Umgang mit moderner Technik gehört zu einer Ausbildung in der Landwirtschaft dazu. | Foto: MLR / Potente

Gute Zukunftsaussichten

Minister Peter Hauk sieht in der Landwirtschaft eine Karrierechance

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Eine Berufsausbildung lässt sich auch in der Landwirtschaft absolvieren. Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, spricht im Interview mit den Badischen Neuesten Nachrichten über die entsprechenden Möglichkeiten und Chancen für junge Menschen.

Herr Minister, heutzutage denken viele Jugendliche beim Begriff Ausbildung an Tätigkeiten am Computer, im Verkauf, in der Verwaltung aber auch an das Handwerk und die Industrie. Das Thema Landwirtschaft hingegen scheint eher selten angesprochen zu werden. Dennoch ist dieser Wirtschaftsbereich, zumindest durch seine Produkte, im Alltag der Menschen so präsent, wie kaum ein anderer. Und doch stellt sich die Frage nach der Zukunft der Landwirtschaft angesichts der Lage kleinerer Betriebe und der Familienunternehmen immer wieder. Welche Aussichten hat denn die Ausbildung zum Landwirt Ihrer Ansicht nach zu bieten?

Peter Hauk: Die beruflichen Zukunftsaussichten für junge Menschen sind in der Landwirtschaft trotz des Strukturwandels sehr gut. Unsere bäuerlichen Familienbetriebe sind mit Blick auf die steigenden Produktionsstandards und den technischen Fortschritt auf der Suche nach gut ausgebildeten Fach- und Führungskräften oder nach einer Betriebsnachfolgerin oder einem Betriebsnachfolger. Das bietet auch jungen Menschen, die nicht aus einer Landwirtsfamilie stammen, die Chance, sich mit einem eigenen Hof zu verwirklichen.

Weil das Berufsbild des Landwirts so breit und vielfältig ist, kommen ausgebildete Landwirtinnen und Landwirte auch in vielen anderen Bereichen unter. So werden heutzutage viele Arbeiten in der Landwirtschaft von Lohnunternehmern erledigt. Dort bieten sich gute Beschäftigungsmöglichkeiten für den landwirtschaftlichen Berufsnachwuchs. Oder nehmen wir die Landschaftspflege und viele andere Dienstleistungen, bei denen es um Natur, Tiere oder den Einsatz von Maschinen geht. Eine Berufsausbildung in der Landwirtschaft schafft auf jeden Fall ein gutes Fundament für einen beruflichen Erfolg im Agrarbereich und darüber hinaus.

Minister Peter Hauk | Foto: MLR Potente

Das Klischeebild vom Landwirt zeigt harte Arbeit mit Maschinen auf dem Acker. Welche Tätigkeiten und Aufgaben warten denn auf den modernen Landwirt in Deutschland heutzutage?

Peter Hauk: Viele Menschen, vor allem in den großen Städten, haben ein romantisch-verklärtes Bild von unserer Landwirtschaft, das wenig mit der tatsächlichen Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern zu tun hat. Landwirtinnen und Landwirte sind heutzutage zuallererst Unternehmerinnen und Unternehmer, die am Markt bestehen müssen. Sie führen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und tragen Verantwortung für Nutztiere, Kulturpflanzen und die Umwelt. Sie kümmern sich um Produktion, Einkauf und Vermarktung, müssen sich mit betrieblichen Finanzen beschäftigen und kennen sich in Gesetzen und Vorschriften aus. Darüber hinaus haben sie die Märkte für Agrarerzeugnisse im Blick.

Klar ist allerdings auch, dass sich Landwirtschaft nicht an der Werkbank in einer Fabrikhalle abspielt. Landwirtschaft bedeutet auch Arbeit in der Natur und mit der Natur. Dabei haben sich die Tätigkeiten in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Wie im übrigen Wirtschaftsleben auch, sind Digitalisierung und Spezialisierung im Agrarbereich die großen Themen. Harte körperliche Arbeit steht heute weniger im Vordergrund. Es geht vielmehr um den Umgang mit moderner Technik und umweltgerechte Produktion auf höchstem Standard. Kernaufgabe der Landwirtschaft ist es, die Menschen mit hochwertigen Lebensmitteln oder nachwachsenden Rohstoffen zu versorgen. Landwirtin und Landwirt übernehmen damit auch ein hohes Maß an Verantwortung für ihre Kunden und die Verbraucher. Dadurch, dass sie unsere einmalige Kulturlandschaft pflegen und erhalten, übernehmen sie wichtige Aufgaben für unsere Gesellschaft.

