konnte eine Weile nichts sagen, so gerührt war ich von Mamas Geschichte. Es sind die kleinen, unbezahlbaren Dinge, über die man sich riesig freut und die einem für immer in Erinnerung bleiben.