KEINE CHANCE FÜR BÖSEWICHTE: Im Spiel "Nonstop Chuck Norris" können die Nutzer mit dem Kult-Helden nach Herzenslust Gangster verprügeln. | Foto: pr

Spiel mit dem Kult-Helden

Mit der Kraft von Chuck Norris

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Für die einen ist Chuck Norris immer noch der Actionheld aus diversen Filmen und Serien der 80er und 90er Jahre. Die jüngere Generationen hat nie einen Streifen mit dem US-amerikanischen Schauspieler gesehen. Dennoch besitzt der inzwischen 77-Jährige für sie Kultstatus. Das Internet hat Norris zu einer Art Über-Helden gemacht. Die Sprüche und Mythen, die um ihn kreisen, belegen das. Kostprobe gefällig? „Wenn Chuck Norris mit nassen Fingern an die Steckdose geht, bekommt das Kraftwerk einen Stromschlag.“
Den Kult rund um die Person Chuck Norris macht sich nun die Karlsruher Spiele-Firma flaregames zunutze. Das Unternehmen bringt am Donnerstag „Nonstop Chuck Norris“ für mobile Geräte, also Smartphones und Tablets, auf den Markt.

Spieler schlüpft in Rolle des Actionhelden

In dem Spiel, das sich jeder kostenfrei auf sein Handy laden kann, schlüpft der Nutzer in die Rolle des Actionhelden. Und tut das, was Chuck Norris eben tut: Bösewichte verprügeln und coole Sprüche von sich geben. Die Macher gehen von einem großen Absatzerfolg aus. „Wir erwarten schon im ersten Monat mehrere Millionen Downloads“, sagt Klaas Kersting. Der Chef des Unternehmens ist überzeugt, dass die rund einjährige Umsetzungszeit für das Spiel sich letztlich auszahlen wird.

Doch wie kommt eine Karlsruher Firma überhaupt auf Chuck Norris? „Er ist einfach episch“, sagt Kersting und lacht. Generell sei es jedoch darum gegangen, das Spiel „Nonstop Knight“, das bereits millionenfach heruntergeladen wurde, aufzuwerten. Man wollte eine größere Zielgruppe als die klassischen Rollenspieler. „Da kam uns der Gedanke, mit einer bekannten Marke zu arbeiten. Dafür gibt es ja bereits jede Menge Vorbilder“, so Kersting, der etwa auf die mobilen Spiele mit dem Reality-TV-Sternchen Kim Kardashian verweist. Den Nutzern wurden schließlich einige Modelle präsentiert – ein Spiel um Martial-Arts-Ikone Jackie Chan oder auch eines auf Star Wars-Basis. Letzteres wurde zwar favorisiert. „Für Star Wars haben wir aber keine Markenrechte bekommen“, sagt Kersting.

Norris von Idee begeistert

Also kontaktierte man den Agenten von Norris. Und der Kult-Star zeigte sich sofort begeistert. Kurze Zeit später drehte man bereits Video-Spots mit ihm in Houston. „Dafür hatten wir eine TV-Crew mit 20 Leuten“, sagt der flaregames-Chef. Das Ergebnis sind humorige Werbefilme, in denen Chuck Norris seinem Image gerecht wird.

Künftig wird der 77-Jährige also millionenfach auf mobilen Geräten auftauchen, sofern der Plan der Karlsruher aufgeht. Tut er es, hat flaregames den nächsten Umsatzgaranten. Die Erlöse der Badener haben sich 2016 bereits verdoppelt. „In diesem Jahr rechnen wir mit einer Verdreifachung“, sagt Kersting. Konkrete Zahlen nennt er jedoch nicht. Hinter flaregames stehen bekannte Wagniskapitalgeber wie Accel Partners und Deutsche Telekom Strategic Investments. In Summe seien bereits deutlich über 20 Millionen Euro in die Firma, die vor rund fünf Jahren gegründet worden ist, geflossen. Sie beschäftigt derzeit am Standort Karlsruhe etwa 105 Mitarbeiter. „Am Ende des Jahres sollen es 130 sein“, sagt der Geschäftsführer. Zudem werden zwei Studios von flaregames betrieben – eines in Frankfurt mit 25 Beschäftigten und eines im finnischen Tampere mit zwölf.

flaregames will von Spieleboom profitieren

flaregames will weiter wachsen. Schließlich verspricht der globale Markt für Spiele auf mobilen Geräten einiges. „Er ist aktuell 45 Milliarden Dollar groß. 2020 bis 2021 dürften es etwa 100 Milliarden sein“, erklärt Kersting. Neben einer zusätzlichen Standort-Eröffnung (Kersting: „In Nordamerika oder im asiatischen Raum.“) wolle man deshalb vor allem das Spiele-Portfolio vergrößern. „Je größer, desto mehr Ziele haben wir, auf die wir unsere Nutzer lenken können. Das macht das ganze margenfreundlicher“, sagt Kersting. Das Geld wird mit Werbung verdient, die während des Spielens eingeblendet wird. Zudem haben die Nutzer die Möglichkeit, sich in den Spielen Zusatzoptionen zu kaufen, etwa eine bessere Bewaffnung oder die Freischaltung von sogenannten Sonderevents. „Das machen aber nur fünf bis zehn Prozent der User“, so Kersting.

Die Karlsruher entwickeln die Spiele im Übrigen nicht selbst. Sie arbeiten mit Kooperationspartnern zusammen und kümmern sich dann um die Optimierung, das Marketing und den Vertrieb – zusammengefasst wird dies unter dem Begriff Publishing. Die „Nonstop“-Reihe stammt vom österreichischen Entwickler Sproing. „Wir sind für die Ideen und die kreative Leistung zuständig, die anderen machen die Umsetzung“, beschreibt Kersting die Arbeitsverteilung. Damit hat sich flaregames inzwischen einen Namen in der Szene gemacht. 500 bis 1 000 Spiele sehen sich die Badener jedes Jahr an. „Dafür haben wir eine ganze Mannschaft.“ Die ist überaus international, Firmensprache ist folglich englisch. Es sei eben schwierig, allein in der Region passende Mitarbeiter zu finden. „Deshalb rekrutieren wir weltweit.“ Dank Kult-Held Chuck Norris dürfte der Bekanntheitsgrad weiter wachsen.