„Landwirtinnen und Landwirte sind Macher und Tüftler, die die frische Luft lieben“, sagt Minister Peter Hauk. | Foto: MLR / Potente

Welche Voraussetzungen und Fähigkeiten sollten Auszubildende mitbringen, wenn Sie in den Berufszweig Landwirt einsteigen wollen?

Peter Hauk: Wie gesagt, die Ausbildung ist breit angelegt. Die fachliche Breite der Ausbildung ist wichtig, weil unsere heimische Landwirtschaft in den unterschiedlichen Regionen auf vielen verschiedenen Standbeinen steht. Dass die Schwerpunkte der Ausbildungsbetriebe in der Tierhaltung, im Ackerbau oder in anderen landwirtschaftlichen Produktionsbereichen liegen, ist das eine. Wichtig ist jedoch, dass die jungen Menschen Neugierde, Flexibilität und das Interesse am Umgang mit Tieren, Pflanzen und, Maschinen mitbringen um in der Landwirtschaft durchstarten zu können. Landwirtinnen und Landwirte sind Macher und Tüftler, die die frische Luft lieben. Es ist die Kombination aus Natur, Technik und Unternehmergeist, die den Beruf der Landwirtin oder des Landwirts so attraktiv macht.

 

In welcher Weise lassen sich innerhalb einer solchen Ausbildung die Bereiche Wirtschaft und Umweltschutz kombinieren?

Peter Hauk: Ein guter Umgang mit der Natur ist die Grundvoraussetzung für den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg eines landwirtschaftlichen Unternehmens. Insofern stehen diese beiden Aspekte bei unseren Bäuerinnen und Bauern nicht im Widerspruch zueinander, sondern sie ergänzen sich sehr gut. Der Erhalt der biologischen Vielfalt und der Schutz des Klimas sind globale Aufgaben der Menschheit, die wir ohne unsere Bauern nicht lösen können. Ich denke da zum Beispiel an den verstärkten Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen, die bei der Herstellung von zahlreichen Werkstoffen in der Industrie die zur Neige gehenden Erdölvorräte langfristig ersetzen werden. Wir nennen das Bioökonomie. Die Auszubildenden in der Landwirtschaft erwarten also spannende Themen während ihrer Berufsausbildung.

 

Was würden Sie persönlich allen zukünftigen Auszubildenden mitteilen wollen, die eine Karriere in der Landwirtschaft anstreben?

Peter Hauk: Jeder junge Mensch sieht für sich selbst nach dem Schulabschluss seine ganz eigenen Entwicklungsmöglichkeiten. Im Bereich der Landnutzung bieten sich 14 verschiedene Berufe an, die sich teilweise in verschiedene Fachrichtungen aufgliedern. Die bekanntesten Berufe im Agrarbereich sind wohl Landwirt/in, Tierwirt/in, Forstwirt/in, Winzer/in oder Pferdewirt/in und Gärtner/in. Es gibt aber auch die Ausbildung zur Pflanzentechnologin oder zum Pflanzentechnologen sowie zur Fachkraft Agrarservice. Im landwirtschaftlichen Bereich gibt es zudem vielfältige Fortbildungsmöglichkeiten mit Abschlüssen wie Wirtschafter/in, Techniker/in oder Meister/in. Mit diesen Fortbildungsabschlüssen in der Tasche besteht die Möglichkeit, ein Studium zu beginnen.

Ich persönlich empfehle jungen Menschen, die Frage der Berufswahl offen und mutig anzugehen und die vielfältigen Möglichkeiten der Information zu nutzen. Wer sich unschlüssig ist, ob die Landwirtschaft etwas für ihn ist, kann das im Rahmen eines Praktikums für sich herausfinden.

 

Dieses Interview fand im Zuge der Vorbereitungen für die Beilage zur Ausbildungsmesse „Einstieg Beruf“ der Badischen Neuesten Nachrichten statt. Diese Beilage ist auch online unter  https://ebook.bnn.de/bnn/beilagen/ zu finden.