Mag die Extreme: Das Übergreifende ist das Lebensideal des Musikers und Kulturmanagers Stephan Frucht | Foto: pr

Zuhören ist seine Stärke

Mit Frucht in die Zukunft

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Empathie für die Karlsruher Musikhochschule

Menschen, die sich für Menschen interessieren, interessieren Stephan Frucht. Über Empathie freut er sich. Und wer sich mit ihm unterhält, merkt schnell, dass auch er das sehr gut kann: fragen und zuhören – obwohl es ja eigentlich um ihn geht in diesem Telefonat. Das, was viele Menschen in Zeiten digitaler Beschleunigung aus den Augen verlieren, hat der Musiker und Kulturmanager als Sohn einer Pianistin schon in Kindheitstagen gelernt. Und er nimmt diese persönliche Stärke nun auch mit in sein neues Amt an der Hochschule für Musik in Karlsruhe.

Für Frauen in Leitungsgremien

Stephan Frucht ist der neue Vorsitzende des Hochschulrates, dem zuletzt die Unternehmensberaterin Michaela Dickgießer vorsaß. Und er will in erster Linie zuhören, wenn es um sein Engagement für die Musikhochschule geht. Seine Agenda sei in diesem Fall, „dass ich keine habe. Ich will zuhören, wo Kollegen der Institution Probleme haben. Ich möchte, dass wir offen sprechen, nicht intransparent, und dass wir im Team entscheiden“, sagt Frucht über seine Wünsche an den Hochschulrat. Mit dieser Einstellung will er Themen wie fehlende Stellen, die Belange des Hochschulorchesters und Fragen zu den Gebäuden angehen. Außerdem ist ihm wichtig, „dass wir in Leitungsgremien starke Frauen haben, da müssen wir im 21. Jahrhundert ankommen“.

Zwischen OP und Dirigentenpult

Frucht ist ein Mann, der in den Sphären der Kunst ebenso schweben kann wie er geerdet ist. Er mag die Extreme zwischen einem Meeting, in dem es hoch hergeht, und der Einsiedlerarbeit über neuen Verträgen oder einer Partitur. „So werden die Synapsen nicht refraktär“, erklärt Frucht mit dem Wissen des Mediziners. Schon früh war dem 1972 in Hannover geborenen Sohn eines Violine spielenden Volkswirtes klar: Das Übergreifende ist sein Lebensideal. Seine beachtliche Vita spricht dahingehend Bände. Auf sein Violin-Diplom setzte Frucht in Berlin noch ein Studium für Dirigieren. Parallel studierte er Humanmedizin, promovierte 2002 an der Berliner Humboldt-Universität im Bereich der Traumatologie und vollbrachte als Arzt im Praktikum (AiP) den Spagat zwischen der der Unfallchirurgie einerseits sowie Fugen und Sonatenhauptsätzen andererseits. Schnell wurde ihm klar: „Nach einer OP abends noch auftreten, das geht nicht. Man muss in einem Bereich professionell sein.“

Leiter des Siemens Art Programms

Vor knapp 20 Jahren entschied er sich für die Musik. Freilich von mehreren Seiten. Er war von 2003 bis 2006 Referent der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in der Enquête-Kommission „Kultur in Deutschland“, leitete ab 2006 den Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. sowie die Kulturstiftung der deutschen Wirtschaft. Frucht ist Herausgeber von Musik-Produktionen, als Dirigent sind zahlreiche Einspielungen erschienen. Seit 2015 arbeitet Frucht bei Siemens und hat auch dort gewissermaßen zwei Hüte auf: Er ist künstlerischer Leiter des „Siemens Arts Program“ und leitet überdies die globalen Kultur- und Sponsoringprogramme der Siemens AG. Von seinen Erfahrungen durften bereits Studierende in Karlsruhe profitieren, die bei Frucht berufsbezogene Beratung und Tipps für Marketing für Musiker erhalten haben.